Sebastian Rothfuss und Gudrun Lack – der neue Inhaber und die bisherige Chefin von Bücher Lack in Fellbach Foto: Gottfried Stoppel

Nach fast 40 Jahren als Inhaberin verkauft Gudrun Lack das Fellbacher Geschäft an ihren Mitarbeiter Sebastian Rothfuss. Beide sehen gute Chancen für den lokalen Buchhandel.

Ein Last-Minute-Geschenk für die beste Freundin, ein liebevoll gestaltetes Kochbuch für die Gattin, die Erweckung der Pipi-Langstrumpf-Welt für die Enkele, ein prächtiger Farbbildband für einen selber: Wer in diesen Tagen kurz vor Heiligabend noch schnell das passende literarische Präsent benötigt, ist hier an der richtigen Stelle. Das Gewusel in den Buchhandlungen ist in diesen Tagen so ausufernd wie eben nur in den Wochen vor Weihnachten.

So ist das derzeit auch bei der Buchhandlung Lack in Fellbach. „Der Buchhandel insgesamt lebt von den letzten zwei Monaten des Jahres“, sagt Gudrun Lack. Die Buchhändlerin ist in diesen Wochen mittendrin in der durchaus stressbehafteten Kundenberatung und der Troublebewältigung – wie seit fast 40 Jahren. Doch es wird die letzte Saison für sie sein, zumindest als Chefin.

Gudrun Lack ist begeistert über diese Nachfolgeregelung

Denn die Inhaberin von Bücher-Lack gibt ihr Geschäft ab – sie hat den Laden an ihren Mitarbeiter Sebastian Rothfuss verkauft, der vom neuen Jahr an wiederum ihr Chef sein wird. Denn Gudrun Lack rückt mit 63 Jahren ins zweite Glied und will nur noch hier und da als Beraterin agieren oder mal aushelfen – eine ungewöhnliche Konstellation.

Doch Gudrun Lack ist mehr als erleichtert, ja begeistert, dass diese Lösung nun zustandekommt. „Das ist ein absoluter Glücksfall – für die Kunden, für die Kollegen, für Fellbach, für mich und hoffentlich auch für Herrn Rothfuss.“ Und vor allem, weil somit auch das Buch und der Buchhandel „sichtbar bleiben in der Stadt“.

Denn es ist „eine unabhängige Buchhandlung“, keine von einer Zentrale gesteuerte Filiale einer Kette, in der es häufig „weniger um Inhalte, sondern um große Stapel“ gehe. Dabei könnte man sich für die größenmäßig eher übersichtliche Buchhandlung schon ein wenig mehr Generosität vorstellen – bei einer Gesamtfläche von 100 Quadratmetern, wobei der reine Verkaufsbereich bei nur 80 Quadratmetern liegt. Bei insgesamt acht Mitarbeitenden, darunter sechs Buchhändlerinnen und Buchhändler, muss man sich schon mal umkurven wie derzeit eben im vorweihnachtlichen Getümmel.

Großer Charme auf kleiner Fläche im Fachwerkhaus

Aber das macht für Gudrun Lack eben genau den Reiz aus. „Wir sind sicher eine der kleinsten Buchhandlungen in Städten vergleichbarer Größe“, sagt sie. Vor rund 15 Jahren, als das Fellbacher Oberdorf zum Sanierungsgebiet wurde, gab es tatsächlich mal die Überlegung: „Soll ich umziehen in eine tolle Riesenfläche?“

Aber auf den Charme dieser gemütlichen Atmosphäre im Fachwerkhaus verzichten zugunsten „einer schicken Fläche in einem Einkaufszentrum“? Nein, das war damals keine Option und ist es bis heute nicht, auch nicht für ihren Nachfolger als Unternehmer.

Bücher Lack an der Ecke Cannstatter Straße/Hirschstraße im Fellbacher Oberdorf Foto: Gottfried Stoppel

Neunundreißigeinhalb Jahre ist es genau her, dass Gudrun Lack nach einem Umbau der vormaligen Galerie ihre Anlaufstelle für Literaturfreunde in der Cannstatter Straße 9 eröffnet hat, „das war damals die sechste Buchhandlung in Fellbach“. Ihr Vater hatte bereits in Fellbach eine Versandbuchhandlung mit Schwerpunkt Schulbuch, so gesehen waren die familiären Grundlagen für Gudrun Lack gelegt.

Einfach sei der Beginn jedoch nicht gewesen: „Ich habe mit 24 Jahren angefangen, und da hieß es oft von Kunden: Ich will den Chef sprechen.“ Dass die junge Dame an der Kasse selbst die Chefin sein könnte, schien manchen unvorstellbar. „Aber damals war Fellbach noch anders als heute, und im Oberdorf erst recht“, sagt sie schmunzelnd.

Man muss als Buchhandlung für die Präsenz in der Stadt aber auch etwas tun: Bei kulturellen Ereignissen des Kulturamts oder des Stadtmuseums wird eigens eine passende literarische Reihe zusammengestellt. Wenn bekannte Autoren zu einer Lesung in der Stadt sind, wartet Lack am Büchertisch mit ausgewählter Literatur auf.

Und immer mal wieder veranstaltet Gudrun Lack auch Lesungen – vor etlichen Jahren sogar mit einer Krimiautorin abends in der Fellbacher Bahnhofsunterführung, ansonsten bevorzugt im genau unter der Buchhandlung liegenden Keller des Kunstvereins Fellbach.

Ihr Nachfolger Sebastian Rothfuss ist übrigens erst seit zwei Jahren im Bücher-Lack-Team – kommt allerdings aus der Branche. Der heute 46-Jährige hat in Nagold eine Ausbildung zum Buchhändler absolviert und dann noch ein Studium der Betriebswirtschaft mit Schwerpunkt Buchwissenschaft drangehängt. Später arbeitete er in einem Verlag.

Nach Fellbach kam er, weil er in das Haus seiner verstorbenen Tante ziehen konnte. Bei Bücher Lack landete er per Zufall, indem er vor zwei Jahren einfach die kleine Treppe hoch in den Laden stiefelte und Gudrun Lack fragte, ob sie ihn brauchen könnte. Bei seiner Vorgeschichte musste sie nicht lange überlegen – und die Zusammenarbeit klappte so gut, dass nun aus dem bisherigen Angestellten der Inhaber wird.

40-Jahr-Feier von Buchhandlung und Kunstverein im Sommer

Rothfuss hofft, dass insbesondere die vielen Stammkunden dem Geschäft die Treue halten. Der Name Bücher Lack wird beibehalten, weil er sich längst etabliert hat. Für Gudrun Lack geht damit ein durchaus kräftezehrender Lebensabschnitt zu Ende: „40 Jahre Selbstständigkeit, die verbrauchen auch Energie.“ Doch sie weiß Bücher-Lack auch künftig in guten Händen: „Bücher Lack bleibt ein attraktiver Ort zum Schauen, Schmökern und Einkaufen im Rathaus-Carrée.“

Die richtige Übergabe-Party soll übrigens erst im Juni 2026 zum 40-jährigen Bestehen von Bücher-Lack steigen, dann ist das Wetter besser, und der Kunstverein Fellbach wird in jenen Wochen ebenfalls gscheit, sodass eine große gemeinsame 40er-Feier vorgesehen ist – mit Künstlerin, Literaten und einem kulturaffinen Publikum aus Fellbach und Umgebung.