So teuer wie ein Einfamilienhaus war die Toilettenanlage an der Egelseer Heide in Stuttgart, moniert der Steuerzahlerbund. Foto: Landeshauptstadt Stuttgart

600 000 Euro kostet eine neue öffentliche Toilette in Stuttgart, die sich selbst reinigen kann. Der Steuerzahlerbund sieht das kritisch. Wie die Stadt darauf reagiert.

Auf Tiktok bekam die Stadt für ein Video ihrer neuen selbstreinigenden Toilettenhäuschen 151 000 Herzchen. Der Bund der Steuerzahler (BDST) ist ob der neuen Anlagen weniger euphorisch. Die kürzlich eingeweihte neue Anlage am Wanderparkplatz Egelseer Heide oberhalb der Grabkapelle in Stuttgart-Rotenberg kostete laut Stadt rund 600 000 Euro. Insgesamt lässt sich die Landeshauptstadt den Bau von 34 Anlagen – sieben neue und 27 sanierte bestehende Toilettenzwölf Millionen Euro kosten. Zusammen mit Betriebskosten summiert sich der Betrag auf 13,9 Millionen.

So teuer wie ein Einfamilienhaus

Auf Anfrage der Bild-Zeitung sagte der baden-württembergische BDST-Vorsitzende Eike Möller: „Gegen funktionierende Toiletten im öffentlichen Raum ist prinzipiell nichts einzuwenden. Wenn dann aber bereits kleinere Anlagen über eine halbe Million Euro an Steuergeld kosten, sollte man kritisch hinterfragen, ob diese Summe gerechtfertigt ist. Denn für dieses Geld kann ein Einfamilienhaus gebaut werden.“

Die Stadt rechtfertigt die hohe Summe für das Exemplar an der Egelseer Heide damit, dass für den Standort am Stadtrand Frischwasser-, Abwasser- und Stromleitungen über 260 Meter hätten verlegt werden müssen. Die Anlagen außerhalb des Stadtkerns – auch am Max-Eyth-See ist eine Toilette geplant – würden somit höher zu Buche schlagen als jene im Innenstadtbereich. Werde dort eine bestehende Anlage saniert, koste das etwa 200 000. 

Die AWS verteidigt die neuen Toiletten

Außerdem weist Markus Töpfer, Geschäftsführer der zuständigen Abfallwirtschaft Stuttgart (AWS), darauf hin, „dass eine konventionelle Anlage in der Lebenszeitbetrachtung eher teurer“ sei. „Insbesondere stellt sich die Frage wie eine Reinigung nachts und an Wochenenden sichergestellt werden soll“, so Töpfer. Wie Anlagen ohne dauerhafte personelle Betreuung aussehen, wisse man. „Damit würden wir aber das Ziel des Konzepts, nämlich allen Menschen jederzeit Zugang zu einer sauberen Toilette zu ermöglichen, nach unserer Überzeugung, nicht erreichen.“ Vom Steuerzahlerbund würde er sich deshalb eine „differenziertere Betrachtung“ wünschen.

Bereits Anfang 2025 wurden die Toiletten am Marienplatz und am Rupert-Mayer-Platz fertig. Drei weitere – in der Lautenschlagerstraße, Kronprinzstraße und am Rotebühlplatz – könnten in den kommenden Woche eröffnet werden, heißt es von der Stadt. Man mache gute Erfahrungen mit den neuen Toiletten, die stärker genutzt würden als die bisherigen öffentlichen Klos. Die Anlagen sind kostenlos und selbstreinigend, sie funktionieren vollautomatisch, nach jeder Nutzung werden Fußboden und Sitzbrille gereinigt.

Angst, mitgereinigt zu werden, muss indes kein Toilettengänger haben: „Sensoren überwachen, dass sich während der Reinigung keine Person in der Kabine aufhält“, betont die Stadt. Wasserverschwendung sei das übrigens keine, heißt es auf dem städtischen Instagram-Account: Pro Reinigung fielen 200 Liter an. Allerdings wird „das Wasser gefiltert und bis zu 70 Mal wiederverwendet“. Zusätzlich würden die Anlagen, für die die Abfallwirtschaft Stuttgart (AWS) zuständig ist, regelmäßig kontrolliert und bei Defekten – wie derzeit am Marienplatz – repariert.

So sieht es während der Reinigung in der Toilette aus. Foto: Landeshauptstadt Stuttgart

Der Auftrag war europaweit ausgeschrieben worden, den Zuschlag erhielt die Firma Santironics aus den Niederlanden. Mit den kostenlosen und sauberen öffentlichen Toiletten war der Gemeinderat einem regelmäßig vorgetragenem Wunsch nachgekommen, den Bürgerinnen und Bürger unter anderem mehrfach im Rahmen des Bürgerhaushalts formuliert hatten.

Insgesamt gibt es in Stuttgart 75 öffentliche Toiletten. Betrieb und Unterhalt kosten laut AWS jährlich etwa 2,5 Millionen Euro. Die Standorte sind auf der Seite der Stadt einsehbar.