Maria Sekulic spielt kurz nach der EM-Teilnahme am Wochenende zwei Mal für den SSV Esslingen, Vater Milos am Samstag gegen die SSVE-Männer.
Im Hause Sekulic in der Esslinger Innenstadt gibt es am Freitagabend einen Moment der Ruhe und der Gemeinsamkeit. Gleichzeitig gibt es viel zu erzählen. Während Tochter Maria mächtig im Reisestress ist, hat Vater Milos am Samstag die entspannteste Anreise zu einem Auswärtsspiel überhaupt. Maria Sekulic ist Torhüterin der Wasserball-Nationalmannschaft, kommt im Laufe des Freitags von der Europameisterschaft in Funchal auf Madeira zurück und reist am Samstagvormittag schon wieder mit dem Bundesligisten SSV Esslingen zum Doppelspieltag (Samstag, 18 Uhr, und Sonntag, 12 Uhr) zu den WF Spandau 04. Milos Sekulic ist Trainer des Männer-Zweitligisten SC Neustadt – und tritt mit seiner Mannschaft am Samstag (14 Uhr) im Stuttgarter Sportbad beim SSVE an.
Natürlich hat Vater Milos genau beobachtet, was Tochter Maria in Funchal so getan hat. „Sie hat ja gegen Griechenland gespielt und hat es gar nicht schlecht gemacht“, sagt er – was als höchstes Lob zu verstehen ist: „Ja, ich bin schon sehr, sehr kritisch, auch meiner Tochter und meinem Sohn gegenüber.“ Aleks Sekulic spielt für Rekordmeister Spandau und ist ebenfalls Nationalspieler. Dann fügt Milos Sekulic in Bezug auf Marias Nationalteamdebüt noch hinzu: „Es ist eine schöne Auszeichnung für ihre Arbeit.“
„Es war ein gutes Erlebnis“
Für die 16-jährige Maria Sekulic war es nach vielen Auftritten in Jugend-Auswahlteams ihre erste Berufung ins Erwachsenen-Nationalteam. Sie war auf Madeira zweite Torhüterin hinter der Bochumerin Darja Heinbichner, kam in einem Viertel gegen die Slowakei (22:11) und in einer Hälfte gegen Griechenland (5:26) zum Einsatz. „Sportlich hatten wir uns mehr vorgenommen“, sagt sie über den enttäuschenden 11. Platz, „aber für mich persönlich war es sehr gut. Es war ein gutes Erlebnis, ein Teil des Teams zu werden.“ Gegen die späteren Bronzemedaillengewinnerinnen aus Griechenland sei es „echt heftig“ gewesen, „aber ich habe viel gelernt“.
Die Wasserball-Karriere von Maria Sekulic hat sogar dazu geführt, dass die Familie – mit Ausnahme von Aleks – nach Esslingen gezogen ist. Als Maria 13 Jahre alt war, trainierte sie mit dem Spandauer Bundesligateam, spielte aber für den SSVE-Nachwuchs – weil es in Berlin keinen gab. Dabei lernte sie die Stadt kennen. Dann folgte der Umzug. „Esslingen ist ein schönes Fleckchen auf der Erde“, sagt Vater Milos, der zwei Mal pro Woche nach Neustadt pendelt. Als er bis zum Verpassen der EM-Qualifikation im Sommer 2025 Coach des Männer-Nationalteams war, war sein Standort ohnehin zweitrangig – beziehungsweise die Nähe zu Stuttgart mit seinem von mehreren Teams genutzten Sportbad eher ein Vorteil.
Maria fühlt sich ebenfalls in Esslingen wohl, auch wenn sie sagt: „Ich bin eher ein Typ für die Großstadt – aber Stuttgart ist ja nicht weit.“ Im Jahr 2027 macht sie das Abitur und will anschließend studieren: „Was und wohin es mich dann verschlägt, weiß ich noch nicht.“
„Sehr automatisch“ zum Wasserball
Natürlich ist Wasserball bei den Sekulics immer ein großes Thema, noch mehr, wenn Sohn und Bruder Aleks zu Besuch ist. „Es war schon sehr automatisch, dass ich da reingekommen bin“, sagt Maria und lacht, „aber es ist gut so, ich habe beim Wasserball schnell Freunde gefunden und die Szene ist ja nicht so groß.“ Und sie ergänzt: „Es gibt aber auch andere Sachen, die wir gerne zusammen machen.“ Vater Milos, der im Jahr 1997 aus Serbien nach Deutschland kam und neben anderen Stationen von 2012 bis 2017 Coach des Frauen-Nationalteams war, findet das auch. Das gemeinsame Interesse aber ist ihm wichtig: „Wir analysieren viel zusammen. Klar, meine Kinder waren von klein auf im Bad dabei. Aber es ist doch schön, dass es Wasserball-Familien gibt. Es gibt viele davon, so wie es etwa auch Basketball-Familien gibt.“ Wann immer es sein eigener Terminplan erlaubt, schaut er bei Heimspielen der SSVE-Frauen zu. Zwei Mal in der Woche trainiert er selbst mit Maria.
Auch der SSVE ist für Vater und Tochter Sekulic wie eine große Familie. „Ich bin Mitglied im Verein, ich mag ihn und bin gerne im Vereins-Bad“, sagt Milos. Die Partie mit Neustadt gegen die Esslinger aber sieht er als „ganz normales Spiel, ich betrachte das professionell“. Nachdem der SSVE in der Liga (13:10) und die Neustädter die Achtelfinal-Begegnung des DSV-Pokals (16:13) gewonnen haben, sieht er den Ausgang diesmal völlig offen: „Die Mannschaft, die den besseren Tag erwischt, gewinnt.“
Maria Sekulic kann sich derweil realistischerweise auf zwei Niederlagen in Spandau einstellen. Dort trifft sie gleich sieben Kameradinnen aus dem Nationalteam sehr schnell wieder, darunter die beiden Ex-Esslingerinnen Elena Ludwig und Georgia Sopiadou. „Keine von uns ist ein Fan von diesem Doppelspieltag“, sagt sie bei aller Liebe zu ihrem Sport. Den größten Reisestress aber hat sie. Am Sonntagabend wird im Hause Sekulic in der Esslinger Innenstadt dann das Thema sein, wie es lief – in Berlin und in Stuttgart. Und Erlebnisberichte von Madeira könnte es auch noch ein paar geben, wenn am Freitagabend die Zeit dazu nicht gereicht hat.
Ein Mal Neustadt, zwei Mal Spandau
Neustadt
Im dritten Spiel unter dem neuen Trainerduo Michel Denneler/Marius Schmitt erwartet Wasserball-Zweitligist SSV Esslingen am Samstag (14 Uhr) den SC Neustadt – und möchte dabei den zweiten Sieg holen. Es dürfte zwischen dem Vierten und Fünften der Tabelle ein Spiel auf Augenhöhe sein. Die Esslinger können dabei erstmals auf Neuzugang Alec Abrahamian bauen, der zuletzt für die Biola University in Kalifornien gespielt hat. Davor war der ehemalige US-Jugendnationalspieler für den Uerdinger SV 08 aktiv.
Spandau
Die SSVE-Frauen treten in der Bundesliga am Samstag (18 Uhr) und am Sonntag (12 Uhr) gleich zwei Mal beim Top-Team WF Spandau 04 an. Beides sind Nachholspiele und die Partie am Sonntag ist eigentlich ein Esslinger Heimspiel. Begeistert sind sie beim SSVE nicht darüber, aber es wurde keine andere Möglichkeit gefunden. „Das ist ärgerlich, wir spielen gerne zu Hause“, sagt Teammanagerin Iris Schneider und kündigt an, dass das Team gegen den Top-Favoriten „so gut wie möglich spielen“ will. Die Esslingerinnen haben in der Slowakin Lenka Garancovska, Felina Ramesohl (kommt aus Rumänien, davor PSV Stuttgart) und der Ukrainerin Mariia Lytvyniuk (aus Frankreich, davor Waspo Hannover) drei Neuzugänge. Schneider: „Sie sind auf uns zugekommen – und sie sind richtig gut.“