An den Coca-Cola-Standorten in Urbach und Deizisau sind die Beschäftigten an diesem Dienstag in einen eintägigen Warnstreik getreten. Sie kämpfen für mehr Lohn.
Bei Coca-Cola in Urbach (Rems-Murr-Kreis) und in Deizisau (Landkreis Esslingen) stehen an diesem Dienstag die Zeichen auf Streik. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) hat die Beschäftigten (120 in Urbach und 320 in Deizisau) dazu aufgerufen, ab 6 Uhr die Arbeit niederzulegen. Der Warnstreik, mit dem die Beschäftigten um mehr Lohn kämpfen, dauert laut einer Mitteilung der NGG den gesamten Dienstag an.
Der Logistikstandort in Urbach und das Produktionswerk im Nachbarlandkreis reihen sich damit in eine Welle aus Warnstreiks in mehreren Coca-Cola-Standorten bundesweit ein. Nach Warnstreiks in verschiedenen Werken in Norddeutschland findet der Streik an diesem Dienstag zeitgleich in Urbach und am Standort in Deizisau statt. Hintergrund der Warnstreiks sind die aktuell laufenden Tarifverhandlungen bei Coca-Cola Deutschland.
„Die Kolleginnen und Kollegen hier in Urbach fordern – wie überall im Land – endlich mehr Wertschätzung und faire Entgelte“, wird Michael Gutmann zitiert, der Geschäftsführer der Gewerkschaft NGG bei der zuständigen NGG-Region Ulm-Aalen/Göppingen. „Dass Coca-Cola für 2025 keine Lohnerhöhung vorsieht und erst 2026 magere 1,5 Prozent anbietet, ist eine Provokation. Besonders verwerflich ist, dass Auszubildende komplett leer ausgehen sollen.“
Die NGG fordert bei einer Laufzeit von zwölf Monaten rückwirkend ab dem 1. September 2025:
- Zunächst eine Anhebung um 150 Euro auf alle Entgelte
- zuzüglich 5 Prozent mehr Entgelt
- eine Erhöhung der Ausbildungsvergütungen um 120 Euro pro Monat in allen Ausbildungsjahren
In den vergangenen Jahren habe Coca-Cola bundesweit zahlreiche Arbeitsplätze abgebaut, während die Produktivität nicht gesunken, sondern gestiegen sei. „Das geht nur, weil immer weniger Menschen immer mehr leisten – und das bei stagnierenden Löhnen und steigenden Kosten. Das muss ein Ende haben“, fordert Gutmann.
Mit Blick auf die zweite Verhandlungsrunde ab 10. November in Hamburg kündigt die NGG an, den Druck zu erhöhen: „Wenn sich Coca-Cola in den Verhandlungen nicht bewegt, werden wir den Streik ausweiten – und zwar so lange, bis ein faires und gutes Angebot vorliegt“, so Gutmann.
Das Unternehmen Coca-Cola Europacific Partners Deutschland (CCEP DE) teilt indes mit, mit einer Entgelterhöhung von 1,5 Prozent für das nächste Jahr sei „ein wirtschaftlich tragfähiges Angebot vorgestellt“ worden. Dieses Angebot trage der aktuell herausfordernden wirtschaftlichen Lage Rechnung und berücksichtige die hohen Entgeltabschlüsse der vergangenen Jahre.
Das Unternehmen habe die Belegschaft in der hohen Inflationsphase zwischen 2021 und 2023 mit einem Inflationsbonus von 3000 Euro unterstützt und die Tarifentgelte seit 2023 insgesamt um 670 Euro pro Monat erhöht. Darin enthalten sei auch die bereits umgesetzte Entgelterhöhung von rund 3,5 Prozent (monatlich 170 Euro) seit vergangenem März.
„In den vergangenen erfolgreichen Jahren haben wir die Leistungen unserer Belegschaft mit hohen Entgeltabschlüssen anerkannt. Diese höheren Personalkosten tragen wir dauerhaft – in erfolgreichen Jahren genauso wie in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten wie diesen, die durch Kaufzurückhaltung und weiter steigende Kosten geprägt sind. Wir haben unser Angebot daher bewusst so gestaltet, dass es sowohl die aktuell herausfordernde wirtschaftliche Lage als auch die bereits geleisteten hohen Entgeltabschlüsse der vergangenen Jahre berücksichtigt“, wird Kathrin Flohr, die Geschäftsführerin People & Culture und Arbeitsdirektorin bei CCEP DE zitiert.