Vor dem Haupteingang des US-Militärstützpunkts demonstrieren rund 50 Zivilbeschäftigte für bessere Arbeitsbedingungen. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Unter dem kritischen Blick der amerikanischen Militärs demonstrieren rund 50 Zivilbeschäftigte der US-Streitkräfte in Stuttgart vor dem Haupteingang des Stützpunktes. Was sie fordern.

Sie wollen mehr Geld: Rund 50 Beschäftigte haben sich am Mittwoch vor dem Haupteingang der US-Streitkräfte in Stuttgart-Vaihingen versammelt und sind wie viele andere Zivilbeschäftigte in Deutschland in den Warnstreik getreten. „Wir wollen gleiches Geld für gleiche Arbeit“, sagt Tobias Heumann, Schichtführer der zivilen Feuerwehrkräfte, hier meist nur „Captain“ genannt.

Der 38-Jährige aus Leonberg verdient nach eigenen Angaben rund 60.000 Euro im Jahr. Und das „bei 24-Stunden-Schichten und einer 64-Stunden-Woche“, führt er aus. Zum Vergleich: Ein Feuerwehrmann am Flughafen in Stuttgart – nur wenige Meter von seinem Arbeitsplatz entfernt – verdiene in einer vergleichbaren verantwortungsvollen Position „mindestens zehntausend mehr“, sagt Heumann. Fair sei das nicht. Zudem kritisiert er die fehlende Anerkennung der deutschen Grundausbildung: „Das hat auch etwas mit Wertschätzung zu tun“, sagt er. In den USA seien Feuerwehrleute hoch angesehen, in Deutschland im Verhältnis niedrig bezahlt.

500 Zivilbeschäftigte bei US-Army in Stuttgart und Böblingen

Der 38-Jährige Feuerwehrmann Tobias Heumann beim Warnstreik vor dem Patch Main Gate. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

In Stuttgart und Böblingen sind nach Angaben von Verdi Baden-Württemberg rund 500 Zivilbeschäftigte von den laufenden Tarifverhandlungen betroffen. „Die Fluktuation ist wegen des vergleichsweise geringen Gehalts hoch, zudem sind viele Stellen unbesetzt“, sagt Verdi-Gewerkschaftssekretär Markus Kling. In der vergangenen Verhandlungsrunde habe man eine Erhöhung um 1,7 Prozent durchgesetzt, „aber in der Realität ist das ein Reallohnverlust“.

Verdi weist darauf hin, dass viele Beschäftigte nur knapp über dem Mindestlohn verdienten. Viele von ihnen seien trotz Vollzeitstellen auf einen Nebenjob angewiesen. Angesichts anspruchsvoller Aufgaben und hoher Lebenshaltungskosten sei das nicht tragbar.

Erst im Oktober hatten die Beschäftigten mit Sorge auf einen möglichen Shutdown in den USA geblickt. Rund 12.000 Zivilkräften der US-Streitkräfte in Deutschland drohten Gehaltsausfälle. Verdi forderte die Bundesregierung auf, notfalls die Zahlungen zu übernehmen. „So weit kam es glücklicherweise nicht“, sagt Kling. Die Verunsicherung sei dennoch groß gewesen.

Verhandlungspartner in der Tarifauseinandersetzung

Doch wer verhandelt da eigentlich mit wem über die Tarifverträge? „Der eigentliche Verhandlungsführer ist das Bundesfinanzministerium“, erklärt Kling. „Aber dominierend im Hintergrund sind natürlich die Amerikaner, weil sie die größte Streitmacht in Deutschland sind.“ Die Zivilbeschäftigten arbeiten in sehr unterschiedlichen Bereichen. Neben der Feuerwehr sind die Zivilbeschäftigten laut Kling auch in Bereichen wie Einzelhandel, Elektrik, Verwaltung, Sachbearbeitung oder auch als Busfahrer tätig.

2 Euro mehr – so lautet die Forderung von Verdi. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Ein eindeutiges Statement zu den Löhnen gibt der US-Stützpunkt selbst nicht. Ein Sprecher der US Army Garrison Stuttgart betont, man äußere sich nicht zu laufenden Verhandlungen. Diese würden „ausschließlich zwischen den zuständigen deutschen Behörden und den Gewerkschaften geführt“, man respektiere diesen Prozess vollumfänglich. Zugleich bleibe man „einem konstruktiven Arbeitsumfeld, der Unterstützung des Wohlergehens der Beschäftigten und der Aufrechterhaltung der Einsatzbereitschaft verpflichtet“.

Von einer grünen Kiste aus richtet Alexander Brixner, der für die Beschäftigten aus Stuttgart spricht, kämpferische Worte an seine Kolleginnen und Kollegen: „Wir stehen zusammen und halten den Laden zusammen.“ Seine Hoffnung, wie wohl die vieler Beschäftigten, liegt auf den Verhandlungstagen Anfang März, wenn sich die Parteien erneut treffen, um eine Lösung zu finden.