Die Tarifverhandlungen bei Coca-Cola Deutschland stecken in der Sackgasse. Im Deizisauer Werk ist die Belegschaft deshalb an diesem Dienstag zum Warnstreik aufgerufen.
Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) hat die Beschäftigten bei Coca-Cola in Deizisau für diesen Dienstag, 21. Oktober, von 6 Uhr an zu einem Warnstreik aufgerufen. 320 Beschäftigte aus mehreren Schichten sind dazu aufgerufen, die Arbeit niederzulegen.
Zuletzt wurde bereits an mehreren Coca-Cola-Standorten bundesweit ein derartiges Zeichen gesetzt. Nun finden die Aktionen gleichzeitig auch in Deizisau und Urbach im Rems-Murr-Kreis statt. Hintergrund sind die laufenden Tarifverhandlungen bei Coca-Cola Deutschland.
NGG nennt Angebot „eine Provokation“
„Die Kolleginnen und Kollegen hier in Deizisau fordern – wie überall im Land – endlich Wertschätzung und faire Entgelte“, sagt Magdalena Krüger, die Geschäftsführerin der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) für die Region Stuttgart. Dass Coca-Cola für dieses Jahr keine Lohnerhöhung vorsehe und erst von 2026 an magere 1,5 Prozent anbiete, sei eine Provokation. „Besonders verwerflich ist, dass Auszubildende komplett leer ausgehen sollen“, schimpft Krüger.
Die NGG fordert indes, bei einer Laufzeit von zwölf Monaten, rückwirkend vom 1. September 2025 an eine Vorweganhebung um 150 Euro auf alle Entgelte, generell fünf Prozent mehr Lohn sowie eine Erhöhung der Ausbildungsvergütungen um 120 Euro pro Monat und in allen Ausbildungsjahren.
Gewerkschaft will den „Druck erhöhen“
Vor dem Hintergrund, dass Coca-Cola in den vergangenen Jahren bundesweit Arbeitsplätze abgebaut habe, während die Produktivität gestiegen sei, sind die Forderungen der Gewerkschafterin unmissverständlich: „So etwas geht nur, weil immer weniger Menschen immer mehr leisten — und das bei stagnierenden Löhnen und steigenden Lebenshaltungskosten. Das muss ein Ende haben.“
Mit Blick auf die zweite Verhandlungsrunde, die am 10. November in Hamburg beginnt, kündigt die NGG an, den Druck auch in der Region Stuttgart zu erhöhen: „Wenn sich Coca-Cola in den Verhandlungen nicht bewegt, werden wir den Streik ausweiten – und zwar so lange, bis ein faires und gutes Angebot vorliegt“, stellt Krüger klar.
Gespannt darf man darauf sein, wie viele Beschäftigte aus dem Deizisauer Coca-Cola-Werk dem Warnstreik-Aufruf folgen – und ob die Produktion vor Ort deshalb stillsteht. Um 13.30 Uhr beginnt vor dem Werk eine Streikkundgebung, ehe ab 14.30 Uhr ein Demonstrationszug durch den Ort zieht.
Unternehmensleitung verteidigt ihr Angebot
Seitens des Unternehmens blickt man naturgemäß ganz anders auf die Tarifauseinandersetzung. Das unterbreitete Angebot trage der herausfordernden wirtschaftlichen Lage Rechnung und berücksichtige die bereits erfolgten hohen Entgeltabschlüsse der vergangenen Jahre, heißt es in einer Pressemitteilung.
„Neben einem Inflationsbonus von netto 3000 Euro wurden die Tarifentgelte seit 2023 insgesamt bereits um 670 Euro pro Monat erhöht. Darin enthalten ist auch eine Entgelterhöhung von rund 3,5 Prozent (monatlich 170 Euro) seit März 2025“, erklärt Coca-Cola.
„Wir haben die Leistungen unserer Belegschaft mit hohen Entgeltabschlüssen stets anerkannt. Die höheren Personalkosten tragen wir dauerhaft – in erfolgreichen Jahren genauso wie in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten wie diesen, die durch Kaufzurückhaltung und weiter steigende Kosten geprägt sind“, sagt Kathrin Flohr, die Geschäftsführerin People & Culture und Arbeitsdirektorin bei Coca-Cola Europacific Partners Deutschland.