Ob Schilder, Sichtachsen oder Brücken: Zwei Waldmeister prüfen und pflegen die Premiumwege im Schwäbischen Wald – damit Wanderer sicher und sorgenfrei unterwegs sind.
Auf dem schmalen Hangpfad über der Hörschbachschlucht bleibt Walter Hieber vor einer Eiche stehen. „Hier fehlt ein Schild“, sagt er knapp und zeigt auf den Stamm. Manfred Krautter steht schon bereit – in der einen Hand eine Kartusche mit Montagekleber, in der anderen das Ersatzschild mit Feen-Logo und Richtungspfeil. Hieber kratzt mit einem Metallschaber die Rinde sauber, dann drückt er das handtellergroße Hinweisschild gegen den Stamm. Es hält. Der Kontrollgang geht weiter auf dem elf Kilometer langen Premiumwanderweg „Waldklingen“ – denn längst sitzt nicht mehr jedes Schild da, wo es soll.
67 Kilometer Premiumwanderwege „Feenspuren“
Die Arbeit der beiden Waldmeister bleibt oft im Verborgenen, aber ist entscheidend: Sie kontrollieren Schilder, ersetzen Verblasstes, schneiden Sichtachsen frei, bevor sie zuwachsen. Schiefe Pfosten, lockere Geländer und beschädigte Stege erfassen sie sorgfältig, damit Reparaturen nicht warten müssen. Rund 67 Kilometer umfasst das Wegenetz, dass die beiden Naturparkführer kontrollieren. Zwei Kontrollgänge pro Jahr sind auf jedem der Feenspuren-Premiumwanderwege im Landkreis vorgeschrieben, in der Praxis sind es meist mehr.
Vieles erledigen die beiden Naturparkführer direkt unterwegs – mit Astschere, Werkzeug und einem Rucksack voller Ersatzschilder. Größere Hindernisse wie umgestürzte Bäume dokumentieren sie und melden sie an die Kommune. „Da muss dann jemand mit größerem Gerät ran“, sagt Krautter. Und wenn Müll im Gebüsch liegt, wandert er kurzerhand in die mitgebrachte Tüte.
Hieber und Krautter kennen jeden Meter ihrer Wege. Sie sind ein eingespieltes Team – und haben die Premiumwander- und -Spazierwege im Schwäbischen Wald nicht nur mitentwickelt, sondern dabei auch Tausende Wegweiser gesetzt.
Hohe Anforderungen für Premiumwanderwege
Die Anforderungen an Premiumwanderwege sind hoch. Das Deutsche Wanderinstitut vergibt sein Qualitätssiegel streng nach einem Punktesystem. Bewertet werden Erlebnispunkte – für Natur, Abwechslung, Pfadqualität, Ruhe, Wegführung und Infrastruktur. Ein Weg muss mindestens 60 Erlebnispunkte erreichen. Asphalt gilt als Abzug, Aussicht bringt Bonus. „Auch regelmäßige Szenenwechsel fließen in die Bewertung ein – also der Wechsel von Landschaft, Lichtstimmung und Wegetyp. „Nach drei Stunden Wald wird auch der schönste Wald mal langweilig“, sagt Krautter. „Deshalb sind Abwechslung und offene Passagen so wichtig.“
Das Wegleitsystem, die Markierungen, die Erreichbarkeit per ÖPNV, die Sicherheit von Stegen und Treppen fließen ebenso in die Bewertung ein. Entscheidend ist, dass sich nicht nur alles auf dem Papier gut liest – die Route muss auch in der Praxis stimmen. „Erst draußen zeigt sich, was wirklich funktioniert“, erklärt Krautter. Was wie selbstverständlich erscheint, ist das Ergebnis eines anspruchsvollen Kriterienkatalogs – und viel Arbeit im Gelände.
Die Wege, die Krautter und Hieber betreuen, gehören zum Projekt Feenspuren – ein Zusammenschluss von derzeit acht zertifizierten Premiumwegen im Schwäbischen Wald. Die Waldklingen gehören ebenso dazu wie der „Sagenhafte Femelwald“ bei Sulzbach oder Wander- und kürzere Spazierwege in Welzheim, Murrhardt, Sulzbach, Rudersberg, Gaildorf. Ziel ist die Anerkennung als offizielle Premium-Wanderregion. Dafür braucht es nicht nur zertifizierte Wege, sondern auch zertifizierte Tourist-Infos, ein funktionierendes Mängelmanagement, Notfallkonzepte und wanderfreundliche Gastgeber in Hotels und Restaurants sowie einiges mehr. Der Schwäbische Wald erfüllt viele dieser Voraussetzungen dank der stillen Arbeit vor Ort.
Doch nicht alles lässt sich mit Astschere, Schraubenzieher und Kleber regeln. Der Klimawandel zeigt sich auch in den Wäldern. Trockenheit, Stürme und Starkregen hinterlassen Lücken – und machen mitunter ganze Wege unpassierbar.So etwa beim Feenspuren-Weg „Drei Schluchten“ im Wieslauftal: Nach dem Unwetter im Juni 2024 fehlen Stege, Hänge sind abgerutscht, Trassen zerstört. Weil der Weg durch ein Naturschutzgebiet führt, greift kein Bestandsschutz – neue Routen müssen aufwendig geprüft und genehmigt werden. Immerhin: Eine Alternativroute ist inzwischen geplant, neue Stege sind im Bau. Doch bis der Weg wieder komplett begehbar ist, vergeht noch Zeit.
Wandern ohne Karte und Handy
Solche Fälle zeigen, wie fragil das Wandern im Premiumformat sein kann – und wie viel Sorgfalt es braucht, damit ein Weg verlässlich bleibt. Für Hieber und Krautter ist das der Maßstab: Ein Schild soll dort stehen, wo es hingehört. Treppen, Geländer und Stege müssen halten. Und niemand soll überlegen müssen, wo es langgeht – man soll einfach loslaufen können. „Ohne Karte, ohne Handy – einfach los und die Natur erleben. Genau das ist entscheidend“, sagt Hieber.
Premiumwanderwege
Feenspuren
Die „Feenspuren“ sind acht zertifizierte Premiumwander- und Spazierwege im Schwäbischen Wald. Sie führen durch besonders abwechslungsreiche und naturnahe Landschaften – mit klarer Beschilderung, hoher Erlebnisqualität und meist kompakten Weglängen zwischen 4 und 14 Kilometern. Das Projekt wird vom Schwäbischen Wald Tourismus gemeinsam mit Kommunen getragen.