Kühle Temperaturen und Matsch sind kein Grund, daheimzubleiben. Auf der Schwäbischen Alb gibt es fünf kleine Touren, die auch im Winter machbar sind.
Der letzte Schnee schmilzt auch in den Höhenlagen. Bei Wanderungen und Spaziergängen auf der Schwäbischen Alb muss man mit Matsch rechnen. Da sind feste, wasserdichte Schuhe gefragt. Doch auch bei wechselhaftem Winterwetter lohnt sich ein Ausflug in die Natur, die im Kreis Esslingen viel zu bieten hat.
Viele Wege sind nach dem Tauwetter wieder gut begehbar und öffnen herrliche Blicke in die Landschaft. Fünf kleine Touren für Matschwanderer und Naturgenießer sind hier kurz skizziert.
Wege am Wasser: Wandern an der Lindach mit Blick auf den Reußenstein
Vom Wanderparkplatz Braike in Neidlingen am Ende der Kirchstraße führt der Weg in Richtung des Neidlinger Wasserfalls, der nach etwa zwei Kilometern Fußweg zu erreichen ist. Die Strecke ist gut ausgebaut. Das letzte Stück, das zum Wasserfall führt, ist glitschig und steil. Aber Vorsicht: Da wegen des kalten Wetters immer wieder mit Eis zu rechnen ist, kann das gefährlich werden.
Doch auch ohne den kurzen Anstieg zum Wasserfall erwarten die Wanderer schöne Eindrücke am Wasser und herrliche Blicke in die Alblandschaft. Die Lindach, deren zwei Karstquellen den Wasserfall speisen, plätschert im Tal ruhig in Richtung Neidlinger Ortsmitte.
Geschichte im Stein: Kleine und größere Runden um die Ruine Reußenstein
Von Neidlingen aus ist die Burgruine Reußenstein mit dem Auto in wenigen Minuten zu erreichen. Von dem historischen Gemäuer aus hat man einen herrlichen Blick ins Neidlinger Tal. Vom kostenlosen Wanderparkplatz in 762 Metern Höhe sind es etwa zehn Gehminuten auf gut ausgebauten Wegen zum Reußenstein. Die Burgruine selbst ist allerdings nicht barrierefrei zugänglich. Sie ist auf einen Felsvorsprung gebaut. Bei frostigen Temperaturen ist es da rutschig. Bauherr war die aus Kirchheim stammende Niederadelsfamilie Reuß. Nach mehrfachem Besitzerwechsel in Adelskreisen wurde sie im 16. Jahrhundert aufgegeben.
Der Landkreis Esslingen kaufte die Ruine 1965/66 und richtete sie wieder her. Heute ist der Reußenstein ein beliebter Aussichtspunkt. Viele Sagen ranken sich um den Bau aus dem 13. Jahrhundert, von dem noch Mauerreste erhalten sind.
Kahle Bäume mit Ausblick: Naturdenkmal Weiße Wand und Heimenstein
Vom Parkplatz Reußenstein kommt man in knapp vier Minuten mit dem Auto zum „Bahnhöfle“ – die Strecke ist rund einen Kilometer lang. Zu Fuß wäre das eine kleine Wanderung. Am Bahnhöfle war einst eine Verladestation für Holzstämme aus dem Wald. Züge sind da nie gerollt. Heute ist der Wanderparkplatz Ausgangspunkt für eine entspannte Runde im Naturdenkmal „Weiße Wand“, dem Heimenstein auf der Schwäbischen Alb. Die Höhle ist allerdings von Januar bis Juli gesperrt. Auf den breiten Wegen des Panoramawegs öffnen sich immer wieder Ausblicke zur Burgruine Reußenstein – gerade jetzt im Winter ist das schön, wenn die Bäume kahl sind.
Ausgehend vom Parkplatz läuft man so an der „Weißen Wand“ entlang durch ein schönes Waldgebiet auf einem breiten, schön angelegten Waldweg. Gefährlich wird es allerdings, wenn man auf den schmalen Pfaden zu nah an die Felswand kommt. Das sollte man im Winter lieber lassen.
Jung und Alt in Bewegung: Der neue Wanderweg rund um Ohmden
Eine neun Kilometer langen Rundweg mit schönen Ausblicken haben die Gemeinde Ohmden und der Schwäbische Albverein im Oktober 2025 eingeweiht. Die abwechslungsreiche Strecke hat kaum Höhenunterschiede – wem die neun Kilometer zu lang sind, kann die Runde beliebig abkürzen. Die Ausblicke auf das Albdorf Ohmden, die Burg Teck, den Breitenstein und die Limburg sind ein Erlebnis.
Besonders schön für Kinder sind Pferdekoppeln und Schafweiden. Da grasen auch Hochlandrinder. Deshalb eignet sich die Tour optimal für einen Familienausflug. Wenn ein Reiter mit einem Pferd vorbeikommt, staunen nicht nur Kinder. Bänke laden an den Aussichtspunkten zur Trinkpause und zum Entspannen ein. Der Weg führt auf schmalen, aber gut begehbaren Pfaden durch Wälder, Obstbaumwiesen und die Bäche. Die Planer haben den Weg auch über Strecken geführt, die weniger bekannt sind.
Die Spuren Eduard Mörikes: Ochsenwang, Schopfloch und die Literatur
Ein besonderes Schlechtwetterprogramm gibt es droben in Ochsenwang. Der schwäbische Dichter Eduard Mörike war dort von Januar 1832 bis Oktober 1833 als Pfarrverweser tätig. In seinem ehemaligen Wohnhaus hat das Land Baden-Württemberg ein Museum eingerichtet, in dem das literarische Schaffen des Dichters dokumentiert ist. Feste Öffnungszeiten des sehenswerten Museums in der Eduard-Mörike-Straße 15 gibt es nicht.
Gisa König, die das Museum betreut und mitgestaltet hat, öffnet die Räume aber, wenn vorab ein Termin vereinbart wurde. Sie ist telefonisch unter der Nummer 0 70 23 / 2304 zu erreichen. „Wir öffnen das Museum für Gruppen, aber auch für Einzelpersonen“, sagt die Kustodin, die das Haus in Trägerschaft der evangelischen Kirche Bissingen-Ochsenwang betreut.
Nach dem Besuch lohnt sich nach ihren Worten ein Besuch in der Kirche, die im Jahr 1706 erbaut worden ist: „Da hat einst Eduard Mörike gepredigt“, sagt die engagierte Expertin, die viel über das literarische Schaffen des evangelischen Theologen zu berichten weiß. Bei schönem Wetter lohnt sich ein Abstecher ins rund drei Kilometer entfernte Schopflocher Torfmoor oder in das faszinierende Biotop des einstigen Vulkanschlots Randecker Maar.
Naherholung auf der Alb
Anfahrt mit dem Auto
Die Ziele auf der Schwäbischen Alb sind aus dem Kreis Esslingen über die Autobahn 8 gut zu erreichen. Die Ausfahrt ist Aichelberg/Weilheim. Von dort geht es nach Neidlingen und Richtung Reußenstein. Nach Ochsenwang geht es über die A8, Ausfahrt Kirchheim Ost, dann Richtung Owen/Weilheim-Teck und nach Nabern rechts ab in Richtung Ochsenwang.
Anfahr mit dem Bus
Der Sonderbus ins Biosphärengebiet Schwäbische Alb des Landkreises Esslingen verkehrt erst ab 1. Mai wieder. Derzeit ist die Anreise aus Esslingen am besten mit der S-Bahn, Linie 1, nach Kirchheim und dann von dort mit Bussen weiter Richtung Neidlingen und Ochsenwang. Weitere Infos: www.vvs.de