In der Bärenhütte in Filderstadt gibt es einen Hantavirenbefall. Wie kann ich mich vor der Infektion schützen, und wie gefährlich ist die Krankheit?
Wie jüngst berichtet, gibt es an der Bärenhütte im Wald zwischen Stetten und Filderstadt einen Hantavirusbefall. Darum sind die Räume der Hütte gesperrt, man darf nicht hineingehen, und die Hütte ist nur als Unterstand an der frischen Luft nutzbar, wenn überhaupt.
Aber wie gefährlich ist das Hantavirus? Wie leicht kann man sich damit anstecken? Professor Dr. Jörg Latus, Chefarzt und Leiter der Abteilung Allgemeine Innere Medizin und Nephrologie am Robert-Bosch-Krankenhaus (RBK) in Stuttgart, kennt sich aus: Unter anderem leitet er die Arbeitsgruppe am RBK dazu und verantwortet Studien in diesem Feld.
Hantavirus: Patienten fühlen sich sehr, sehr krank
Eine Erkrankung mit dem Hantavirus ist durchaus ernstzunehmen: „Die meisten meiner Patienten sagen: So krank habe ich mich noch nie gefühlt“, sagt Jörg Latus. Erst kürzlich haben Latus und seine Arbeitsgruppe die jüngste Studie fertiggestellt: „Die gute Nachricht ist: die Erkrankung mit dem Hantavirus heilt folgenlos aus“, sagt er. Auch Nierenschädigungen, die typisch sind für den Hantavirus, seien nicht von Dauer.
Allerdings könne die Diagnose oft dauern, weiß Latus: „Die Symptome sind anfangs sehr diffus.“ Hohes Fieber – „Hantavirus ohne Fieber gibt es nicht“ – , dazu Kopfschmerzen, Schlappheit, also eigentlich Symptome, die eher auf eine Grippe hindeuten. Oft kommen dann Sehstörungen hinzu, oder Bauchschmerzen – also Symptome, die auch anders erklärt werden können, und dann oft zunächst anders behandelt werden. Die Nierenschädigung trete bei 90 Prozent der Patienten auf, so Latus, aber auch die sei oft zunächst unentdeckt. Der Arzt betont: „Blut abnehmen, die Laborwerte anschauen.“ Über das Blutbild ist die Diagnose möglich, im Krankenhaus gibt es auch Schnelltests für das Hantavirus.
Hantavirus: Mäuse tragen den Erreger in sich
Das Hantavirus wird von Mäusen übertragen, genauer gesagt der Rötelmaus. Urin und Kot, den die Mäuse ausscheiden, enthalten den Virus. Wenn beides trocknet und zu Staub wird, kann der Erreger über den Staub eingeatmet werden – so infiziert sich der Mensch. Einige Patienten wissen genau, wo sie sich infiziert haben, andere wiederum nicht: Die Mäuse sind schließlich überall in Wald und Wiese, Garten und Feld unterwegs. Trotz des Risikos betont auch Jörg Latus: „Man kann nicht sagen, dass man nicht mehr in den Wald oder überhaupt nach draußen gehen soll.“ Es gibt einige Vorsichtsmaßnahmen, die man befolgen kann: War man etwa im Wald joggen und spazieren und hat Walddreck an den Schuhen, dann nicht die Schuhe ausklopfen – dabei wirbelt der Staub auf, eine Infektion ist möglich. Lieber feucht reinigen – gleiches gilt fürs Ausfegen von Hütten, Garagen oder Schrebergartenhäuschen, die Unterschlupf von infizierten Mäusen sein können: Nicht ausfegen oder aussaugen, sondern nass reinigen, sodass der Staub gebunden wird, und dabei eine Maske tragen.
Wie und wann genau man den Hantavirenbefall in der Bärenhütte festgestellt hat, ließe sich nicht mehr nachvollziehen, heißt es vonseiten der Stadt Filderstadt. „Nach interner Recherche wurde die Bärenhütte wohl bereits spätestens 2014 nach verschiedenen Vandalismusschäden und eines Wasserschadens nur noch sehr eingeschränkt bis gar nicht mehr genutzt“, schreibt Falk-Udo Beck, Erster Bürgermeister Filderstadts, dazu auf eine Anfrage. „Das längere Verschließen der Hütte hat dann dazu geführt, dass sich verschiedene Nager in der Hütte eingenistet haben und mehr als deutlich ihre Hinterlassenschaften in den Zwischenräumen und im Raum der Bärenhütte verteilt haben.“ Es stehe fest, dass die Hütte „als geschlossene Hütte für längere Aufenthalte im Wald nicht mehr geeignet ist bzw. der Aufwand einer regelmäßigen grundhaften Reinigung unverhältnismäßig wäre“. Denn die Mäuse können sich immer wieder hier ansiedeln. Einzige Möglichkeit ist der dauerhafte Umbau der Hütte plus gründlicher Reinigung – dazu gibt es aber aktuell weder konkrete Pläne noch eine Finanzierung, in Zeiten, in denen die Stadt Filderstadt wie so viele Kommunen sparen muss.