Ohne Griffkraft geht beim Bouldern nicht viel. Foto: Gottfried Stoppel

Voller Einsatz gefragt: 120 Teilnehmer sind am Samstag bei den 1. Waiblinger Stadtmeisterschaften im Bouldern um den Titel geklettert. Die deutsche Nummer eins wird erster Titelträger bei den Männern.

Es war ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Thorben Perry Bloem aus Braunschweig und Max Kleesattel aus Schwäbisch Gmünd. Beide hatten am Samstag im Active Garden in Waiblingen drei Gipfel erklommen und vier Zonen in der vierten Kletterwand, Boulder genannt, bewältigt. Thorben Perry Bloem, 20 Jahre, der zu den zehn besten deutschen Kletterern gehört, hatte aber nur sechs Versuche für seine drei Gipfelstürme gebraucht, während Max Kleesattel acht Anläufe benötigte – und so kommt der erste Waiblinger Stadtmeister im Bouldern aus Niedersachsen.

Ganz schön anstrengend! Foto: Gottfried Stoppel

Der Lokalmatador darf nur zuschauen

Das einzige, was vor dem Finale der Männer feststand war, dass der erste Waiblinger Stadtmeister im Bouldern definitiv von außerhalb der Stadtmauern kommen würde. Denn der Lokalmatador konnte nur zuschauen. Kim Marschner, bekannt aus dem Fernsehformat „ Ninja Warrior“ und 2021 Sieger beim Wettkampf der Allstars, dessen Eltern der Active Garden in Waiblingen gehört, durfte bei den Stadtmeisterschaften nicht antreten. Dabei hätte das 26-jährige ehemalige Nationalkader-Kletterer des Deutschen Alpenvereins (DAV) der starken Konkurrenz sicher Paroli bieten können. „Kim hat aber die Finalboulder zusammengeschraubt, das wäre nicht fair anderen Teilnehmern gegenüber, die die Boulder nicht kennen“, sagte Mutter Ingrid Marschner.

Vier schwierige Kletterwände, unterschiedliche für die Herren und die Damen, mussten von den Finalistinnen und Finalisten bewältigt werden. „Bei den Männern hat der erste Boulder einen dynamischen Seitensprung, das ist sehr anspruchsvoll“, sagte Kim Marschner. „Die Frauen wiederum müssen beim vierten Boulder über eine Balanceplatte weiterklettern, also ohne Möglichkeit, sich irgendwo festzuklammern.“

Knifflige Aufgaben an der Steilwand

Die Aufgaben für die Kletterinnen und Kletterer waren knifflig, und sie hatten nur vier Minuten Zeit für jede Aufgabe. Das zahlreiche erschiene fachkundige Publikum in der riesigen Halle des Active Garden in Waiblingen war begeistert. Immer wenn eine der acht besten Frauen oder einer der acht besten Männer – von insgesamt rund 120 Teilnehmenden, die in die Stadtmeisterschaft gestartet waren – in die Wand einstieg, war es mucksmäuschenstill. Fast schien es, als hielten alle den Atem an. Doch sobald der erste Griff saß, bejubelte das Publikum frenetisch jeden weiteren gelungenen Zug.

„Das waren richtig coole Boulder. Es hat mega Spaß gemacht“, sagte Thorben Perry Bloem, der im Nationalkader klettert und neben dem Stadtmeister-Pokal 1000 Euro Preisgeld gewann. Bei den Frauen siegte Ida Stapelberg aus Stuttgart, die im DAV-Landeskader klettert. Die 14-Jährige hatte noch bessere Werte als ihr männliches Meister-Pendant. Denn Ida Stapelberg durchstieg die ersten drei Boulder in einem „Flash“, also ohne einen einzigen Fehlgriff.

50 verschiedene Routen mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden

Der Weg zur Meisterschaft führte auch für die späteren ersten Stadtmeister über die Qualifikation am Nachmittag, und bei der ging es zu wie in einem Ameisenbau. In der rund 2000 Quadratmeter großen Kletterhalle – mit einer fast ebenso großen Kletterfläche – hatten Kim Marschner und sein Schrauberteam 50 verschiedene Routen mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden ausgewiesen. Wer nicht gerade in der Wand hing, stand in der Warteschlange und bahnte sich schon mal gedanklich seinen Weg nach oben. Die gelben Routen seien auch für Hobby-Kletterer machbar, erzählte Kim Marschner. „Und an die blauen Routen wagen sich nur die Besten.“ Je schwerer der Weg zur Spitze war, umso mehr Punkte gab es dafür. Die Besten hatten dank ihrer Griffkraft schon nach rund zwei Stunden ihr Punktesoll auf den schweren Routen erreicht, derweil andere fast die kompletten fünf Stunden nutzten, um möglichste viele Zähler zu erklettern.

„Wir wären schon mit 100 Teilnehmenden happy gewesen. Dass es dann sogar 120 waren, ist einfach klasse“, sagte Ingrid Marschner nach der erfolgreichen Premiere der ersten Waiblinger Stadtmeisterschaften.