Der temporäre Radweg in der Stuttgarter Straße in Waiblingen, erkennbar auch an dem gelben Fahrrad auf dem Asphalt, kommt bei Radlern gut an. Foto: Gottfried Stoppel

Die Stadt Waiblingen erwägt, manche temporären Angebote über die Zeit der Sperrung der Bahnstrecke zwischen Waiblingen und Bad Cannstatt auszudehnen und schafft neue Parkmöglichkeiten für Radler.

Viele positive Rückmeldungen von Radlern haben die Stadt Waiblingen und ihr Radkoordinator Anselm Kick für die in Windeseile umgesetzten Maßnahmen erhalten, mit denen die Kommune ein Verkehrschaos während der mehrwöchigen Sperrung der Bahnstrecke zwischen Waiblingen und Bad Cannstatt verhindern wollte. Möglichst viele Zugpendler sollten so dazu bewegt werden, während dieser Phase aufs Rad anstatt ins Auto zu steigen.

Um das zu erreichen und Radfahrern den Umstieg möglichst leicht zu machen, hat die Stadt die untere Ebene des P&R-Parkhauses beim Waiblinger Bahnhof zum bewachten und barrierefrei zugänglichen Fahrradabstellplatz umfunktioniert. Entlang der Stuttgarter Straße ab der Kreuzung mit der Gänsäckerstraße gibt es seit dem Beginn der Streckensperrung einen temporären Radweg für die Radpendler, die via Fellbach gen Stuttgart und in die Gegenrichtung fahren.

Zählstellen entlang der Pop-up-Radwege

Zwei Wochen vor dem voraussichtlichen Ende der Bauarbeiten hat Anselm Kick nun im Planungsausschuss eine Zwischenbilanz gezogen und weitere Verbesserungen für die Fraktion der Radler in Aussicht gestellt. Entlang der Pop-up-Radwege hat die Stadt Zählstellen eingerichtet, um die Zahl der Nutzer zu überprüfen. Bei einer ersten Zählung, zu deren Zeitpunkt die Maßnahmen noch nicht umgesetzt waren, passierten an einem Tag 204 Radfahrer die Zählstelle beim Obi-Baumarkt in Richtung Stuttgart, in der Gegenrichtung nach Waiblingen wurden 182 Radler registriert.

14 Tage später fuhren an derselben Stelle bereits 490 Menschen gen Stuttgart, nach Waiblingen waren es sogar 518 Personen. Angesichts dieser Zahlen erwägt die Stadt Waiblingen, die Pop-up-Radwege in der Stuttgarter Straße noch länger beizubehalten. Ob das tatsächlich der Fall sein wird, steht laut Anselm Kick aber noch nicht fest.

Die Nutzung des Parkhauses sei „anfangs etwas schleppend“ angelaufen, berichtet Kick. Konkret heißt das, dass zu Beginn lediglich vier Menschen ihre Räder dort abstellten. Im Lauf der Zeit ist die Zahl aber ständig gewachsen und hat sich auf immerhin mehr als 20 Drahtesel eingependelt. Keine schlechte Zahl angesichts der Tatsache, dass die Verhältnisse im temporären Radparkhaus sehr provisorisch seien, meint Anselm Kick: „Ich selbst würde dort auch kein teures Rad abstellen.“ Und ein vergleichbares Angebot in Fellbach sei so wenig genutzt worden, dass die Nachbarkommune es rasch wieder eingestellt habe.

Trotzdem wird das Radparken im Parkhaus laut Anselm Kick voraussichtlich nicht verlängert. Weil es aber an sicheren Abstellmöglichkeiten rund um den Bahnhof hapert, nimmt die Stadt nun einiges Geld in die Hand, um den Mangel zu beheben. Denn die im Gebiet Ameisenbühl zur Verfügung stehenden Mietboxen sind alle vergeben, und auch das im Frühjahr 2020 in Betrieb gegangene Radhaus für 120 Räder ist komplett ausgelastet.

Ohnehin kann dieses nicht spontan genutzt werden. Dass dies möglich sein soll, war zwar ursprünglich mit der Herstellerfirma vereinbart worden, geklappt hat es aber letzten Endes nicht. Daher können Nutzer ihr Fahrrad nur dann im Radhaus parken, wenn ein Mitarbeiter der Parkierungsgesellschaft sie zuvor eingewiesen hat. Das macht das Radhaus nur für Dauerparker sinnvoll.

Für Spontannutzer brauche es ein zusätzliches Angebot, das unkompliziert und ohne Registrierung funktioniere, sagt Anselm Kick. Auf seinen Vorschlag hin und mit breiter Zustimmung der Räte wird die Stadt nun zwei Varianten des Fahrradparksystems Velobrix anschaffen, das einfach mit einer EC-Karte genutzt werden kann. Modell L, ein ehemaliger Schiffscontainer, kostet rund 54 000 Euro und bietet Platz für 24 Räder. Ein Container soll beim P & R-Parkhaus Innerer Weidach aufgestellt werden.

Bezahlt wird mit der EC-Karte

Weitere sieben Doppelboxen, in denen jeweils drei Fahrräder sicher abgestellt werden können, werden beim Radhaus und bei der E-Bike-Station platziert. Die Kosten dafür liegen bei einer Gesamtsumme von rund 66 000 Euro. Die Module können laut dem Radkoordinator je nach Bedarf erweitert und ohne großen baulichen Aufwand aufgestellt werden. Bezahlt wird mit der EC-Karte, mittels einer App können Radler schon von zu Hause aus überprüfen, ob es am Bahnhof noch eine freie Box für ihr Fahrrad gibt. Die Lieferzeit der Boxen liegt bei rund sechs Monaten, Radler müssen sich also noch gedulden.

Für die Anschaffungskosten in Höhe von insgesamt 120 000 Euro wird die Stadt einen Förderantrag stellen. Sollte dieser bewilligt werden, dann muss die Kommune nur noch 30 Prozent der Kosten selbst berappen. Wie viel Nutzer der Radboxen bezahlen müssen, steht laut dem Baubürgermeister Dieter Schienmann bisher noch nicht fest. Den Preis werde die zuständige Parkierungsgesellschaft festlegen, sagte Schienmann – er gehe aber von maximal einem Euro pro Tag aus, möglicherweise werde auch nur ein Cent-Betrag fällig.