Die Linken-Kandidatin Ingrid Petri aus Besigheim (Kreis Ludwigsburg) macht Einschüchterungsversuche im Wahlkampf öffentlich. Sie ist kein Einzelfall – und gibt sich kämpferisch.
Auf einmal ergab alles Sinn. Erst dachte Ingrid Petri noch, es sei nur Zufall, dass ihr ein fremdes Auto im Januar bis nach Hause gefolgt war. Auch, dass vor zwei Wochen die Klingelstreiche bei ihr begangen, hätte nur ein Scherz von Kindern aus der Nachbarschaft in Besigheim sein können. Als sie am Mittwochabend allerdings bemerkte, dass ihr jemand ein Ei an ihr Mehrfamilienhaus geworfen hatte, dämmerte ihr: Vielleicht hängt all das zusammen und hat mit dem Wahlkampf zu tun. Denn die 37-Jährige tritt bei der Landtagswahl im Wahlkreis Bietigheim-Bissingen für die Linke an.
„Beleidigungen in den sozialen Netzwerken ist man als Linke gewöhnt“, sagt Petri. „Mich ärgert mehr, dass es bei Aktionen wie dem Eierwurf auch meine Kinder und die Nachbarn abkriegen.“ Seit fünf Jahren wohnt sie in Besigheim, fühlt sich eigentlich sehr wohl, Probleme habe es nie gegeben. „Erst, seit mein Name mit der Linken verbunden ist“, sagt sie.
Mehr Irritation als Angst
Es ist ihr erster Wahlkampf, natürlich habe sie von Parteigenossen erzählt bekommen, worauf sie sich einzustellen habe. „Bei einem Infostand kam dann auch mal einer und hat gemeint, wir seien linker Abschaum und hätten in diesem Land nichts zu suchen“, sagt Petri. Sie erzählt all das mit einer gewissen Ruhe, wirkt eher irritiert als verängstigt. „Ich bin Krankenschwester, fordere ein gutes Gesundheitssystem. Aber doch keinen Systemumbruch.“
„Ich fordere ein gutes Gesundheitssystem, keinen Systemumbruch.“
Ingrid Petri, Bietigheimer Linken-Kandidatin
Komplette Ausnahme sind solche Vorfälle nicht, auch das Wahlkreisbüro des Stuttgarter Linken-Bundestagsabgeordneten Luigi Pantisano war im Januar mit Eiern beworfen worden. Der ebenfalls aus Besigheim stammende CDU-Abgeordnete Fabian Gramling hatte im Bundestagswahlkampf im vergangenen Jahr eine Patrone auf der Windschutzscheibe seines Wahlkampfbusses gefunden.
Wie damals Gramling ging auch Ingrid Petri in die Offensive, machte den Eierwurf selbst öffentlich. „Haltung zu zeigen in einem eher rechts geprägten Umfeld ist durchaus eine Herausforderung“, schrieb sie in einem Instagram-Beitrag vom Donnerstag. Seither erhalte sie viel Zuspruch, von Parteigenossen wie auch Bekannten. Auch das Landesbüro der Linken kündigte Unterstützung an.
Anzeige hat Petri mittlerweile erstattet, unterkriegen lassen will sie sich von den Drohungen nicht. „Wenn Menschen so etwas tun, müssen sie frustriert sein, sich abgehängt fühlen“, sagt die 37-Jährige. „Die Ironie dahinter ist, dass wir in der Linken genau für sie Politik machen, sie abholen wollen.“ Insofern erreiche man mit Einschüchterungsversuchen bei ihr genau das Gegenteil: „Jetzt habe ich erst Recht die Motivation, die Linke in den Landtag zu bringen.“