Quelle: Unbekannt

Während der Köngener Kulturtage traf Klassik auf Musical: Die Mischung aus Arien und Songs aus Oper, Operette und Musical belohnte das Publikum mit stehenden Ovationen und Bravo-Rufen.

KöngenWillkommen, bienvenue, welcome“ – mit dem Song aus dem Musical „Cabaret“ begrüßten Sarah Behrendt und David Arnsperger das Publikum bei den Köngener Kulturtagen nicht etwa im Kit Kat Club, sondern in der Zehntscheuer zu einem ganz besonderen Genuss. Unter dem Motto „Klassik meets Musical“ sorgten die Sopranistin und der Musical-Darsteller, unterstützt durch Sebastian Neugebauer am Flügel, für einen überaus stimmungsvollen Abend. Das Publikum belohnte die fein abgestimmte, an musikalischen Höhepunkten reiche Mischung aus Arien und Songs aus Oper, Operette und Musical mit stehenden Ovationen und Bravo-Rufen.

Für die beiden Sänger, die sich während des Studiums kennengelernt haben, ist dieses Programm eine Chance, Metier und Genre zu wechseln und ihre musikalische Vielseitigkeit unter Beweis zu stellen. Die klassisch ausgebildete Sopranistin beherrscht auch das Beschwingte, Leichte und manchmal Dramatische des Musicals. Und der Musical-Sänger macht auch in den klassischen Passagen stimmlich eine gute Figur, wenn er „Toreador“ aus Bizets Carmen singt oder als Papageno in Mozarts Zauberflöte brilliert: „Stets lustig, heissa, hopsassa!“

Leben für die Liebe

„Dieses Programm ist für uns beide die Chance, mal wieder zusammen zu arbeiten und gemeinsam auf der Bühne zu stehen“, betonte Sarah Behrendt, die bereits im vergangenen Jahr beim Neujahrskonzert gemeinsam mit David Arnsperger das Köngener Publikum mit einem Abend nach diesem Konzept verwöhnt hatte. Auf der Bühne fühlen sich die beiden, deren Stimmen ausgesprochen wohlklingend miteinander harmonieren, überaus wohl: Da wird – wie es sich für die Oper ebenso wie fürs Musical gehört – auch hochdramatisch und theatralisch gelitten. Wenn Graf von Krolock aus „Tanz der Vampire“ die Schattenbilder seiner Qual heraufbeschwört und von jener unstillbaren Gier singt, die ihm auch nur einen einzigen Augenblick des Glücks verweigert. Ergreifend singen Behrendt und Arnsperger im Liebesduett vom Eintauchen in die Dunkelheit: „Totale Finsternis“. Es geht zu Herzen, wenn die Opern- und Konzertsängerin mit dem klaren, strahlenden Sopran in die Rolle der kleinen Dorothy mit den roten Schuhen schlüpft und die Zuhörer in jenes Land entführt, in dem Träume immer wahr werden: „Somewhere over the Rainbow“. Und das Publikum strahlt selig, wenn Tosca ihren innigen Monolog, ihr Zwiegespräch mit Gott, „Vissi d’arte“ führt. Immer wieder geht es um die ganz großen Gefühle, wie etwa im Zauberflöte-Duett von Pamina und Papageno: „Wir leben durch die Lieb‘ allein“.

Aber an diesem Abend wird, sehr zur Freude des Publikums, auch gescherzt, gealbert und kokettiert. Wenn die beiden ein Tänzchen wagen, wenn das Blumenmädchen Eliza und sein gestrenger Professor Higgins aus „My Fair Lady“ großartig im Duett singen: „Es grünt so grün“. David Arnsperger, in den musikalischen Bereichen Musical, Show, Gesang und Musiktheater bestens ausgebildet, umschmeichelt das Publikum, flirtet mit einer Fotografin, ist mit ganz viel Spaß bei der Sache und fühlt sich auf der Bühne sichtlich wohl. Seit dieser Spielzeit am Landestheater Linz engagiert, darf eine kleine Hommage an seine neue österreichische Heimat nicht fehlen. Und so stimmt er Rainhard Fendrichs Liebeserklärung „Weus’d a Herz hast wie a Bergwerk“ an und begleitet sich selbst auf der Ukulele und einem quietschgelben Kazoo: „Weil’st a Wahnsinn bist für mi“.

Ersatzmann mit Bravour

Wie schön, dass die beiden bei der Zusammenstellung des Programms auch den Ehrgeiz haben, nicht nur das Altbekannte zu singen. So darf das Publikum einen Song aus dem selten gespielten „Funny Things happen on the Way to the Forum“ kennenlernen und sich über das temperamentvoll-sehnsüchtige „Shiksa Goddess“ aus Jason Robert Browns Kammermusical „The last Five Years“ freuen. Zum ganz großen Spaß fürs Publikum gerät die Auseinandersetzung von Sarah Behrendt und David Arnsperger im Puppenspiel-Musical „Avenue Q“: Sie preist die Nützlichkeit des World Wide Web in den höchsten Tönen, während er ein ums andere Mal klarmacht, dass man dort in erster Linie Sexfilmchen schaut: „The Internet is for Porn“. Wegen Orkantief „Sabine“ saß Pianistin und Sängerin Amélie Saadia angesichts eingestellter Bahn- und Flugverbindungen in Berlin fest – ein Durchkommen in den Süden war unmöglich. Wie gut, dass Sarah Behrendt in ihrem musikalischen Netzwerk mit Sebastian Neugebauer einen Pianisten fand, der ganz kurzfristig für die verhinderte Kollegin einsprang: Nach nur einer Probe am Nachmittag meisterte er das ausgesprochen vielseitige Begleitprogramm mit Bravour, spielte viele der Partien vom Blatt und war den beiden Sängern hochprofessionelle Stütze. Vom Köngener Publikum wurde er dafür zurecht mit einem tosenden Extra-Applaus bedacht.

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