Johannes M. Fischer über die Personalien der Woche und die Schnelllebigkeit der Zeit: Es geht um zwei Politikerinnen, drei Politiker und einen Mäusejäger.

EsslingenDie vergangenen Tage waren Tage des Wachwechsels. Chronologisch gesehen nahmen sie ihren Anfang im Esslinger Gemeinderat: Mehr als zwei Jahrzehnte prägte Andreas Koch die Arbeit der SPD-Fraktion, vor acht Tagen übergab er den Vorsitz an Nicolas Fink. Also fast schon ein historischer Akt, liegen doch die Anfänge der Kochschen Schaffensperiode in einem anderen Jahrhundert, ja fast schon in einem anderen Zeitalter: Das Internet lernte zu dieser Zeit gerade laufen. Der damalige Tennisstar Boris Becker sitzt in einem dunklen Salon voller Bücher in einem dickem Ledersessel vor einem Computer und wirbt für einen Internetanbieter mit dem Satz „Ich bin drin“.

Mitte der 2000er Jahre setzte mit dem iPhone der Siegeszug der Smartphones ein. Da war Angelika Matt-Heidecker schon Oberbürgermeisterin von Kirchheim. In dieser Woche wurde sie nach 16 Jahren aus dem Amt gewählt. Es übernahm Pascal Bader, ein Kandidat, den lange Zeit niemand auf dem Schirm hatte. Er gewinn mit einem fulminanten Ergebnis.

Der Abtritt Paul Pfinders ist auf der politischen Bühne unbemerkt geblieben, aber der Jubel der Wühlmäuse im Kreis Esslingen war unüberhörbar und hätte fast ein Erdbeben ausgelöst: Der gefürchtete Wühlmausjäger („Nur eine tote Wühlmaus ist eine gute Wühlmaus“) hat seinen letzten Fangkurs gegeben. 67 Jahre lang war das Mäusefangen seine Leidenschaft. Als er damit anfing, gab es in Deutschland (West) gerade mal 1000 Fernsehanschlüsse.

Der jüngste Wachwechsel der Woche ist noch taufrisch (heute bekannt gegeben) und spielte sich wieder im Esslinger Gemeinderat ab, womit sich der Kreis schließt: Die Grünen-Stadträtin Brigitte Häfele wechselte die Farben und lief zur FDP-Fraktion über. Es ist das Jahr 2019. Autos und Busse werden noch von Menschen gelenkt, und das Smartphone wird nicht über Gedankenströme und einem Chip im Hirn gesteuert sondern mit den Fingern bedient.

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