Der 55-jährige Manfred Knof wird auf Martin Zielke an der Spitze der Commerzbank nachfolgen. Der Kölner ist aktuell für das Privatkundengeschäft bei der Deutschen Bank verantwortlich.
Frankfurt - Noch am Donnerstag hatte Manfred Knof für die Deutsche Bank einen Ausbau der Kooperation mit der Schweizer Versicherungsgruppe Zurich verkündet. Am Samstagabend dann die Überraschung: Knof wechselt zur Commerzbank – und zwar auf den Chefsessel. Am 1. Januar wird der 55-Jährige die Nachfolge von Martin Zielke antreten, der Anfang Juli seinen Rückzug als Vorstandsvorsitzender angekündigt hatte. Er habe „großen Respekt vor der neuen Aufgabe“, teilte der gebürtige Kölner Knof mit.
Seit August 2019 bei der Deutschen Bank
Bei der Deutschen Bank war Manfred Knof nur ein Jahr lang – im August 2019 hatte er dort die Leitung des Privatkundengeschäfts übernommen. Wenige Monate später wurde bekannt, dass der Sparkurs für diese Sparte verschärft wird: Bis 2022 sollen die Kosten um eine Milliarde Euro gesenkt werden. Ein Instrument dafür sind weitere Einschnitte ins Filialnetz: Wie die Deutsche Bank Anfang dieser Woche mitteilte, soll jede fünfte der derzeit rund 500 Niederlassungen geschlossen werden.
Auch bei der in der Finanzkrise teilverstaatlichten Commerzbank wird der für seine „Kostendisziplin“ gerühmte Manager Knof das Messer ansetzen müssen. Dem scheidenden Vorstandsvorsitzenden Zielke wurde von Investoren angekreidet, mit Einsparungen zu lange gezögert zu haben. Zwar gab die Commerzbank im August bekannt, 200 zunächst wegen der Corona-Krise geschlossene Filialen dauerhaft dichtzumachen – doch auch der Erhalt der verbleibenden 800 Zweigstellen gilt als zu teuer. Martin Zielke soll bereits Pläne für weitergehende Einschnitte geschmiedet haben, doch kam er damit nach Ansicht von Kritikern wie dem US-Finanzinvestor Cerberus zu spät.
Der Aufsichtsratschef setzt auf einen Neuanfang
Der selbst erst im August angetretene Commerzbank-Aufsichtsratschef Hans-Jörg Vetter setzt mit der Berufung Knofs auf einen Neuanfang. Er entschied sich gegen eine interne Nachfolgeregelung – sowohl Finanzvorständin Bettina Orlopp als auch dem Firmenkundenvorstand Roland Boekhout wurden Ambitionen auf den Chefsessel nachgesagt. Vetter erklärte, mit Knof sei ein „erfahrener und umsetzungsstarker Topmanager“ gefunden worden. Der Rheinländer hatte von 2015 bis 2017 das Deutschlandgeschäft der Allianz geleitet.
Der Wechsel von Manfred Knof an die Commerzbank-Spitze trifft in der Bundesregierung auf ein positives Echo. Das Bundesfinanzministerium begrüßte, dass der Aufsichtsrat der Commerzbank einen „qualifizierten Nachfolger für die Position des Vorstandsvorsitzenden“ gefunden habe. Das Geldinstitut gehört zu 15 Prozent dem Staat.