Die Stammkunden der Stadtbahn sollen entlastet werden. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Die Stuttgarter Ratsfraktionen wollen erreichen, dass sich die Fahrgäste in der Coronakrise nicht massenweise von öffentlichen Verkehrsmitteln abwenden. Das will auch OB Kuhn. Er mahnt im Rathaus allerdings zur Vorsicht.

Stuttgart - Die Stadträte in Stuttgart sind entschlossen, den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) vor einem massiven Verlust von Fahrgästen zu bewahren. Sie bestärkten den Verkehrsverbund VVS jetzt in der Absicht, Stammkunden des VVS und der Stuttgarter Straßenbahnen mit Vergünstigungen bei der Stange zu halten. Die Gefahr der Abwanderung ist groß, denn viele Kunden blieben und bleiben in der Corona-Krise daheim. Manch einer fühlt sich zudem im privaten Pkw vor dem Virus Sars-CoV-2 sicherer. Im Verwaltungsausschuss gaben die Stadträte VVS-Geschäftsführer Horst Stammler daher eine Reihe von Anregungen.

Bezüglich der Scool-Tickets ist schon absehbar, dass Schülern und Eltern in einem zweiten Monat die Ticketrate erlassen wird – die Gelder dafür hat das Land schon zugesagt. Mit Blick auf andere Personen empfahlen die Stadträte, bei Härtefällen größtmögliche Kulanz walten lassen. Beispielsweise sollen keine Bearbeitungsgebühren und keine Rückerstattungen von Rabatten verlangt werden, wenn jemand sein Abonnement kündigt, weil er seine Stelle verloren hat.

Über die Jobtickets wird besonders diskutiert

Für die Studierenden wird noch eine angemessene Lösung gesucht. OB Fritz Kuhn (Grüne) als VVS-Aufsichtsratchef berichtete aus dem VVS-Tarifausschuss, es sei daran gedacht, die Gültigkeit des Semester-Studitickets bis Ende Oktober zu verlängern. Die CDU machte sich dafür stark, dass Studierenden wie Schülern für zwei Monate die Bezahlung erlassen wird. Die SPD fand, eigentlich müsste das Land den Studierenden ein halbes Jahr die Ticketkosten erstatten.

Bei den Seniorentickets strebt Kuhn im Aufsichtsrat einen einmaligen Rabatt von einem Drittel einer Monatsrate an. Die SPD wünscht Rabatte für drei Monate. Die Jobtickets sind nach Kuhns Einschätzung ein komplexes Ding, die Kosten für Rabattierungen müssten außerdem zu fast 50 Prozent die SSB tragen, sagte er. Da die Inhaber der Jobtickets schon viele Vorteile genössen, solle hier nichts gemacht werden. Die Ratsfraktionen sehen das anders.

Für den Aufsichtsrat wird eine Vorlage vorbereitet

Die CDU meinte, für Jahresabos wie 9-Uhr-Umwelttickets, Firmentickets, Auszubildenden-Abos und auch für Seniorentickets solle man, wie in der Schweiz praktiziert, einen halben Monatspreis erlassen. Das Linksbündnis schlug vor, Jahrestickets vorübergehend zu sogenannten Plustickets aufzuwerten, mit denen man beispielsweise an Wochenenden im ganzen VVS-Netz fahren kann. Dieser Weg, sich über sogenannte Incentives erkenntlich zu zeigen, sei richtig, sagte VVS-Chef Stammler. Klären müsste man aber, was die 20 Prozent der Kunden zusätzlich bekommen, die schon ein Plus-Ticket hätten. Um das Schweizer Modell zu realisieren, bräuchte man eine Finanzierung – ein Hinweis an die Politik, mit welcher der Verband der Verkehrsunternehmen in Land und Bund ohnehin über Hilfen reden will.

Was man für treue Stammkunden genau anpeilt, will die VVS-Geschäftsführung in einer Beschlussvorlage für den Aufsichtsrat vorschlagen. Aufsichtsratschef Kuhn sagte, noch sei im Tarifausschuss hoch umstritten, wie weit man finanziell gehen könne. Er berichtete von alarmierten Landräten in der Region und bat den Gemeinderat um eine Konsenslösung im VVS.

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