Der Exil-Böblinger Jürgen Flamm lädt zu einem Vortrag über die Reize Kirgisistans. Der Ruheständler betreibt in dem fernen Land ein Jurten-Camp.
Von Böblingen nach Bischkek – und sogar noch weiter. Es war im Jahr 2015 als der Böblinger Jürgen Flamm zum ersten Mal dort am Rande des riesigen Issyk-Kul-Sees – ein Gewässer 15 Mal so groß wie der Bodensee – vorbeikam. Damals befand sich der gelernte Schriftsetzer auf seiner Ruhestands-Reise: Böblingen – China mit dem Fahrrad. Das war der Plan, den er sich für sein Rentner-Dasein vorgenommen hatte. Die Route sah vor, auch Kirgisistan zu durchqueren, eines der weiten zentralasiatischen Steppenländer im Westen Chinas.
Bei der Familie von Ruslan Bakajew, einem 40-jährigen Hirten, fand der Fremde aus dem Schwabenland ein Dach über dem Kopf. Aus der Idee, ihm beim Aufbau eines Jurten-Camps für Touristen zu helfen, wurde seine zweite Heimat. Jetzt hält Flamm gemeinsam mit einem weiteren Freund einen Vortrag über das Leben dort. Am Dienstag, 20. Januar, um 19 Uhr lädt er ins Leserforum der Kreiszeitung (Dritter Stock, Eingang Wilhelmstraße 32) zu einer Infoveranstaltung über das zentralasiatische Land ein.
Nomadische Tradition
Mit dabei ist Talant Asemov, der lange Jahre in Deutschland gelebt hat. Er ist ein Kenner seines Heimatlandes und organisiert seit zwei Jahrzehnten Reisen durch Kirgisistan. Asemov bietet Einblicke in die Kultur und beantwortet Fragen rund um Reisen, lokale Besonderheiten und die Bedeutung der nomadischen Traditionen in Kirgisistan.
Die Vermittlung der touristischen Reize des Landes wurde für Jürgen Flamm zu einer neuen Lebensaufgabe. Denn 500 Meter über Griegorievka, hoch oben in den Bergen, findet sich ein wunderschönes Hochtal: Natur pur, zauberhafter Blick auf den See. Ein perfektes Revier für Wanderer und Naturfreaks. Zusammen mit seinem kirgisischen Freund hat Jürgen Flamm beschlossen, dort dauerhaft ein Camp mit fünf traditionellen Nomadenzelten für Touristen zu betreiben.
Raus aus der Komfortzone
Nicht für diejenigen, die die Komfortzone gleich mitbuchen möchten, sondern für all jene, die mit Worten wie Entschleunigung, Naturverbundenheit und W-Lan-Pause etwas anfangen können. Für Leute, die Open-Air-Küche und Plumps-Klo genauso schätzen wie Solardusche und Katzenwäsche.
Jürgen Flamms Jurten-Camp Besh Karagai liegt im Norden des Landes eingebettet in die majestätischen Berge des Tian-Shan-Gebirges – einer Region, die mit ihren Seen, Flüssen und alpinen Weiten zu den landschaftlich faszinierendsten Gegenden in Kirgisistan zählt. Auf die Besucher warteten neben Naturerlebnissen, Outdoor-Aktivitäten wie Bergwandern, Reiten, Mountainbiking und Bogenschießen, schreibt er. Das Camp liegt nördlich des Issyk-Kul-Sees, nach dem Titicacasee immerhin der zweitgrößte Gebirgssee der Welt.
Kirgisistan – umgangssprachlich auch Kirgistan – ist eine ehemalige Sowjetrepublik, die in den 2010er-Jahren große Schritte in Richtung einer Demokratie machte. Doch die Nachbarschaft des zentralasiatischen Landes zu Russland mit seinem autokratischen Regime beeinflusst die politische Lage dort nach wie vor. Seit 2020 regiert dort Sadyr Dschaparow und drehte das Rad zurück in eine autoritäre Richtung. Von den rund sieben Millionen Einwohnern sind rund 65 Prozent muslimisch.
Auch schon Pamir-Highway bezwungen
Jürgen Flamm nahm neben seiner Radreise nach China auch den berüchtigten Pamir-Highway unter die Speichen. Ein knapp 1000 Kilometer langes Himmelfahrtskommando in teilweise über 4000 Metern Höhe quer durch Tadschikistan. Über widrigste Bedingungen, miserable Straßen und einfachste Behausungen kämpfte er sich 2016 von der Hauptstadt Duschanbe bis an die Grenze zu Kirgisistan. Erlebnisse, von denen er bei dem Vortrag ebenfalls berichten kann.
Vortrag über Kirgisistan
Beginn
des Vortrags ist am Dienstag, 20. Januar um 19 Uhr. Der Zugang erfolgt über den Eingang im Hof, ein Aufzug ist vorhanden.
Kosten
Der Eintritt zu dem Vortragsabend ist frei.