Am Montag wurde in Stuttgart die neue Uniform für die Bereitschaftspolizei (links) und den Streifendienst (rechts) in Baden-Württemberg vorgestellt. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Neue Einsatzkleidung soll die Polizei in Baden-Württemberg künftig gegen Messerangriffe schützen. Welche Vorteile die Uniform noch hat, ab wann sie im Einsatz ist und was sie kostet.

Dunkler als bisher sind sie, die neuen Uniformen der Polizei in Baden-Württemberg – fast schon schwarz, aber gerade noch blau. Außerdem passen sich die Softshelljacken, Shirts und Cargohosen dank ihres elastischen Materials modisch dem Körper an. Wichtiger als das Aussehen aber sind die schnitthemmenden Elemente der künftigen Einsatzkleidung. „Wir schützen damit diejenigen, die uns schützen“, sagte Innenminister Thomas Strobl bei der Vorstellung der Uniformen am Montag auf dem Polizeipräsidium Stuttgart.

Aus dem Grund für die neue Ausstattung machte der CDU-Politiker keinen Hehl: „Die Einsatzkräfte sind zunehmend Aggressionen ausgesetzt.“ Der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) zufolge wurden 2025 in Baden-Württemberg 6299 Fälle von Gewalt gegen Polizistinnen und Polizisten erfasst. 14.586-mal waren Beamte demnach betroffen. Beide Werte sind ähnlich hoch wie 2024 und laut dem Innenministerium über mehrere Jahre hinweg kontinuierlich ansteigend.

Uniform schützt an gefährdeten Stellen

Gewalt ist in dieser Zählung indes ein weit gefasster Begriff. In der Statistik wird beispielsweise auch erfasst, wenn sich Personen bei der Festnahme losreißen oder ihren Arm wegziehen. Andere Fälle sind deutlich gravierender – 16 Polizisten wurden 2025 in Baden-Württemberg schwer verletzt. Im Zusammenhang mit der neuen Uniform ist dagegen vor allem eine Unterkategorie relevant: Messerangriffe. Deren Zahl ist 2025 zwar leicht gefallen, von 55 auf 47. Das seien aber immer noch „genau 47 zu viel“, sagte Strobl.

Hier soll die neue Ausstattung künftig Abhilfe schaffen, dank der Schutzelemente an besonders gefährdeten Stellen. Wo genau sie platziert sind, wollte Strobl aus Sicherheitsgründen nicht mitteilen.

Uniform der Polizei ähnelt Wanderkleidung

Der Innenminister stellte jedoch klar: „Einen hundertprozentigen Schutz gibt es nicht. Das ist auch nicht der Anspruch dieser Uniform.“ Bei Messerangriffen sei der Einsatz von Schusswaffen weiterhin gerechtfertigt, ergänzte Strobl und wiederholte einen Satz, den er bereits im vergangenen Jahr ausgesprochen hatte: „Wer eine Polizistin oder einen Polizisten mit dem Messer angreift, hat sich entschieden, nicht mehr zu leben.“

Ohnehin handele es sich bei den Attacken um ein gesamtgesellschaftliches Problem, für das es keine einzelne Lösung gebe. Die neue Uniform bilde dabei allerdings „ein Mosaikstückchen“, so Strobl.

Hoher Tragekomfort: die neue Uniform der Polizei. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Sie enthält folgende Bestandteile:

  • einen Einsatzanzug für die Bereitschaftspolizei
  • eine Softshelljacke, die auch unter der Einsatzweste tragbar ist
  • ein Poloshirt für die Sommermonate
  • ein Langarmshirt
  • eine Cargohose

Das elastische Material sei deutlich funktionaler als bei der bisherigen Ausstattung und ähnele eher „Wander- oder Outdoorkleidung“, heißt es in einer Mitteilung des Innenministeriums. Neben dem verbesserten Schutz bei Messerangriffen soll die Uniform „bei allen Wetterlagen einen hohen Tragekomfort bieten“. Ihrer Einführung seien mehrere Praxistests mit Modellentwürfen vorausgegangen.

16.000 Polizisten erhalten Uniform

Insgesamt umfasst die Vollzugspolizei in Baden-Württemberg rund 25.000 Einsatzkräfte. Dabei handelt es sich um all die Beamten, die im Außendienst und nicht in der Verwaltung tätig sind. Von ihnen sollen künftig etwa 16.000 die neue Uniform tragen.

Diese Umstellung kostet das Land rund vier Millionen Euro. „Das finanzieren wir aus vorhandenen Mitteln des Innenministeriums“, sagte Strobl dazu. Die Bereitschaftspolizei soll ihre neue Ausstattung bereits im März erhalten. Alle anderen Uniformteile werden voraussichtlich im Herbst ausgeliefert.