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Zum elften Mal fand die Aus- und Weiterbildungsmesse „Karriere 2019“ statt. Jugendliche konnten sich bei 50 Ausstellern informieren und praktisch in den Beruf hineinschnuppern.

EsslingenZum elften Mal ging „Karriere 2019“ im Neckar Forum über die Bühne. Präsentiert wird die Aus- und Weiterbildungsmesse von der Eßlinger Zeitung in Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit Göppingen, der IHK Esslingen-Nürtingen, der Kreishandwerkerschaft, dem Landkreis Esslingen und Südwestmetall. 50 Aussteller standen sieben Stunden lang jungen Menschen, die eine Praktikumsstelle oder einen Ausbildungsplatz suchen, Rede und Antwort. Für viele stelle sich nach der Schule die bange Frage: „was kommt jetzt“, sagte Andreas Heinkel zum Auftakt. Der Geschäftsführer der EZ weiß, dass Unternehmen im Wettbewerb um den Nachwuchs gefordert sind. Arbeitgeber müssen sich den jungen Menschen präsentieren und sich verkaufen. Gemeinsam mit fünf Kooperationspartnern wurde ein großer Informationspool geschaffen. Die Agentur für Arbeit Göppingen, die Kreishandwerkerschaft, die IHK Esslingen-Nürtingen, der Landkreis Esslingen sowie Südwestmetall bündelten die Kräfte, um potenzielle Auszubildende umfassend über Industrie, Handwerks- und Dienstleitungsbetriebe, Behörden und Bildungseinrichtungen zu informieren.

Aufgeweckte Jugendliche: Bereits um 9 Uhr fluteten Schüler und Schülerinnen den Messebereich. Am Stand der Elektrotechnikgruppe Nägele, die erstmals dabei war, zeigte man sich überrascht, über den frühen Start der aufgeweckten Interessenten. Finn geht auf die Friedrich-Ebert-Schule in Esslingen. Eigentlich wollte er zur Polizei. Doch Automatisierungstechniker klingt für ihn auch cool. Die Idee vom Smart-Home fasziniert den 14-Jährigen. Simon Koch aus Esslingen ist schon einen Schritt weiter. Der 18-Jährige hat seinen Ausbildungsplatz durch die Karrieremesse im vergangenen Jahr bekommen. Jetzt ist er im ersten Lehrjahr als Automatisierungstechniker bei Nägele und zeigt am Stand, „was geht“. Beispielsweise ein Skatboard, das während der Ausbildung gebaut wurde. Das wiederum begeistert Seraphin. Der 16-jährige Schüler hat ein elektrisches Longboard gebastelt und interessiert sich für das Profil Umwelttechnik an einem technischen Gymnasium.

Früh übt sich: Dass man gar nicht früh genug mit der Suche beginnen kann, machte Jakob (6) deutlich. Mit Feuereifer bearbeitete er am Stand der Steinmetzen- und Steinbildhauer-Innung ein Objekt. Ja, er interessiere sich für diesen Beruf, sagte er im Brustton der Überzeugung und fügte hinzu: „Früher wollte ich Feuerwehrmann werden. Aber jetzt finde ich Steinmetz cooler.“ Sein Bruder Tom hat bereits ein Praktikum bei einem Steinmetz gemacht. Die Idee dazu kam dem 15-Jährigen beim Besuch der letztjährigen Aus- und Weiterbildungsmesse. Nun informiert er sich über ein zweites Praktikum. Handwerk, beispielsweise im Sanitärbereich, schwebt ihm vor.

Lieblingsberufe: „Ich liebe diesen Beruf“, schwärmt Sümeyye. Sie ist wie Giulia im zweiten Lehrjahr als Friseurin. Dass das ein Beruf mit Zukunft ist, wurde ihr bereits im Vorqualifizierungsjahr auf der Käthe-Kollwitz-Schule klar: „Das will ich werden“, sagte sie sich und bewarb sich. Ihre Ziele sind die Weiterbildung zum Friseurmeister und irgendwann einen eigenen Laden aufzumachen. Die zahlreichen Aufstiegschancen bis zum Ingenieur haben Paul (17) an einer Ausbildung zum Anlagemechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik gereizt. Zuvor hat er sich auf der Ausbildungsmesse informiert und ein Praktikum gemacht. Betrieb und Beruf gefielen ihm auf Anhieb und er sagt zufrieden: „Das ist genau das, was ich machen wollte.“

Skelett als Blickfang: Ein Bündel von Möglichkeiten gibt’s bei der Firma CeramTec, international tätiger Anbieter von Technischer Keramik. Hingucker am Stand ist ein transparentes Skelett, das auf einem Fahrrad sitzt und die Gliedmaßen bewegt. Die Auszubildenden informieren über die beweglichen Hüftgelenks- und Knieprothesen, die die Plochinger Firma herstellt und damit dem Gerippe das Radeln ermöglicht. Hüftgelenksprothesen werden sogar für Hunde hergestellt.

Vielfältiger Zoll: Mit „Dein Talent im Einsatz“ warb der Zoll um Nachwuchs und stieß bei Laura und ihren drei Mitschülerinnen auf offene Ohren. Für die Realschülerinnen würde der mittlere Dienst in Frage kommen, erklärte Natali Dietmann und schilderte die Kombination aus Bürotätigkeit und Außendienst. Die meisten kennen den Zoll vom Flughafen. Dass Schwarzarbeit auf Baustellen und die Einhaltung von Mindestlohn in Gastronomiebetrieben überprüft werden, ist für die 14-Jährigen ebenso neu wie Drogenfahndung auf Autobahnen oder in Zügen. Der Zoll ist auch für Verbrauchsteuern zuständig. Übrigens war auch die Bundeswehr mit einem Stand vertreten. Offenbar gefiel das nicht allen: Vor dem Neckarforum verteilten Vertreter der Partei Die Linke und der Deutschen Friedensgesellschaft Flyer gegen die Ausbildung von Schülern in der Bundeswehr.

Mitnehmen erwünscht: Einen Brotberuf braucht jeder. Warum nicht beim Bäcker. Beim Backhaus Zoller werden nicht nur kleine Brötchen gebacken. An diesem Stand lockten große Brotlaibe. Andere Aussteller versüßten die Gespräche mit Schokolade und Bonbons oder gaben praktische Beutel für kiloweise Informationsmaterial mit. Die Zahnmedizinischen Fachangestellten verteilten Zahnbürsten und Zahnpasta und erklärten, dass der Beruf mehr bietet als Speichelabsaugen. Beispielsweise die Aufstiegsmöglichkeit zur Dentalhygienikerin mit großer Eigenverantwortung. Einfühlungsvermögen sei wichtig. Viele Patienten haben Angst vor dem Zahnarzt, wissen die drei charmanten Vertreterinnen ihrer Zunft. Die Sorge zu nehmen sei eine der Herausforderungen.

„Superhelden“ gesucht: Die Lebenshilfe wirbt mit einem adaptierten Supermann-Logo. Mit diesem augenfälligen Slogan beschreitet die Einrichtung neue Wege, um für den sozialen Bereich Fachkräfte zu gewinnen. „Sie haben Superkräfte, sind Vorbild und Anker im Alltag“, sagte Fabian Treffer, Assistent der Geschäftsführung in Esslingen, der die Idee für die Messe-Kampagne hatte. Schließlich sind die Mitarbeiter genauso besonders wie die Klienten. Die meisten Kontakte am Stand fanden für ein Freiwilliges Soziales Jahr oder ein Praktikum statt.

Jung sein, sich alt fühlen: Aufmerksamkeit war auch den Medius Kliniken garantiert. An einem Dummy wurden Herzdruckmassage und Mund-zu-Mund-Beatmung demonstriert. Ein Alterssimulationsanzug sollte bei der jungen Generation für Generationsverständnis sorgen. Gewichte an Armen und Beinen und ein spezieller, acht Kilogramm schwerer Schlaganfallarm sowie Kopfhörer und Verdunklungsbrille ließen die freiwilligen Probanden um Jahrzehnte altern. Mit „Arthrose“ im Knie steht auch ein 18-Jähriger nicht so leicht auf. Gehandicapte Menschen haben Ängste und sind nicht mehr so schnell, erklärten Mitarbeiter aus dem Pflegebereich. Als Dankeschön gab’s eine Box mit „Trostpflästerle“.

Auch mit Brüchen im Lebenslauf: Der Mensch steht für die Diakonie Stetten im Vordergrund, betonte Kathrin Dincklage. Neben schulischer Leistung sei Ausstrahlung wichtig. Es müsse nicht immer ein roter Faden vorhanden sein. Auch Brüche im Lebenslauf sind kein Hinderungsgrund, in einen sozialen Beruf einzusteigen. Viele Jugendliche kommen über die Arbeitsagentur oder erhalten über eine FSJ-Stelle Bezug zum sozialen Bereich. Weiterbildung ist in der Einrichtung ein großes Thema, ebenso tariflich verankerte Fortbildungsmaßnahmen.

Es ist nie zu spät: Auch wer schon länger im Job ist, kann sich verändern. Die vielfältigen Weiter- und Fortbildungsmöglichkeiten, die sich in zahlreichen Berufen bieten, waren ein Schwerpunkt der Messe. Das Regionalbüro für berufliche Fortbildung informierte ebenso wie die Beruflichen Schulen, GARP, Käthe-Kollwitz-Schule, Friedrich-Ebert-Schule und John F. Kennedy Schule.

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