Wilfried und Lilly Roth mit ihrer Tin Lizzy. Mit Baujahr 1925 ist das noch nicht das älteste Auto. Foto: Dietrich - Dietrich

Tin Lizzy, Trabant und Thunderbird – Autofans kamen beim Oldtimertreffen in Deizisau voll auf ihre Kosten. Organisator Heinz Boßler hatte sich zum Gemeindejubiläum 750 Fahrzeuge von anno dazumals gewünscht – gekommen sind dann 654 Autos und Motorräder mit ihren stolzen Besitzern.

DeizisauWas wird bei Urlaubsbekanntschaften nicht alles versprochen – und geht dann doch später im Alltag unter. Doch Wilfried und Lilly Roth nahmen ihr Versprechen, einst im Winterurlaub im Kleinwalsertal an Heinz Bosler gegeben, ernst. Dort hatten sie dem Organisator der Deizisauer Oldtimertreffen von ihrem Ford T-Modell, auch Tin Lizzy genannt, erzählt. Nun kamen sie mit diesem 1925er-Auto wie zugesagt von Krefeld angereist, und zwar auf eigener Achse. Am Donnerstag waren die beiden gestartet, immer so um die 55 bis 60 Kilometer pro Stunde schnell.

Falls jemand daran zweifeln sollte: Tin Lizzy, die Blechliesel, schafft in der Spitze 65, darf also auch auf die Autobahn. Der Besuch am Sonntag in Deizisau ist Teil einer 2000 Kilometer-Rundtour, die auch an den Bodensee und nach Frankreich führen soll. Im Vorjahr sind die beiden Roths mit ihrer Tin Lizzy über den Großglockner gefahren, 2013 Transalp von Marktoberndorf zum Gardasee. „Klettern geht gut“, sagte Wilfried Roth, „bremsen ist schwieriger, nur hinten und mit dem Motor.“ Diesen Motor hat er selbst überholt. Für den Pokal für das älteste Auto reicht es aber nicht, es waren auch Oldtimer von 1913 und 1924 da. Für diesen Pokal hätten die Roths mit ihrem zweiten T-Modell kommen müssen, das sie auch noch besitzen, es stammt von 1911.

Aus Anlass der 750-Jahr-Feier von Deizisau hatten sich Heinz Bosler und die Oldtimerfreunde Deizisau 750 Oldtimer gewünscht. Dafür wurde in Deizisau deutlich mehr Stellfläche als in den Vorjahren geschaffen. Zum Beginn um 11 Uhr waren bereits 250 Fahrzeuge eingetroffen, gegen 14 Uhr näherten sich die Fahrzeuge der 600er-Marke. Gibt es irgendein Fahrzeug, das Heinz Bosler nicht kannte, zu dem er keine Geschichte zu erzählen wusste? Das müsste schon sehr exotisch sein.

Seltene Exemplare gab es einige zu entdecken. „Das ist ein englisches Bausatzauto“, sagte ein Besucher zum Mini Marcos GT. Die Mechanik wurde vom Mini übernommen und konnte auch gebraucht sein. Nur rund 700 Stück – oder Bausätze – wurden von diesem Fahrzeug, das in der Höhe in etwa bis zum Bauchnabel reicht und 156 Kilometer pro Stunde schafft, hergestellt. Auf besonderen Wunsch gab es auch ein Fertigmodell. „Dass der überlebt hat, ist ein Wunder“, sagte ein Oldtimerkenner über den Renault 8 in Elfenbein. Das Modell galt als nichts Besonderes und rostete sich normalerweise unbeachtet in die Vergänglichkeit. Da war der Austin Healey 3000 Mark III erheblich exklusiver, das Cabrio mit hölzernem Lenkrad hatte seine Erstzulassung im Juli 1962.

Wenn der Regisseur Steven Spielberg einen Opel Rekord fahren würde, müsste es wohl die Ausführung mit Haifischmaul sein, diese Front ist wirklich markant. Der Opel Rekord C Coupé von 1971fällt dagegen eher hinten auf, durch seinen Hüftschwung. Ein seltener 1968er ist der Renault Caravelle mit abnehmbarem Hardtop. Von vornherein als experimentelles Fahrzeug gedacht, war der NSU Spider von 1967, das in diesem Fall knallgelbe Cabrio war das erste Auto mit Wankelmotor.

Aus Remchingen waren Anett und Andreas Hagemann gekommen, mit einem Fiat 1100 von 1958. Über 25 Jahre lang, von 1986 bis 2012, war das Auto mit Motorschaden in einer Scheune gestanden, bis es über in Pfandleihhaus seinen Weg zu den Hagemanns fand. Die Restaurierung hat Andreas Hagemann komplett selbst übernommen, er hat bisher 1773 Arbeitsstunden und eine Rolle Wundpflaster investiert. Von diesem originalen Italiener sind in Deutschland – anders als vom NSU-Nachbau – nur 13 Stück zugelassen.

Auch Reiner Katz aus Filderstadt kann Geschichten erzählen, in seinem Fall rund um seinen VW T1 Samba, Baujahr 1953. Sechs Jahre lang war dieser als Linienbus unterwegs, dann hatte ihn der Papa gekauft, weil der Käfer für sieben Kinder zu klein wurde. 23 Jahre fuhr der Papa den T1 Samba, dann kaufte er einen T2. Zum Restaurieren kam er mit sieben Kindern und einem Edeka-Laden nicht, dass übernahm dann einer der Söhne, Reiner Katz. Er tat es mit dem Versprechen, dass das Fahrzeug der ganzen Familie zur Verfügung steht. „So wurde es für sämtliche Enkel zum Hochzeitsauto.“ Oft lohnte der Blick auf die Details, auf Wackeldackel und Häkelrolle oder die zeitgerechte Dachbeladung. Seinem Dodge Dart von 1972 hatte der Besitzer auf dem Meilentacho Kilometermarkierungen verpasst. „Das verlangt der TÜV, aber ich fahre gemütlich und habe noch nie einen Blitzer aktiviert.“

Könnten Autos denken, wie wohl der Trabant mit seinen 28 PS über seinen Nachbarn, einem Thunderbird mit 300 PS, urteilen würde – und umgekehrt? Bürgermeister Thomas Matrohs wurde dieses Mal mit einem weißen Daimler-Cabrio abgeholt. 30 Fahrer machten sich auf eine Rundfahrt über den Schurwald auf. Bei der Unterwegsprüfung in Aichschieß drehte sich alles um die 750. So galt es, den Oldtimer exakt 750 Millimeter neben einen Balken zu platzieren.

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