Die Mindestvoraussetzung für die Arbeit im Fitnessstudio ist in der Regel die sogenannte B-Lizenz. Foto: dpa/Christin Klose - dpa/Christin Klose

Wer in der Fitnessbranche beruflich Fuß fassen will, hat gute Aussichten. Personal wird händeringend gesucht, sowohl von den großen Ketten als auch von kleinen Studios.

Köln/HamburgOhne Trainer geht es nicht. Denn die Fitnessbranche hat zwar immer neue Ideen, wie digitale Technik Freizeitsportlern durch ihr Training helfen kann. Den Menschen haben die Sensoren und Computer bisher aber nicht verdrängt.

Das zeigen Zahlen des Arbeitgeberverbands deutscher Fitness- und Gesundheits-Anlagen (DSSV): Die gut 9300 Betriebe der Branche beschäftigen demnach rund 212 400 Menschen, mit im Schnitt mehr als 22 Beschäftigten pro Anlage – Tendenz steigend.

Entsprechend groß ist der Bedarf: „Fitnessstudios suchen im Grunde ständig Mitarbeiter, einfach weil die Fluktuation sehr hoch ist“, sagt Susanne Anger von der Stellenbörse Fitnessjobs.de. Ein Grund für diese hohe Fluktuation ist, dass die Branche wächst. Deshalb gibt es immer neue Ketten und Anbieter, die immer neue Studios eröffnen. „Gesucht werden alle, von der reinen Servicekraft über den Trainer bis zum Management“, sagt Anger.

Wer in die Arbeit der Fitnesswelt nur hineinschnuppern will, findet in vielen Studios Aushilfs- oder Minijobs, für Studierende etwa. Wer den Freizeitsport wirklich zum Beruf machen will, startet in der Regel als Trainer. Mindestvoraussetzung dafür ist die sogenannte B-Lizenz. Die dazugehörigen Aus- und Weiterbildungskurse dauern oft nur wenige Tage, hinzu kommen verschiedene andere Lizenzen, für einzelne Sportarten oder Trainingsformen zum Beispiel.

Professionalisierung ist wichtig

Fast die Hälfte der Beschäftigten in der Branche sind laut DSSV reine Trainer, haben also keine höhere Qualifikation. Die Reise geht aber in Richtung Professionalisierung, wie eine Umfrage des Verbands unter seinen Mitgliedern zeigt: Wichtigster Trend für das Jahr 2019 ist demnach die Suche nach qualifizierten Trainern mit einem hohen Ausbildungsstandard.

An Möglichkeiten dafür mangelt es nicht: Inzwischen gibt es mehrere Aus- und Weiterbildungen, die den Trainerberuf auf solidere Füße stellen sollen. „Der Markt ist noch unübersichtlich“, sagt Anke Brendt von Reed Exhibitions, Veranstalter der Branchenmesse Fibo und Kooperationspartner von Fitnessjobs.de. Der Grund: Eine staatlich anerkannte, duale Ausbildung zum Fitnesstrainer existiert noch nicht. Es gibt zwar den Sport- und Fitnesskaufmann. Bei dem steht allerdings eher das Betriebswirtschaftliche und Organisatorische im Mittelpunkt – und weniger der Sport . Hinzu kommt der Sportfachmann, der aber wenig mit der Fitnessbranche zu tun hat.

Die Lücke füllen private Bildungsträger wie die Internationale Fitness Akademie (IFAA) und das IST-Studieninstitut. Beim IST gibt es zum Beispiel die betriebliche Ausbildung zum Sport- und Gesundheitstrainer sowie Sport- und Fitnessbetriebswirt. Das Prinzip ist das wie bei der regulären dualen Ausbildung: Mitarbeit im Betrieb wechselt mit Theorie im Seminar ab. Die Ausbildungsgebühren zahlt in der Regel der Betrieb - und Azubis bekommen für ihren Einsatz eine Vergütung.

Als Teil der Ausbildung erwerben Azubis die B-Lizenz und verschiedene andere Trainerscheine. Im Lauf der drei Jahre werden die Teilnehmer zudem auf die Prüfung zum Sport- und Fitnesskaufmann bei der IHK vorbereitet – und können so am Ende der privaten Ausbildung einen anerkannten Abschluss ergattern. Voraussetzung ist, dass sie die Prüfung schaffen und überhaupt zugelassen werden. Die Entscheidung darüber ist Sache der IHK.

Ein Hauen und Stechen um die Ausbildungsplätze gibt es deswegen aber nicht - der Bedarf der Branche ist groß genug. „Umkämpft sind die Plätze eher bei den großen Ketten in den Städten, nicht bei den kleinen Privatstudios auf dem Land“, sagt Graziella Sivarajah vom Fachbereich Fitness beim IST. „Wer einen Ausbildungsplatz will, der findet auch einen.“

Studieren geht auch

Fitness studieren – das funktioniert ebenfalls. Ähnlich wie bei den dualen Ausbildungen gibt es verschiedene duale Studiengänge diverser Hochschulen – mit vergleichbaren Inhalten wie in der Ausbildung, aber mit einem zusätzlichen Fokus auf Führungs- und Managementaufgaben. Laut DSSV sind knapp 20 Prozent der Branchenmitarbeiter inzwischen Akademiker. Und gerade die arbeiten natürlich nicht ihr Leben lang als Trainer. Denn die Gesellschaft wird zwar älter – und damit auch die Kundschaft der Freizeitsport-Anbieter. Der Trainerjob bleibt aber trotzdem eher etwas für die Jüngeren, sagt Susanne Anger. „Im kaufmännischen Bereich gehen die Leute aber durchaus auch in Rente.“ Und zumindest für die Trainer mit betrieblicher oder akademischer Ausbildung sollte der Wechsel von der Trainingsfläche ins Büro kein Problem sein – die Skills dafür haben sie in ihrer Ausbildung schon eingesammelt.

Ein weiterer möglicher Karriereweg ist der Wechsel vom Studio zu den Herstellern – sei es von Geräten, von Sportausrüstung oder von anderem Zubehör. Wer sein eigener Chef sein will, kann vielleicht irgendwann ein eigenes Studio haben. Entweder ganz auf eigene Faust, oder als Franchisenehmer der großen Ketten.

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