Kommen dem Original ziemlich nahe: Sänger Michael „Suni“ Sunjo und Leadgitarrist Matze Erhardt. Foto: Stefanie Schlecht

Die Tributeband The Jack hat am Mittwochabend „Sindelfingen rockt“ eröffnet. Statt Regenschauern strömten Tausende AC/DC-Fans auf den teils abgesperrten Marktplatz.

Ein banger Blick auf die Wetter-App: Wird es heute Abend regnen? Die Aussichten für den Auftakt von „Sindelfingen rockt“ sahen zunächst nicht gut aus. Am Ende stellte sich aber heraus, dass Petrus anscheinend ein AC/DC-Fan ist. Rechtzeitig zum Start des Konzerts der Tributeband The Jack strahlte die Sonne über der Stadt.

Statt Regenschauern strömten nach Schätzung des Veranstalters rund 3000 Gäste auf den Marktplatz, um zu den Hits der australischen Kultband eine Hardrockparty unter freiem Himmel zu feiern – wenn auch unter merklich veränderten Bedingungen.

Operation am offenen Herzen der Innenstadt

Dass die Open-Air-Reihe in diesem Jahr überhaupt stattfinden kann, ist nicht selbstverständlich. Schließlich läuft seit einem Jahr die Sanierung des Marktplatzes und der darunterliegenden Tiefgarage. Diese Operation am offenen Herzen der Sindelfinger Innenstadt hat spürbare Auswirkungen auf Alltag und Abläufe – beispielsweise für den Wochenmarkt oder den Straßenverkehr. Derzeit ist die obere Hälfte des Marktplatzes in Richtung Galerie mit einem Bauzaun vom Rest der Fläche abgetrennt.

Für Johannes Leichtle, der die Gratiskonzerte mit seiner Veranstaltungsagentur Eventkartell jedes Jahr in den Sommerferien in Sindelfingen und vier weiteren Städten organisiert, bedeutet die Baustelle einen logistischen und planerischen Kraftakt. „Nervenaufreibend trifft es wohl am besten“, beschreibt der Veranstalter, was er und sein Team in den letzten Tagen in Sindelfingen erlebt haben. „Ich mache den Job ja schon seit 15 Jahren. Aber so eine Herausforderung habe ich noch nie gehabt“, sagt Leichtle.

Sonnenschein statt Regenwolken: Das Wetter spielte netterweise mit. Foto: Stefanie Schlecht

Am Montag hatte die nächste Phase der Bauarbeiten am Marktplatz begonnen – mit diversen Absperrungen und Belagsarbeiten auf der Planiestraße – und schon am Mittwoch musste für das Auftaktkonzert alles stehen. Die Baustellensituation bringt sichtbare Veränderungen mit sich.

Das beginnt bei der Bühne, die zuletzt auf der Planie stand und vom leicht abschüssigen Marktplatz eine gute Sicht ermöglicht hatte. Jetzt steht die Bühne in der Mitte des Marktplatzes, direkt vor dem Bauzaun. „Das war die einzige Möglichkeit“, erklärt Leichtle. Der neue Standort hat auch einen Vorteil: Beim Blick auf die Bands braucht niemand mehr eine Sonnenbrille, weil man, anders als zuvor, nicht mehr von der tief stehenden Abendsonne geblendet wird.

Eine weitere Veränderung – zumindest an diesem ersten Konzertabend – betrifft die Getränkeausgabe. Statt wie bisher gab es, abgesehen von einem Cocktailstand am unteren Marktplatzende , diesmal nur einen Zeltpavillon unterhalb der Planiestraße, an dem an insgesamt acht Stationen Bier, Wasser und andere Getränke ausgeschenkt wurden. „Stellenweise wurden wir hier wirklich überrannt“, sagte eine Mitarbeiterin. Dennoch hielten sich die Wartezeiten meist in Grenzen. „Nächste Woche werden wir aber wieder mit mehr als eine Stand arbeiten“, kündigt Leichtle an.

Reines Hörvergnügen: Von den Liegestühlen auf Höhe der Tiefgarageneinfahrt ist die Bühne nicht zu sehen. Foto: Stefanie Schlecht

Trotz aller Herausforderungen sei es „ein ausdrückliches Anliegen der Stadt, diese zentrale und identitätsstiftende Veranstaltung auch weiterhin auf dem Marktplatz auszurichten“, betont Ramona Suman, Sindelfingens Projektmanagerin für City- und Baustellenmarketing. Man habe sich mit allen relevanten Stellen abstimmt und frühzeitig die Feuerwehr eingebunden, um sicherzustellen, dass alle Rettungswege und Zugänge jederzeit gewährleistet seien. Wegen der Baumaßnahmen ist die gesamte Marktplatztiefgarage während der Veranstaltungen vollständig geschlossen.

Hoch die Hände: Publikumsanimation mit The Jack. Foto: Stefanie Schlecht

Der Stimmung schadete die Baustellensituation übrigens kein bisschen – was auch daran liegen mag, dass die Geislinger Band The Jack dem Original erstaunlich nahe kommt. Matze Erhardt hat die einbeinigen Hopser von AC/DC-Gitarrist Angus Young ebenso gut drauf wie Michael „Suni“ Sunjo das fiese Krächzen von Leadsänger Brian Johnson.

Wie schon bei den Auftritten im Jahr 2015 und 2021 (damals noch auf dem Hofmeisterparkplatz) liefert die Band genau das, was das Publikum will: authentisch klingende AC/DC-Hits von „Thunderstruck“ über „You shook me all night long“ und „Dirty Dees Doe Dirt Cheap“ bis hin zu „Highway to Hell“ und „Hells Bells“.

Erst Älbler-Schwäbisch dann „Oi, Oi, Oi“

Mit jedem der vier Sets wurde das Publikum aktiver. Bei „The Jack“, dem Song, nach dem die Band sich benannt hat, sangen zumindest die vorderen Reihen kräftig mit und bei „TNT“ reckten zum „Oi, Oi, Oi“-Schlachtruf hunderte Fäuste in die Höhe. Kurios wurde es immer dann, wenn Sänger Suni zwischen den Songs in vernehmbarem Älbler-Schwäbisch die Massen animierte, um gleich darauf wieder in seine schrille Brian-Johnson-Stimme zu wechseln.

So geht es weiter

Termine
„Sindelfingen rockt“ findet an fünf aufeinanderfolgenden Mittwochabenden jeweils von 18 bis 22 Uhr auf dem Marktplatz statt. Am 6. August kommt mit Viva La Vida eine Coldplay-Tributeband, am 13. August gibt es Bon-Jovi-Cover mit Bounce, am 20. August gibt es Deutsch-Punk mit Die Toten Ärzte und am 27. August will Dancing Dream eine ABBA-Party feiern.

Parken
Im Rahmen einer Sponsering-Aktion des City-Marketings ist das Parken im Stern-Center-Parkhaus an den Veranstaltungsabenden kostenlos.