Sie hat sich eine grüne und blühende Oase geschafft: In Johanna Offermanns Garten fühlen sich Menschen und Tiere wohl. Foto: Simon Granville

Johanna Offermann aus Korntal-Münchingen hat sich ein kleines Gartenparadies geschaffen, das zudem vogelfreundlich ist. Dafür ist sie ausgezeichnet worden.

Johanna Offermanns Garten ist ein kleines Paradies. Für sie – die in der Zeitung nur ihren Mädchennamen lesen will – und ihre Familie, aber auch für viele Tiere. Damit sind nicht nur die Hasen gemeint, die fröhlich herumhoppeln. In einem mindestens 90 Jahre alten Birnbaum im Vorgarten, Traditionssorte Gaishirtle, nisten Vögel. Zuverlässig kommt ein Turteltaubenpaar. Aus dem Bürofenster blickt Johanna Offermann direkt darauf. „Das ist total schön“, sagt die 46-Jährige. „Wenn die Vögel rumflattern, gibt’s irren Radau.“ Ihr Garten ist etwas ganz Besonderes, für Vögel und Menschen.

Im Frühjahr würden die Meisen die Knospen wegpicken. Leiser sind dagegen die „extrem vielen Ameisen“ und die Fledermäuse, die sich an Flugameisen erfreuen. Die Fledermäuse wohnen beim Nachbarn gegenüber am Dach, vermutet Johanna Offermann. Von Garten zu Garten würden die Igel laufen: Die Korntalerin wohnt entlang eines grünen Gürtels, links und rechts davon ist bebaut.

Den Vögeln gefallen auch die hinten im Garten dicht gepflanzten Hecken und Büsche, so gut wie den Salamandern, Echsen und Käfern die Trockenmauer. Aus einem früheren Baumhaus wurde Totholz. Auf dem sechs Ar großen Grundstück stehen außerdem Mirabellen-, Quitten- und Kirschbäume, drei Komposthaufen und ein Blumenbeet sind angelegt. Tomaten, Kürbisse und Kräuter gedeihen ebenfalls prächtig. Auf Pestizide verzichtet Johanna Offermann. Sie zuckt mit den Schultern. „Wenn die Pflanzen Läuse kriegen, kriegen sie eben Läuse.“

Die Plakette der Initiative „Vogelfreundlicher Lebensraum“ ziert den Hauseingang. Foto: Simon Granville

Für ihre grüne Oase hat die 46-Jährige eine Auszeichnung bekommen. Eine Plakette hängt nun am Hauseingang, ein Zertifikat weist aus, dass ihr Garten ein vogelfreundlicher Lebensraum ist und zur Erhaltung der Artenvielfalt beiträgt. Gegründet hat die Initiative „Vogelfreundlicher Lebensraum“ vor mehr als einem Jahr der Korntaler Unternehmer Thomas Scharr. Er ist in Bayern auf das Vorbild für sein Projekt gestoßen. Ihm, dem Flora und Fauna, Natur- und Umweltschutz seit jeher am Herzen liegen, der Vogelführungen anbietet, gefiel das Ansinnen so gut, dass er beschloss, es nach Baden-Württemberg zu holen. Carsten Heimann aus Münchingen, Experte für ökologischen Garten- und Landschaftsbau, unterstützt ihn bei der Umsetzung. Ehrenamtlich produzieren die zwei die Plaketten, sie bewerten Gärten und geben auch Tipps.

Insektensterben treibt die Korntalerin um

Johanna Offermann wollte ursprünglich Ratschläge für ihren Garten, als sie von der Initiative erfahren hat. „Ich verstand das als Beratungsangebot“, sagt sie. Über die Plakette freue sie sich natürlich sehr. Sie zu erhalten, sei aber nicht ihr Ziel gewesen. Johanna Offermann legt nun auf Carsten Heimanns Empfehlung noch mehr blühende Flächen an.

Die Korntalerin liebt die Natur schon immer. „Ich bin gern draußen und gehe gern wandern“, erzählt sie – und auch vom „wunderschönen, riesigen, naturnahen Garten mit Hühnern und Bienen“ ihrer Eltern. Ziemlich gut erinnert sie sich an die vielen Insekten damals auf der Windschutzscheibe. Heute seien auf Autoscheiben kaum mehr tote Fliegen zu finden. Für sie eine Aufforderung, Lebens- und Rückzugsräume sowie Futterangebote zu schaffen. „Ohne Vögel wird’s richtig leise. Ein trauriger Gedanke, dass sie irgendwann weg sein könnten“, findet Johanna Offermann. Sie genieße das laute Zwitschern am Morgen oder wenn die Amsel am Abend singt.

„Unser Garten macht mehr Arbeit, als es aussieht“

Ihr Bewusstsein für die Bedeutung von Umwelt- und Naturschutz sei erst im Laufe der Zeit gekommen. Spätestens als ihre Kinder auf der Welt waren, habe sie sich mit der Frage beschäftigt, was man den künftigen Generationen hinterlasse. „Man muss anfangen, um die Klimawende hinzukriegen“, sagt Johanna Offermann. Wichtig sei, einfach zu machen, die ersten Schritte zu gehen. „Wenn keiner losgeht, dann wird es nie was.“

Einen vogelfreundlichen Garten zu haben heißt aber nicht, sich zurückzulehnen und ihn völlig sich selbst zu überlassen. „Unser Garten macht mehr Arbeit, als es aussieht“, sagt Johanna Offermann. Sie schätzt, dass sie und ihr Mann fünf bis sechs Wochenenden im Jahr mit Gartenarbeit verbringen: Sie schneiden Bäume, Hecken und Büsche zurück und bringen das Grünzeug weg. Sie ernten tonnenweise Gemüse und Obst – allein die Birnen würden jedes Jahr zu 300 Litern Saft verarbeitet – und sie fegen das Fallobst auf. Im Januar zieht Johanna Offermann Pflanzen vor, die sie später umtopft. Gerade ist ein Feigenbaum in Arbeit.

Initiative wird immer bekannter

Die Vogelfreunde Thomas Scharr und Carsten Heimann haben mittlerweile 70 Gärten prämiert, die naturnah und besonders vogelfreundlich gestaltet sind. Die Resonanz freut die beiden. „Unsere kleine Initiative hat ein wenig Beachtung gefunden“, stellt Thomas Scharr fest. Er nennt die Gartenbesitzer „Boten dieser Artenvielfalt“, indem sie die für sie kostenlose Plakette gut sichtbar anbringen. Thomas Scharr lacht. „Das ist unser einziger großer Wunsch.“ Bis zu 20 Kilometer weit fährt das Duo, um Gärten zu begutachten und Tipps zu geben. „Es erreichen uns immer wieder Anfragen auch aus ganz unterschiedlichen Regionen Deutschlands“, so Scharr. Ist ein Garten zu weit weg, „entscheiden wir anhand von Bildern, der genauen Beschreibung und einer Pflanzliste“. Sie hoffen, perspektivisch Ableger ihrer Initiative gründen zu können.

Mehr im Internet unter: https://scharrbuero.de/vogelfreundlicher-lebensraum/ [...]