Die Papageiendame steckt fest. Ihr Mann Thilo kann ihr nicht helfen. Foto: Polizei - Polizei

Seit 1984 sorgen Papageien für ein exotisches Flair am Neckar. Dabei handelt es sich nicht um kurzfristig frei gelassene Käfigvögel, sondern um eine Brutpopulation, die sich seit Jahren in Freiheit fortpflanzt. Für viele Cannstatter gehören „ihre Gelbköpf“ mittlerweile zum gewohnten Anblick in der Altstadt, am Neckarufer und in den Parkanlagen. Zwei von diesen Gelbstirnamazonen sorgten am Donnerstagmorgen für einen Feuerwehreinsatz der besonderen Art. 

Von Uli Nagel

Gegen 9.10 wurde eine Polizeistreife in den Unteren Schlossgartenanlagen von aufgeregten Spaziergängern angesprochen. Ein Papagei würde im angrenzenden Rosensteinpark in einer Baumhöhle stecken und nicht mehr herauskommen. Ein zweiter soll an dem Loch sitzen und seinen Artgenossen „bewachen“. Nachdruck und Dramatik verliehen die Passanten ihre Geschichte, indem sie die beiden Vögel liebevoll Thea und Thilo nannten, die offenbar – wie die Spaziergänger – regelmäßig den Schlossgarten besuchen. 

Die beiden Beamten informierten die Feuerwehr, die nur wenig später mit einer Leiter an dem Unglücksbaum angekommen ist, um Thea aus ihrer misslichen Lage zu befreien. Offenbar war das Papageienpaar auf „Wohnungssuche“ gewesen und Thea hat die künftige Bleibe inspizieren wollen. Hierbei war sie in eine Aushöhlung der Platane gestürzt und konnte nicht selbstständig aus der rund 40 Zentimeter tiefen Höhle klettern. Dazu muss man wissen, dass Papageien im Normalfall ihren Schnabel als Kletterhilfe benützen können. Doch Thea hatte den oberen Teil ihres Schnabels vor gut einem Jahr bei einem Unfall verloren – keine Chance, ohne menschliche Hilfe aus ihrem Gefängnis zu klettern. Rettung kam in Form eines Astes. Den hatten die Feuerwehrmänner sanft in das Loch im Baum geschoben und an dem konnte sie schlussendlich herausklettern. Verletzt wurde das Tier bei den „Bergungsarbeiten“ nicht und unter dem großen Beifall der Schaulustigen setzten Thea und Thilo ihre Wohnungssuche fort. 
In ihrer Heimat Mexiko sind die Papageien mit dem grünen Federkleid und den gelben Köpfen vom Aussterben bedroht. Im Großstadtdschungel Bad Cannstatts leben rund 50 Tiere. Seit 1984 ist die Vogelfamilie stetig gewachsen - und damit auch ihr Bekanntheitsgrad. So erzählt man sich zum Beispiel eine besonders makabre Geschichte: In den späten 1990er-Jahren soll eine Gelbkopfamazone in einem Garten getötet worden sein. Weil sie sich zum Frühstück über seinen Haselnussstrauch hermachte, griff ein Bad Cannstatter wohl zum Luftgewehr und erschoss den Vogel. Sein Mordopfer soll er anschließend in die Tiefkühltruhe gelegt haben. Bei einem erneuten Versuch, eine Gelbkopfamazone zu töten, kam ihm die Polizei wohl auf die Schliche und fand den gefrorenen Vogel. Dieser wurde angeblich im Rosensteinmuseum präpariert. Doch die kuriose Geschichte bleibt eine lokale Legende. Weder die Polizei noch das Rosensteinmuseum können sie bestätigen.

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