Leon Diebold (links) und Leo Schlesinger mögen die kleine Raupe. Foto: oh - oh

Eric Carle zählt zu den erfolgreichsten Kinderbuchautoren der Welt. Kürzlich feierte er seinen 90. Geburtstag, sein erfolgreichstes Buch „Die kleine Raupe Nimmersatt“ wurde 50. Die Klasse 4a der Denkendorfer Albert-Schweitzer-Schule gratuliert beiden zum runden Geburtstag.

DenkendorfSeit einem halben Jahrhundert darf sich „Die kleine Raupe Nimmersatt“ durch Bücherregale in Kinderzimmern auf der ganzen Welt bohren. Das erfolgreichste Werk des US-Kinderbuchautors Eric Carle wurde in 64 Sprachen übersetzt und mehr als 50 Millionen Mal weltweit verkauft. „Ich nehme an, die meisten Kinder können sich mit der hilflosen, kleinen, unbedeutenden Raupe identifizieren und sie freuen sich darüber, wenn sich die Raupe in einen wunderschönen Schmetterling verwandelt“, sagt Carle, der kürzlich seinen 90. Geburtstag gefeiert hat. „Ich denke, darin steckt eine Hoffnungsbotschaft: Ich kann auch groß werden. Ich kann meine Flügel – meine Talente – auch ausbreiten und in die Welt fliegen.“ In diesem Jahr hat nicht nur „Die kleine Raupe Nimmersatt“ einen runden Geburtstag gefeiert, sondern auch ihr Schöpfer. Die Klasse 4a der Albert-Schweitzer-Schule (ASS) in Denkendorf hat das EZ-Projekt „Zeitung in der Schule“ zum Anlass genommen, sich mit dem Kinderbuchautor und seiner beliebtesten Figur zu beschäftigen. Passend zum 50. Geburtstag der kleinen Raupe gab es in Ostfildern einen Malwettbewerb. Die Gewinner wurden von OB Christof Bolay ausgezeichnet. Die ASS war mit zehn Preisträgern dabei, zu den Gewinnern gehörten auch die beiden Autoren dieses Artikels.

Weil wir Eric Carles Bücher mögen, wollten wir mehr über den Autor erfahren und haben einiges herausgefunden: Carle wurde in New York (USA) als Kind deutscher Auswanderer geboren. Oft machte er Ausflüge in die Natur mit seinen Eltern und deren Freunden. In New York fühlte er sich wohl, die Schule fand er gut, weil man frei experimentieren durfte. Sein Lehrer entdeckte schnell sein Talent zum Malen und seine Mutter förderte ihn. 1935 zog die Familie zurück nach Deutschland. Als Kind wohnte Eric Carle in Feuerbach. Dort war seine Förderung vorbei. Für ihn war die deutsche Schule ein Schock. Das deutsche Klassenzimmer fand er sehr eng, hatte Sehnsucht nach den USA und wollte so schnell wie möglich zurück in die USA. So schrieb er Jahre später das Buch „Die kleine Maus sucht einen Freund“. Bevor er zurück nach Amerika konnte, erlebte er düstere Tage, hatte aber auch tolle Erlebnisse wie die Ferien auf dem Bauernhof oder Besuche bei seiner Tante Mina und seinem Onkel August. Dort gab es viele Leckereien zu essen. Eric Carle meinte, dass er deshalb 1969 die Geschichte von der kleinen Raupe Nimmersatt geschrieben habe.

Nach dem Krieg folgte Carle der Empfehlung seines Kunstlehrers in Stuttgart, an der Akademie der Künste zu studieren. Bei Professor Friedrich Schneidler lernte er unter anderem die Collagetechnik. Nach dem Abschluss bekam er gleich einen Job als künstlerischer Leiter eines Modemagazins, doch der Traum von Amerika ist geblieben. 1952 brach er schließlich nach New York auf, wo er Arbeit bei der Werbeagentur der New York Times fand. Kurz darauf wurde Carle jedoch von der US-Army eingezogen und musste zwei Jahre lang Militärdienst leisten. Als Deutsch sprechender Soldat wurde er nach Deutschland geschickt, wo er seine spätere Frau Dorothea Wohlenberg kennenlernte. 1954 kehrte er zur New York Times zurück und heiratete. Mit seiner Frau bekam er eine Tochter und einen Sohn.

Nach einigen Jahren bei einer Agentur, die für Medikamente warb, beschloss Eric Carle, als freischaffender Grafiker und Illustrator zu arbeiten. Seine Karriere als Bilderbuchautor und Illustrator begann, als der Autor Bill Martin ihn fragte, ob er eine seiner Geschichten illustrieren wolle. Das Buch „Brown bear, brown bear, what do you see?“, das in Deutschland „Brauner Bär, brauner Bär, was siehst du?“ heißt, erschien 1967. Eric Carle gefiel es so gut, Kindern Geschichten zu erzählen, dass er beschloss, Bilderbücher für Kinder zu schreiben und zu illustrieren. „1,2,3, to the zoo“ war sein erstes eigenes Buch, kurz danach schrieb er 1969 „The very hungry Caterpillar“, das man in Deutschland unter dem Titel „Die kleine Raupe Nimmersatt“ kennt. Das Buch hatte einen riesigen internationalen Erfolg. Bald hatte Carle keine Lust mehr, für die Werbeagentur zu arbeiten – er wollte nur noch Bücher schreiben. Später sagte er einmal, mit den Kinderbüchern sei „sein inneres Kind wieder lebendig“ geworden, das durch viele dunkle Erlebnisse, vor allem in Deutschland, verschüttet worden sei.

Eric trifft „Students from Stuttgart“

Auch wenn er nicht nur gute Erinnerungen an Deutschland hat, blieb er den Menschen dort verbunden. So lud er vor Jahren zwei Jungs aus Nellingen für ein paar Tage zu sich nach Hause ein. Die beiden reisten nach dem Abitur durch die Staaten und suchten mit einem Schild mit der Aufschrift „Students from Stuttgart“ eine Mitfahrgelegenheit. Carle hielt an, fand die beiden sympathisch und nahm sie mit zu sich. Vor einigen Jahren gab es ein Wiedersehen in Stuttgart im Literaturhaus.

Zur Person

Leben: Eric Carle wurde am 25. Juli 1929 in New York geboren. Aufgewachsen ist er in den USA und nach der Rückkehr der Familie 1935 nach Deutschland in Feuerbach. Nach der Schulzeit studierte er an der Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart. 1952 kehrte er in die USA zurück. Mit seiner inzwischen verstorbenen Frau hat er zwei Kinder.

Werk: Mehr als 70 Kinderbücher hat Eric Carle geschrieben, darunter Titel wie „1,2,3 to the zoo“ oder „Brown bear, brown bear, what do you see?“

Sein meist verkauftes Buch ist „The very hungry caterpillar“, das in 64 Sprachen übersetzt und 50 Millionen Mal verkauft wurde. Hierzulande ist es unter dem Titel „Die kleine Raupe Nimmersatt“ erschienen.

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