Markus Pärssinen, Mathias Düsterdick, Markus Müller und Peter Pätzold (von links) begutachten einen der vier Siegerentwürfe. Foto: Schütze Quelle: Unbekannt

Von Jan-Philipp Schütze

Stuttgart - Auf dem brachliegenden Gelände der einstigen IBM-Hauptverwaltung in Vaihingen, dem sogenannten Eiermann-Campus, soll ein modernes Stadtquartier entstehen. Aus dem städtebaulichen Ideenwettbewerb für den „Garden Campus Vaihingen“ sind nun vier Siegerentwürfe hervorgegangen. Über diese sollen in einem nächsten Schritt die Bürger diskutieren.

Markus Müller, Präsident der Architektenkammer Baden-Württemberg, sprach gestern bei einem Pressetermin auf dem Eiermann-Campus von einer „sehr ambitionierten Aufgabenstellung“, mit der sich die 14 an dem Wettbewerb beteiligten Architekturbüros befassen mussten. Das vorgegebene Ziel war es, ein in seiner Gesamtheit funktionsfähiges Stadtquartier zu entwerfen, in das einerseits das denkmalgeschützte Gebäudeensemble des Architekten Egon Eiermann eingebettet ist und das andererseits trotz seiner „Insellage“ am Autobahnkreuz Stuttgart städtebaulich mit Vaihingen verbunden ist.

Wie unterschiedlich die Aufgabenstellung angegangen wurde, zeigt sich an den vier Siegerentwürfen. Während die Astoc GmbH aus Köln in ihrem Konzept mit Modul-Gebäuden arbeitet, die flexibel auf dem Areal gesetzt werden können, plant die Cobe Berlin GmbH mit sechs unterschiedlich gestalteten Nachbarschaften und einem zentralen, 24-geschossigen Turm. Die Architektengesellschaft Kleihues & Kleihues aus Berlin arbeitet mit variablen Gebäudeensembles mit Innenhöfen sowie zwei 60 Meter hohen Hochhäusern, bei Steidle Architekten aus München wiederum fällt eine geschwungene Riegelbebauung ins Auge, die den Lärm der zwei Autobahnen abhalten soll.

Ausgewählt wurden die siegreichen Konzepte von einem Preisgericht, dem neben namhaften Städtebauexperten auch Oberbürgermeister Fritz Kuhn sowie Vertreter des Landesdenkmalamts, der Gemeinderatsfraktionen, der Vaihinger Bürgerschaft und der Egon Eiermann Gesellschaft angehören. „Wir sind sehr froh, dass wir diesen ersten Schritt gemacht haben“, sagte Baubürgermeister Peter Pätzold. Noch seien aber viele Fragen nicht beantwortet. Unklar ist unter anderem, wie mit der Verkehrsthematik in dem Quartier umgegangen werden soll. Überlegungen gibt es beispielsweise zu gemeinschaftlichen Mobilitätskonzepten wie Carsharing. Auch die schon seit geraumer Zeit im Raum stehende Seilbahn-Anbindung ist längst noch nicht vom Tisch.

Fraglich ist auch, in welchem Verhältnis Wohnen und Gewerbe zueinander stehen sollen. „Wir brauchen einen Grundstock an Leuten, die hier wohnen“, sagte Mathias Düsterdick, Geschäftsführer des Projektentwicklers Gerchgroup. Ihm schwebt ein 75-prozentiger Wohnanteil vor, die Entwürfe sehen je nach Konzept zwischen 1000 und 1700 Wohneinheiten vor. Für Baubürgermeister Pätzold steht fest: „Wir brauchen eine Lösung, die ein funktionierendes Stadtquartier ermöglicht.“

Markus Pärssinen, Geschäftsführer des Planungsbüros Seyler & Pärssinen, der das gesamte Bebauungsplanverfahren federführend betreut, betonte, alle vier Entwürfe böten das nötige Potenzial für eine Weiterentwicklung. Die Gewinnerbüros werden ihre Konzepte nun als nächstes im Rahmen einer Bürgerbeteiligung öffentlich vorstellen. Diese findet am Samstag, 24. September, ab 14 Uhr auf dem Eiermann-Campus statt. Interessierte können sich unter anmeldungbb@sp-projektpartner.de anmelden. Der Gemeinderat wird am 27. September erstmals über die Entwürfe diskutieren. Ende November tritt das Preisgericht erneut zusammen, um aus den überarbeiteten Konzepten den Sieger auszuwählen. Im Anschluss ist nochmals eine Bürgerbeteiligung geplant.

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