Feldarbeit statt Kunstakademie: Theresa macht der Erntejob Spaß. Foto:  

Obwohl die Bundesregierung entschieden hat, dass trotz Corona-Krise 80 000 ausländische Saisonarbeiter einreisen dürfen, beklagen Landwirte wie Bernhard Bayer, dass es viel zu wenige Erntehelfer gibt.

Neuhausen - Er ist leider noch auf dem Feld.“ Samstag, kurz vor 20 Uhr: Stephanie Bayer muss schon wieder passen. Ihren Mann Bernhard überhaupt ans Telefon zu bekommen, ist in diesen Tagen verdammt schwer. Nicht einmal vier Hände würden dem Landwirt aus Neuhausen gerade reichen, um alle notwendigen Arbeiten erledigen zu können. Auf den Spargel- und Erdbeerfeldern steht die Ernte vor der Tür. Eigentlich eine schöne Zeit, weil man den Lohn seiner Mühen einfahren kann. Doch diesmal fehlen Bayers die Leute, um all das, was ihre Kulturen hervorbringen, an die Verbraucher bringen zu können. Wegen der Corona-Krise steht dem Landwirt nur ein Bruchteil der sonstigen Helfer zur Verfügung. Pessimismus ist normalerweise nicht die Sache des 54-Jährigen. Aber an diesem Montagmorgen hört er sich ziemlich frustriert an: „Wir stecken ganz schön in der Bredouille“, sagt er. 35 bis 40 Rumänen arbeiten gewöhnlich für ihn während der Erntesaison. Über viele Jahre eingespielte Kräfte, auf die sich Bayer stets verlassen konnte und die schon fast zur Familie gehörten. Doch dieses Jahr haben lediglich zwei der Stammkräfte ihre Jobs angetreten. Vasili und Nicolai waren gerade noch vor dem Einreisestopp auf die Filder gekommen. „Ich bin heilfroh, dass ich wenigstens die beiden habe“, sagt Bayer. Sie sind die einzigen, die er im Moment zum Spargelstechen schicken kann. Eigentlich dürfte er das als Bauer gar nicht sagen, aber zum Glück ist es vor allem nachts noch nicht warm genug, dass das Edelgemüse in Massen aus der Erde schießt.

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