21.10.2018 40. Auflage des Filderkrautfests in Leinfelden-Echterdingen

 Foto: Bulgrin - Bulgrin

Mit 50.000 Besuchern war das Krautfest in Leinfelden-Echterdingen ein voller Erfolg. Allerdings war die Polizei oft im Einsatz, weil betrunkene Festgäste randalierten.

Leinfelden-EchterdingenMit dem Fassanstich eröffnete Oberbürgermeister Roland Klenk am Samstag um 14 Uhr die 40. Ausgabe des Filderkrautfests in Leinfelden. Danach ging es mit Thomas Stierle, dem Vorsitzenden des Vereinsrings Echterdingen zum Krautabschmecken auf die Festbühne in Echterdingen. In den Stadtteilen Leinfelden, Echterdingen, Oberaichen und Musberg waren 120 Vereine mit Ständen und Buden am Start. „Vor vierzig Jahren“, erzählte Klenk, „hat das Fest mit fünf Scheuern angefangen. Was sich daraus entwickelt hat, ist Wahnsinn.“ Er habe versucht, herauszufinden, woher die Idee vom Krautfest stammt, so Klenk, und sei bei seiner Suche auf vier ältere Herren aus den Stadtteilen gestoßen. „Jeder wollte selbst die Idee für das erste Krautfest gehabt haben, und offensichtlich war auch jeder einzelne Stadtteil der erste, in dem das Fest ausgerichtet wurde“, so Klenk. „Das Kind hat also viele Väter, dennoch ist es zu etwas geworden.“

Vielfältiges Kraut, vielfältiger Besuch: Bis zu 50 000 Besucher werden wie jedes Jahr erwartet, wenn es am dritten Oktoberwochenende überall in Leinfelden-Echterdingen duftet und dampft. Schupfnudeln mit Sauerkraut und Speck sind die typischste Zubereitungsform in Schwaben – aber bei weitem nicht die einzig mögliche. Wie jedes Jahr sind aus ganz Deutschland, etwa aus Dithmarschen in Schleswig-Holtstein und aus Hessen, sowie sogar aus Ungarn Gäste angereist, die ihre liebste Krautvariante präsentieren. Im Norden isst man am liebsten Kohlrouladen mit Salzkartoffeln, in Hessen gibt es „Kappes“ mit Joghurtsauce und aus Ungarn wurden sauer eingelegte und mit Kraut gefüllte Paprikaschoten mitgebracht. Doch auch auf den Fildern zeigt man sich erfinderisch und jedes Jahr gibt es neue kulinarische Höhepunkte zu entdecken, dieses Jahr etwa die essbaren Schnapsgläser – natürlich aus Kraut.

„Unser Filderkraut, wie es früher war“: Seit 40 Jahren gibt es das Krautfest, den Krautanbau auf den Fildern schon viel länger. Wie dieser vor einigen hundert Jahren begann, ist in der Echterdinger Zehntscheuer bei der Ausstellung „Unser Filderkraut, wie es früher war“ zu sehen. Mit historischen landwirtschaftlichen Geräten, alten Fotos und einem kurzen Film werden dem Besucher die Anfänge des spitzen Gewächses nahegebracht. 200 Betriebe bauen auf den Fildern Kraut an. Dieses Jahr viel die Ernte aufgrund der großen Trockenheit kleiner aus als gewohnt.

Gut Ding will Weile haben: Die Landfrauen Echterdingen backen im historischen Backhaus Deien, Zwiebelkuchen und eine Variante mit Kraut. Für diese Spezialität muss man sich aber bis zu eine Stunde anstellen, das Backen im Holzofen braucht seine Zeit und der Teig wird ebenfalls von Hand zubereitet. Für den schnellen Hunger gibt es aber an den Ständen genug Alternativen. Von türkischen Spezialitäten über Krautburger und Pommes bis hin zur Schlachtplatte mit Leber- und Griebenwurst ist alles geboten. Und auch Durst muss keiner leiden, die Getränkepalette in der Scheuern und an den Stehtischen reicht von einem kühlen Radler bis zur brennenden Feuerzangenbowle.

Kleine Gäste: „Das Krautfest ist nicht mehr nur ein Kinderfest“, sagt Oberbürgermeister Roland Klenk bei der Begrüßung. Mit Dosenwerfen, einigen Karussells und Fahrgeschäften, einem Trampolin und Kinderschminken können sich aber auch die kleinsten Gäste austoben. Ein Highlight bietet die Zeppelinschule mit dem Krautkopfschmücken. Mit Bastelzeug dürfen die Kinder ihren Krautkopf verzieren und auf tolle Preise hoffen.

Tracht: Zu Dorffesten gehört auch die Tradition. „Seit 200 Jahren wird die Tracht immer getragen“, sagt Wolfgang Haug, der Vorsitzende des Vereins „Echterdinger Tracht“. Mit einer flotten Tanzeinlage präsentieren einige der 150 rührigen Mitglieder des Vereins die klassische hirschlederne Tracht.
Krautverkauf: Ob ganze Köpfe, frisch gehobeltes Kraut in der Tüte oder eingelegtes Sauerkraut im Eimer, es gibt verschiedenste Varianten. So auch beim Krautbauern Kitzele. Auf einem Wagen sind die Köpfe gestapelt, zur Unterhaltung der Kunden gibt es Karaoke-Einlagen.

Viele Polizeieinsätze: Zahlreiche Einsätze hatte die Polizei. Meist war übermäßiger Alkoholkonsum die Ursache. Gegen 18 Uhr am Samstag war ein 35-jähriger Kroate so betrunken und randalierte, dass an einem Imbiss in der Bernhäuser Straße von Mitarbeitern eines Sicherheitsdienstes an die Beamten übergeben wurde. Auf richterliche Anordnung verbrachte er die Nacht in der Zelle. Mit einem ähnlich aggressiven Zeitgenossen hatten es die Beamten gegen 23.15 Uhr in der Bernhäuser Straße zu tun. Die Security übergab den 33-Jährigen an die Polizei. Auch er kam in Gewahrsam. Strafverfahren wurden eingeleitet. Gegen 1 Uhr stellte sich eine 41-jährige, stark alkoholisierte Frau in der Brühlstraße dem BMW einer 39-Jährigen sowie einem Auto in den Weg. Da sich die Frau nicht beruhigen ließ, nahmen sie die Polizisten fest. Gegen 2.30 Uhr verweigerte ein 24-Jähriger nach einer Körperverletzung bei einer Kontrolle die Angaben seiner Personalien und leistete Widerstand. Dabei wurde der 24-Jährige im Gesicht leicht verletzt. Körperverletzungsdelikte, Streitigkeiten sowie Ruhestörungen registrierte die Polizei auch.

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