In den Geschäften und auf drei Märkten konnte man bis Mitternacht einkaufen. Foto: Hauenschild - Barbara Scherer

„ES funkelt“ lockt zahlreiche Besucher auf die gut ausgeleuchteten Märkte in der Altstadt. Auch das Wetter spielt wieder mit und bleibt trocken.

EsslingenDie Macher von ES funkelt hatten auch bei der aktuellen Auflage der langen Einkaufsnacht Glück mit dem Wetter. So lange die Besucher in den Straßen und Gassen unterwegs waren, blieb es mild und fast ganz trocken. Der Abend zog viele Besucher in die Stadt, die sich auf den Märkten umsahen, Leckereien aus dem gastronomischen Angebot probierten und in den Geschäften nach neuer Ware schauten.

Alexander Kögel, der Sprecher der Händlergemeinschaft City Initiative, berichtete von zufriedenen Händlern in der Stadt. Es sei nicht ganz so belebt gewesen wie in den vergangenen Jahren, hat Kögel festgestellt. „Das liegt wohl an der verlängerten Ferienzeit“, vermutete er. Insgesamt aber hat es für den Handel gepasst: „Die Besucher interessieren sich zum jetzigen Zeitpunkt für die neue Ware, die überall in den Geschäften angekommen ist, und die etwas kühleren Temperaturen haben zum Kaufen animiert“, sagte Kögel. Auch wenn die Umsätze etwas unter denen des Vorjahres gelegen hätten, sehe man das Konzept aufgehen: „Wir machen mit diesem Abend Werbung für Esslingen als Einkaufsstadt und Stadt, sich auszuhalten.“ Neben dem Handel hatten auch die Gastronomen und die Mitarbeiter an den Foodständen alle Hände voll zu tun. In diesem Jahr konnte man gut besuchte Straßencafés und Gartenwirtschaften sehen. Und an manchem Food-Truck gab es lange Warteschlangen. Zum Beispiel am Marktplatz, wo kross gebackene Kartoffelspiralen angeboten worden. Dennoch: Einige Passanten bemängelten, dass das Angebot zu „burgerlastig“ gewesen sei, dass Essplätze und Sitzgelegenheiten gefehlt hätten.

Zentrales Thema bei ES funkelt ist das Lichtprogramm. Der Tübinger Lichtkünstler Peter Grotz, bekannt als Illuminist, hat die Altstadt mit Licht in Szene gesetzt. Farbige Bögen bildeten ein Spalier in der Bahnhofstraße, Tropfen, hakenartige Leuchten, orange Sterne und bunte Kringel ließen jeden Ort individuell aufscheinen. Überall war das sanfte Fauchen der luftbetriebenen Objekte zu hören. Und die gelbroten Sterne an der Außentreppe am Karstadt-Gebäude in der Bahnhofstraße hatten die Passanten bereits am Freitagabend auf den Samstag eingestimmt. Bunt leuchtete das Alte Rathaus auf, sein Widerschein erhellte die Häuserzeile gegenüber in einem unwirklichen Grün.

Licht allein sollte es aber nicht sein: Seit Jahren flankieren die Märkte den Abend. Til Maehr und seine Agentur ES Märkte hatte drei Märkte platziert, mit verschiedenen Inhalten. Der etablierte monatliche Flohmarkt ist bereits im vergangenen Jahr vom etwas abgelegenen Blarerplatz in die Ritterstraße gezogen. „Das hat dem Markt gutgetan, er hat einfach mehr Aufmerksamkeit“, wertete Til Maehr den Umzug. Außerdem böte die Ritterstraße mehr Raum, sodass es letztlich rund 40 Stände in der Ritterstraße waren, an denen man das typische Flohmarktsortiment begutachten konnte: Klamotten, Haushaltsgegenstände, Kleinmöbel, zum Teil gut restauriert oder auf Shabby Chic getrimmt, Glas und Porzellan, Bücher, Kruscht und Kleinkram aus Keller und Dachboden. Dazwischen komplettierten Profiaussteller das Angebot.

Kleiner und feiner sollte der Koffermarkt am Postmichelbrunnen sein. Aus Koffern heraus oder von kleinen Tischen haben 17 Designer und Kreative ihre Artikel verkauft. So wie Heike Denkinger, die ihre Herzbilder anbot. Sie fotografiert alle möglichen Herzformen, die sie im Alltag findet, und zieht sie auf Rahmen. „Der Koffermarkt hat sich gut entwickelt“, erklärt Til Maehr. Das sehr individuelle Angebot gefiel ihm, allein die Präsentation überzeugte ihn nicht immer: „Es sollte wirklich alles aus Koffern heraus verkauft werden“, mahnte er. Licht wiederum war das Thema beim Kunsthandwerkermarkt auf dem Marktplatz. Lampen und Leuchtobjekte gab es zuhauf. Nicht zu übersehen die Leuchten am Stand von Monika Jauch und Oliver Maisch. Leuchtende Planeten heißen ihre bunt bemalten Objekte, die zum Teil höher als zwei Meter waren. Sie seien wetterfest und winterhart und drinnen und draußen zu verwenden. Für die ganz Großen waren 380 Euro fällig. Ein weiteres großes Thema gehörte dem Recycling. Gleich zwei Anbieter widmeten sich der Schmuckproduktion aus Nespresso-Kapseln. Stephanie Gempe erhält ihren „Rohstoff“, die leeren Kapseln, von sammelnden Spendern. Da sie auch malt, verwendet sie auch Leinwandreste, auf denen sie ihre Pinsel abwischt. Die bunten Stückchen dienten in den Ketten und Ringe als schmucke Mittelstücke wie Medaillon oder Steine. „Kunst to go“ nannte Gempe ihre Arbeiten angelehnt an die ambulante Kaffeekultur. Ein anderer Anbieter zeigte eine Verwendung für leere Jack-Daniels-Flaschen: als Zapfanlagen oder Kaffeebrühvorrichtung.

Einen Ruheort gab es auch: Kerzen bildeten ein Kreuz und den Schriftzug Johannes 3 16 auf dem Platz vor der Stadtkirche. Wer durchatmen wollte, stand vor dem ruhig leuchtenden Gebilde und tauschte erloschene gegen neue Kerzen aus. Und am Rathausplatz spielte Tovacrossing ruhige laid back Folksongs.

Und was könnte man noch besser machen? Für Til Maehr haben die Wegverbindungen zwischen den einzelnen Plätzen nicht optimal funktioniert. „An diesem Stellschräubchen könnte man noch drehen“, sagte Maehr.

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