Der Chef packt an: Teddybären-Experte Matthias Unger (rechts) hat seinen Stand in wenigen Stunden startklar. Foto: Roberto Bulgrin - Roberto Bulgrin

Der Esslinger Mittelalter- und Weihnachtsmarkt beginnt am Dienstag, 26. November. Nur die wenigsten Besucher ahnen, wie viel Arbeit hinter alledem steckt.

EsslingenIn aller Herrgottsfrühe hat Matthias Unger am Dienstag in Rothenburg ob der Tauber sein Auto gestartet, um nach Esslingen aufzubrechen. Unger ist einer von rund 200 Händlern und Gastronomen, die vom 26. November bis 22. Dezember mit ihren Ständen auf dem Esslinger Mittelalter- und Weihnachtsmarkt zu Gast sind. Bis zur offiziellen Eröffnung ist es zwar noch ein Weilchen hin, doch bis dahin haben die Marktbeschicker genau wie die Esslinger Stadtmarketing und Tourismus GmbH (EST) alle Hände voll zu tun, schließlich gilt es, zwischen Marktplatz, Kleinem Markt, Rathausplatz, Hafenmarkt und Postmichelbrunnen eine kleine Weihnachtsstadt aus dem Nichts entstehen zu lassen. Der Aufbau erfordert eine logistische Meisterleistung – alle Rädchen müssen ineinandergreifen, damit sich der Markt, der Jahr für Jahr rund eine Million Besucher anlockt, von seiner besten Seite zeigen kann.

Matthias Unger ist ein alter Hause im Marktgeschäft. Neben seinem Teddybären-Fachgeschäft in Rothenburg ob der Tauber ist er mit seinen „Teddyland“-Ständen auf den Weihnachtsmärkten in Dortmund, Dresden, Köln, Nürnberg, Oberhausen und Stuttgart vertreten. „Nach Esslingen komme ich schon so lange, dass ich gar nicht mehr so genau weiß, wann ich zum ersten Mal hier war“, erzählt er. Und er kommt immer wieder gern, „weil das ein qualitätvoller Markt ist“. Weil Unger zu jenen Marktbeschickern zählt, die mit einer fertigen Hütte anreisen, geht der Aufbau bei ihm vergleichsweise rasch über die Bühne. Die Holzhütte muss nur noch außen mit Tannengrün und roten Sternen geschmückt, und die Ware muss eingeräumt werden – nach nur rund sieben Stunden war Ungers „Teddyland“-Dependance startklar. Und weshalb ist er schon so früh angereist, wenn bis zur Markt-Eröffnung noch so viel Zeit bleibt? „Die Aufbau-Zeiten werden uns vorgegeben“, erzählt er. „Alles ist so geplant, dass sich die einzelnen Stände beim Aufbau nicht gegenseitig in die Quere kommen.“

Petra Pfeiffer, die Leiterin des Veranstaltungsmanagements bei der EST, und ihr Team sind das ganze Jahr über mit dem Mittelalter- und Weihnachtsmarkt beschäftigt: Ist ein Markt vorbei, wird Bilanz gezogen – dann geht auch schon die Vorbereitung aufs nächste Jahr los. Weil Esslingen unter Händlern und Gastronomen als reizvoller Markt gilt, ist die Nachfrage riesengroß – allein in diesem Jahr erhielten rund 160 Beschicker, die sich beworben hatten, eine Absage. „Einerseits haben wir hohe qualitative Ansprüche“, erklärt Petra Pfeiffer. „Und andererseits müssen wir auf ein ausgewogenes Sortiment achten.“ Dafür, dass jeder Stand am richtigen Ort steht, dass die Besuchermassen vor allem am Abend und an Wochenenden möglichst gut über den Markt flanieren können und dass die baulichen Bestimmungen etwa für Fluchtwege eingehalten werden, sorgt der Esslinger Architekt Jörg Schall, der seit vielen Jahren die technische Leitung innehat und der vor allem an den Aufbautagen ständig präsent ist. Schließlich gilt es darauf zu achten, dass seine Planung, die jedem Stand einen genauen Platz zuweist, auch wirklich präzise umgesetzt wird.

Wenn OB Jürgen Zieger den Markt am Dienstag, 26. November, um 17 Uhr auf der Hauptbühne am Rathausplatz eröffnet, müssen auch Andreas Dümmel und sein Team der mittelalterlichen „Schlemmerey“ auf dem Hafenmarkt startklar sein. Dümmels Gastro-Stand, an dem sich die Marktbesucher von kommender Woche an heimische Leckereien wie Entenkeule, Hirschgulasch oder Käsespätzle schmecken lassen können, braucht eine ausgeklügelte Logistik. „Deshalb brauchen wir die Zeit bis zur Markteröffnung, damit alles perfekt vorbereitet ist“, sagt er. „Den Aufwand, der in solch einem Markt steckt, sehen nur die wenigsten.“ Den Aufbau meistert die „Schlemmerey“ mit drei oder vier Mitarbeitern – geht der Markt erst einmal los, stehen acht Leute in der Küche und hinter dem Tresen. Nach Esslingen kommt Dümmel, der übers Jahr vor allem auf Mittelaltermärkten präsent ist, immer besonders gern: „Hier hat man ein interessantes Publikum, das hochwertige Angebote zu schätzen weiß.“

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