Mario Gomez erzielt per Fallrückzieher ein Tor – das dann aber nicht gilt. Foto: Baumann - Baumann

SandhausenDerbysieg? Euphorie? Neuer Schwung? War da was? Womöglich – aber von alldem war eine Woche nach dem Erfolg gegen den Karlsruher SC (3:0) nicht mehr viel zu sehen. Stattdessen gab es am Sonntagmittag diese Szenen zu beobachten: In Sandhausen schlichen die Spieler des VfB Stuttgart mit bedröppelten Mienen und gesenkten Köpfen vom Rasen, die Fans schimpften, der Gang vor die Tribüne des Hardtwaldstadions war spaßbefreit. Nicht ohne Grund: Das 1:2 des VfB gegen den SV Sandhausen war bereits die fünfte Pleite dieser Saison – und die dritte Auswärtsniederlage in Folge. Die Ernüchterung ist groß. Dabei war alles bereitet gewesen.

Die Euphorie aus dem Derby war das eine, dazu hatten am Freitag und Samstag die Konkurrenten aus Hamburg und Aue gepatzt. „Wir haben uns wieder in der Spur gesehen“, sagte der VfB-Stürmer Mario Gomez – und konnte kaum fassen, was in den 90 Minuten zuvor passiert war.

Wieder einmal hatte der VfB eine gute Ausgangsposition bereits in den ersten Minuten verspielt. Genauer gesagt: nach wenigen Sekunden. Nach einem bereits geklärten Eckball flog der Ball noch einmal in den Strafraum der Stuttgarter. Der Kopfball von Kevin Behrens klatschte an die Latte, Aziz Bouhaddouz staubte ab. Drin war der Ball, zurück lag der VfB – der erst einmal in dieser Saison einen Rückstand in einen Sieg hatte verwandeln können. Das war am dritten Spieltag gegen den FC St. Pauli. Und was passierte in Sandhausen?

Da kam es noch dicker für die Favoriten. Nach 24. Minuten waren die VfB-Akteure nach erneut nach einer SVS-Ecke nicht bei der Sache, Bouhaddouz nahm auch das zweite Geschenk an, und der VfB war erst mal bedient. „Wir waren einfach schläfrig“, schimpfte nach der Partie der Stuttgarter Trainer Tim Walter, „das hat was mit Aufmerksamkeit und Wachheit zu tun.“ Aufgewacht war zu diesem Zeitpunkt allenfalls Gomez. Der Stürmer des VfB hatte bereits in der zehnten Minute getroffen, wegen einer knappen Abseitsstellung zählte sein Tor nach Überprüfung durch den Videoschiedsrichter jedoch nicht. Das Kuriose dieses Tages: Dieses Schicksal ereilte Gomez noch zwei weitere Male. „Es ist bitter, wenn du vier Tore erzielst und verlierst“, klagte der ehemalige Nationalspieler. Den angesprochenen vierten Treffer hatte der eingewechselte Silas Wamangituka beigesteuert – per Handelfmeter, allerdings erst in der 90. Minute.

Fünf Niederlagen aus den vergangenen sieben Spielen lautet nun die ernüchternde Herbstbilanz des VfB, der neben den aberkannten Gomez-Toren vor allem nach der Pause nicht viel Zwingendes zustande gebracht hatte. In Verbindung mit den frühen Gegentoren ergibt dies immer wieder eine gefährliche Mischung, die das Saisonziel der Weiß-Roten mehr und mehr gefährdet. Für begeisternd gedrehte Spiele fehlt dem VfB derzeit einfach der Funken Esprit im dominanten Angriffsspiel, fehlen die genialen Momente, mangelt es an Überraschungen und Konsequenz, da gerade im Mittelfeld all dies nicht entsteht.

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