Der VfB zeigte sich zuletzt anfällig bei ruhenden Bällen. Der Cheftrainer übt klare Kritik am Defensivverhalten – mahnt aber auch eine nicht zu einseitige Betrachtung der Thematik an.
Wenn Malik Fathi seinen Sitzplatz auf der Trainerbank verlässt, dann meist aus einem bestimmten Grund: Eine Standardsituation steht an – für diese nämlich ist der Co-Trainer des VfB Stuttgart explizit zuständig, offensiv wie defensiv. Zuletzt beim Auswärtsspiel bei Union Berlin (4:4) half aber alles Gestikulieren und Coachen von außen nichts – drei der vier Stuttgarter Gegentore an diesem Abend resultierten aus Standards. Zweimal trafen die Köpenicker infolge eines Freistoßes, einmal nach einer Ecke.
Nun ist Union natürlich für seine Stärke bei diesen Situationen bekannt, das gehört auch aus Sicht des Stuttgarter Cheftrainers zur Gesamtbetrachtung. „Union ist eine Mannschaft“, sagt Sebastian Hoeneß, „die mehr denn je versucht, über Standards das Spiel in ihre Richtung zu lenken.“ Schütze Christopher Trimmel trete die Bälle sehr gut, dazu sei das Team von Steffen Baumgart groß und körperlich stark: „Sicher auch einen Tick größer und körperlich stärker, als wir es waren. Dass du da nicht alles problemlos wegverteidigst, ist okay.“
Jeff Chabot zuletzt nach Ecken erfolgreich
Das große Aber an dieser Stelle: Drei Gegentore sind dennoch deutlich zu viel, auch für Hoeneß’ Geschmack. „Die Standards haben wir in diesem Spiel nicht gut verteidigt. Darüber haben wir ganz klar gesprochen und uns angeschaut. Da haben wir jetzt den Finger nochmals besonders in die Wunde gelegt.“
Der Fokus dabei: noch mehr Entschlossenheit, gerade wenn der erste Ball noch nicht final aus der Gefahrenzone geklärt ist. Denn in Berlin fielen die Tore oft erst im zweiten oder dritten Versuch. „Du brauchst diesen Extra-Schuss Konsequenz und Disziplin, an deinem Mann bleiben – auch wenn es unübersichtlich wird, der Ball noch mal verlängert wird, die Richtung verändert“, fordert der VfB-Coach. „Das ist dann der Moment, in dem sich Spieler auch wegstehlen, da müssen wir bei den Männern bleiben.“ Und das sei auch als körperlich leicht unterlegene Mannschaft möglich.
Zugleich aber war ja bei Standards nicht alles schlecht in der Hauptstadt: Der aufgerückte Innenverteidiger Jeff Chabot hatte nach einem Eckball zum zwischenzeitlichen 3:3-Ausgleich getroffen – und übrigens zwei Wochen zuvor im Auswärtsspiel beim VfL Bochum ebenfalls nach einem Standard einen Treffer erzielt. Ihm gehe es deshalb auch um die Balance in der Gesamtbetrachtung, so Hoeneß: „Wir wissen, dass wir es besser verteidigen müssen. Aber wir sind auch mittlerweile selbst gefährlich in der Offensive.“
An diesem Freitag (20.30 Uhr/Liveticker) gegen den 1. FC Heidenheim hat der VfB das nächste Mal die Möglichkeit, das unter Beweis zu stellen – und zugleich seine Defensive zu stabilisieren. Zwar ist das Team von Frank Schmidt nach den Abgängen von Vorlagengeber Jan-Niklas Beste und Stürmer Tim Kleindienst im vergangenen Sommer nicht mehr ganz so häufig erfolgreich nach ruhenden Bällen – sie gehören aber weiter fest zum offensiven Repertoire des Abstiegskandidaten.