Sucht seine Topform: Deniz Undav. Foto: Pressefoto Baumann/Hansjürgen Britsch

Der Stürmer tut sich gegen den FC Augsburg wie schon in den vergangenen Wochen schwer, feiert aber ein wichtiges Erfolgserlebnis – und steht damit sinnbildlich für die Lage beim VfB.

Siegtorschützen stehen fast immer im Fokus, das liegt in der Natur der Sache. Also war auch Deniz Undav ein gefragter Mann nach dem 1:0 des VfB Stuttgart im DFB-Pokal gegen den FC Augsburg. Von Interview zu Interview schritt der Stürmer, nahm Glückwünsche entgegen und sprach über die spielentscheidende 30. Minute, in der er den Ball gegen die Laufrichtung von FCA-Torhüter Nediljko Labrovic ins Tor eingeschoben hatte. Es ging an den Mikrofonen aber auch um andere Dinge. Ballverluste, Unsauberkeiten, Mühen.

„Geht so“ erwiderte der Stuttgarter Stürmer umgehend, als sein persönlicher Blick auf die eigene Leistung zur Sprache kam. Richtig zufrieden mit sich war Undav nicht – und genau genommen befindet sich der 28-Jährige schon seit einigen Wochen auf der Suche nach der absoluten Topform. Seine Einbindung in die Angriffsabläufe des VfB war schon mal größer, die Zahl seiner unbedrängten Abspielfehler schon mal geringer.

„Mental und körperlich anspruchsvolle“ Ausgangslage

Das fällt natürlich auch deshalb besonders auf, weil Undav seinen Wert für den VfB in der Vergangenheit schon oft unter Beweis gestellt hat. In seinen besten Momenten sprüht er vor Spielwitz, kann Überraschendes initiieren und Gefahr erzeugen durch den richtigen Torriecher. Der kam nun im Pokal mal wieder zum Tragen – und der Glaube schwingt schon mit, dass mit dem Erfolgserlebnis auch das eigene Spiel wieder ein besseres wird. „Vielleicht gibt das Tor Selbstvertrauen“, sagt Undav, „der Kopf entscheidet alles.“

In der Schlussphase des Pokalspiels machte Deniz Undav (links) für Enzo Millot Platz. Foto: Pressefoto Baumann/Julia Rahn

Ein Stück weit spiegelt die Lage des Publikumslieblings damit jene der gesamten Mannschaft: Einerseits hat der VfB nach zuletzt drei Niederlagen in Serie den Negativtrend gestoppt und wieder ein wichtiges Erfolgserlebnis gefeiert, andererseits ist das Team von Sebastian Hoeneß mit weniger fußballerischer Leichtigkeit unterwegs als in vergangenen Phasen der Saison. Auch gegen die Augsburger prägten viele Zweikämpfe das Spiel, hatte gegen Ende der hohe Ball in der Spieleröffnung Konjunktur, war das Kombinationsspiel nicht immer flüssig. Zum ernsthaften Kandidaten für einen Schönheitspreis machte das alles die Partie mitnichten.

Nur: Einen solchen will der Trainer in diesen Tagen auch gar nicht gewinnen. Der Fokus habe stark auf Stabilität, Kontrolle und Verteidigen gelegen, betonte Hoeneß. „Und darum, das Spiel und unsere Verfassung so zu nehmen, wie sie ist.“ Denn die Ausgangslage vor dem Pokalspiel sei „mental und körperlich anspruchsvoll“ gewesen. Mental, klar, aufgrund der vorherigen drei Pflichtspiel-Niederlagen in Folge und deren Einfluss auf die Psyche. „Vielleicht“, so Hoeneß, „fehlt gerade das Selbstverständnis in der einen oder anderen Situation.“

Vorerst keine englischen Wochen mehr

Auch physisch ist der VfB seit Wochen gefordert, das Spiel gegen den FCA war das achte binnen 24 Tagen – eine Taktung, mit der die Stuttgarter in dieser Saison erstmals seit Jahren ihre Erfahrungen machen und die ihren Tribut in puncto Spritzigkeit fordert. Die Terminhatz wird nun aber aufgrund des Ausscheidens in der Champions League enden. Bis zur nächsten Länderspielpause Mitte März heißt es für den VfB: ein Bundesliga-Spiel jedes Wochenende, mehr nicht – was wiederum die Zeit für Übungseinheiten unter der Woche erhöhen wird und einen Unterschied zur Lage bei der Konkurrenz im Kampf um die internationalen Plätze bildet. Borussia Dortmund und Eintracht Frankfurt zum Beispiel sind in dieser Zeit jeweils mindestens zweimal im Europapokal gefordert.

Hoeneß kann dem Ganzen deshalb einiges abgewinnen, auch wenn er natürlich gerne in der Königsklasse im Wettbewerb geblieben wäre. „Hin und wieder trainiert man auch gerne, um Dinge zu entwickeln und sich in eine gute körperliche und taktische Verfassung zu bringen“, sagt der Stuttgarter Trainer. „Jetzt haben wir mal wieder den normalen Rhythmus ab nächster Woche, darauf freuen wir uns auch.“

In diese Phase geht der VfB nun mit dem Pokal-Rückenwind, weshalb sich die Bedeutung des Sieges am Dienstagabend nicht auf den Halbfinal-Einzug beschränkt. „Das Weiterkommen war auch für die Überzeugung für die nächsten Wochen sehr wichtig“, betont auch der Stuttgarter Sportvorstand Fabian Wohlgemuth. Man habe einiges an zuvor eingebüßtem Selbstvertrauen zurückgewonnen.

Das wird der VfB auch brauchen für die nächste Aufgabe. An diesem Samstag (15.30 Uhr) geht es zu Borussia Dortmund – ein Gegner, der im Pokal schon ausgeschieden war und entsprechend ausgeruht in die Partie geht. Und vor allem eine Mannschaft, die im ersten Spiel des neuen Trainers Niko Kovac vor den eigenen Fans das oft bescheinigte und selten gezeigte Potenzial auf den Platz bringen möchte. Vieles spricht für einen Nachmittag, an dem vom VfB erneut erst einmal Gegenwehr und Stabilität gefragt sein werden. „Wir müssen in der Bundesliga weitermachen, wo wir im Pokal aufgehört haben“, fordert Undav. In seinem ganz persönlichen Fall würde das ja zumindest schon einmal einen erneuten Stuttgarter Torerfolg bedeuten.