Zum Jahresauftakt gegen den 1. FSV Mainz 05? Das gab es für Bruno Labbadia als Trainer des VfB Stuttgart schon einmal. Wie war das im Januar 2011?
Das Trainingslager in der Türkei war gerade zu Ende, der Rückrundenauftakt stand an, und der VfB Stuttgart hatte wahrlich sportliche Sorgen. Doch auch andere Probleme. Zum Beispiel mit einem Weltmeister, der nicht mehr bei den Weiß-Roten bleiben wollte. Der Spieler meinte: „Für den VfB und für mich wäre es die beste Lösung, wenn wir uns wieder trennen würden.“ Der damalige Trainer sagte: „Er hat spielerische Stärken, die er in einer funktionierenden Mannschaft besser zum Tragen bringen könnte. Wir stecken allerdings im Abstiegskampf – da sind andere Tugenden gefragt.“
Wenige Tage später kickte der VfB Stuttgart gegen den 1. FSV Mainz 05 – mit dem Trainer Bruno Labbadia. Und Mauro Camoranesi verließ kurz darauf tatsächlich den Club. Er schloss sich dem Club Atlético Lanús in Argentinien an.
Das Kapitel Mauro Camoranesi ist als nicht ganz billiges Missverständnis in die VfB-Historie eingegangen – aber so gut wie vergessen. Präsent wie damals dagegen sind: Bruno Labbadia und der 1. FSV Mainz 05. Wie damals bestreiten die Stuttgarter in Abstiegsgefahr das erste Spiel des Jahres am Samstag (15.30 Uhr) gegen diesen Gegner.
14 Punkte hat der VfB derzeit auf seinem Konto – und den Vorteil, dass erst 15 von 34 Spieltagen der laufenden Saison absolviert sind. Im Januar 2011 war die Lage noch bedrohlicher. Nach der Hinrunde stand das Team mit gerade einmal zwölf Zählern da. Auf Christian Gross war Jens Keller gefolgt, im Dezember übernahm dann Bruno Labbadia und startete mit zwei Niederlagen (Liga und Pokal) gegen den FC Bayern. Um dann gegen die Mainzer ein erstes Erfolgserlebnis als VfB-Trainer zu feiern.
Martin Harnik trifft als Joker
Zwei, die damals dabei waren, sahen sich kürzlich im Trainingslager des VfB in Marbella: Christian Gentner, der nun Leiter der Lizenzspielerabteilung ist bei den Stuttgartern. Und Arthur Boka, der mittlerweile unweit von Marbella in Malaga lebt. Mit ihnen standen am 15. Januar 2011 zunächst noch Sven Ulreich, Serdar Tasci, Matthieu Delpierre, Patrick Funk, Christian Träsch, Zdravko Kuzmanovic, Cristian Molinaro, Cacau und Pawel Pogrebnjak auf dem Feld. Am 1:0-Erfolg hatten dann aber auch die eingewechselten Timo Gebhardt und Martin Harnik ihren Anteil. Gebhardt bereitete vor, Harnik traf – „Labbadia wechselt den Erfolg ein“, lautete eine der gängigen Schlagzeilen. Der Innenverteidiger Georg Niedermeier half als Einwechselspieler in den Schlussminuten, die Führung über die Zeit zu retten.
„Meine Mannschaft hat gefightet“, sagte Bruno Labbadia damals, „und die taktische Disziplin hat bei uns gestimmt. Das haben wir gebraucht.“ Fredi Bobic, seinerzeit Sportdirektor des VfB, nannte den Sieg „unheimlich wichtig für die Moral“. Doch er hatte auch eine Warnung parat: „Es wird ein langer Kampf werden.“ Der erfolgreich endete.
Der VfB sammelte nach diesem 1:0 gegen die Mainzer regelmäßig Punkte und war schon zwei Spieltage vor Saisonende gerettet. Am Ende hatte Labbadia in seiner ersten Saison beim VfB 30 Punkte in der Rückrunde gesammelt und Platz zwölf erreicht. Eine Bilanz, die auch 2023 wohl jeder an der Mercedesstraße sofort unterschreiben würde.
Zwei Auftaktniederlagen gegen Mainz 05
Seit dem damaligen Erfolg 2011 hat der VfB mit einem Jahresauftakt gegen die Mainzer allerdings weit weniger gute Erfahrungen gesammelt. Im Januar 2014 führten die Stuttgarter zwar schnell 1:0 durch Mohammed Abdellaoue, die Mainzer allerdings schlugen zurück – nach Treffern von Shinji Okazaki und Benedikt Saller siegten die Gäste noch 2:1. Trainer damals war Thomas Schneider – der Ende August 2013 das Team von Labbadia übernommen hatte. Und der noch vor Saisonende wieder weichen musste. Huub Stevens sicherte am Ende den Klassenverbleib.
Für den reichte es 2019 nicht mehr. Damals unterlag der VfB unter Markus Weinzierl dem 1. FSV Mainz 05 im Januar mit 2:3, die Treffer von Nicolas Gonzalez und Marc Kempf waren zu spät gelungen. Wenig später musste Sportvorstand Michael Reschke gehen, zwei Monate danach auch Weinzierl. Jugendcoach Nico Willig sprang ein, erreichte noch die Relegation. Dort scheiterte der VfB dann am 1. FC Union Berlin.
So weit soll es im Jahr 2023 nicht kommen. Bruno Labbadia steht mit dem VfB aktuell zwar auf dem Relegationsplatz 16, peilt aber den direkten Klassenverbleib an. Die Partie gegen den 1. FSV Mainz 05 soll der Auftakt positiver Monate werden. Wie damals, im Januar 2011 – als Mauro Camoranesi noch beim VfB kickte.