Abgezockt: Mario Gomez erzielt kurz nach seiner Einwechslung das 3:0 für den VfB. Foto: Baumann - Baumann

Marc Oliver Kempf, Nicolas Gonzalez und Mario Gomez sorgen für die Tore.

StuttgartWenn man sich ein Fußballspiel malen könnte, es hätte viel von dieser Partie des VfB Stuttgart gegen den 1. FC Heidenheim. Und wenn man sich eine Szene aussuchen dürfte, warum nicht die in der 86. Minute des ersten Pflichtspiel des Jahres für den Aufstiegsaspiranten aus Bad Cannstatt. Mario Gomez, der Stürmerstar des VfB, war gerade eingewechselt worden. Nicht mal zwei Minuten stand er auf dem Platz, da lief Philipp Förster, sein Teamkollege, mit dem Ball am Fuß in den Heidenheimer Strafraum. Im Augenwinkel erspähte er seinen Mitspieler, Förster passte, Gomez kam an den Ball, ließ zwei Gäste-Spieler ins Leere rutschen und schob lässig ein – der Rest war Jubel pur.

„3:0 gegen die beste Defensive der Liga zu gewinnen ist schon gut“, freute sich Sven Mislintat, der Stuttgarter Sportdirektor, als der Abpfiff ertönt und der Haken hinter den Auftakt gesetzt war. Die Fans sangen: „Wenn du mich fragst, wer Meister wird . . .“ Das ist die Hymne auf der Aufstiegssaison 2016/2017 – als der VfB als Erster der 2. Bundesliga ins Oberhaus zurückgekehrt war. So soll auch diese Spielzeit enden – und das 3:0 gegen den 1. FC Heidenheim war ein schöner Start in die restlichen 16 Spiele, die bis zum Mai noch anstanden. 15 sind es nun noch, der Weg zum erneuten Aufstieg ist weit, doch eines ist dem VfB schon geglückt: ein Traumdebüt des neuen Trainers.

Am Tag vor Weihnachten hatte Tim Walter gehen müssen. Das erste Experiment der Saison war beendet, das nächste ist seit Anfang Januar in vollem Gange – mit Pellegrino Matarazzo auf der Kommandobrücke. Ein als Chefcoach unerfahrener Trainer im Profibereich. Sachlich, souverän und überlegt hatte sich der Italoamerikaner bislang präsentiert, die Ungewissheit war dennoch groß vor dem ersten echten Härtetest des Jahres gegen den bis dato Tabellenvierten der zweiten Liga. Bringt der VfB endlich all seine individuelle Klasse auf den Rasen? Absolut!

So lautete das Fazit nach der ersten Hälfte der Partie gegen das eingespielte Team von der Ostalb. Der VfB, wie erwartet mit einer Dreierkette in der Defensive, mit Atakan Karazor im Abwehrzentrum, zwei Sechsern und einer Spitze angetreten, dominierte die Partie vom Start weg. Das Team versuchte schnell umzuschalten und mit vertikalen Pässen Tempo in die Angriffe zu bekommen. Das gelang nicht immer, die Chancen mehrten sich aber im Laufe der ersten Hälfte. „Wir sind schon etwas weiter, als ich gedacht habe“, sagte Matarazzo, dem auch die kollektive Defensivarbeit gefiel. Der Knoten platzte dann nach einer Standardsituation.

Gomez macht alles klar

Daniel Didavi passte einen Eckball auf Marc Oliver Kempf, der spielte zunächst den Ball zurück auf den Spielmacher – und erreichte dessen folgende Flanke mit dem Kopf. Heidenheims Keeper Kevin Müller parierte diesen Versuch noch, bei Kempfs Nachschuss aber war er machtlos: 1:0 in der 32. Minute. Und nach der Pause schien es genauso weiterzugehen.

Die erste Chance hatte jedenfalls wieder der VfB, Didavi aber vergab – und dann entschieden sich die Heidenheimer, doch ihre Chancen zu suchen. Das Team von Trainer Frank Schmidt attackierte früher, wirkte entschlossener und zielstrebiger als im ersten Durchgang – und plötzlich hatte der VfB so seine liebe Mühe, die Kontrolle zu behalten. Eine verpasste Flanke, ein Schuss, ein Kopfball: Es war was los im Stuttgarter Strafraum. Doch der Treffer fiel auf der anderen Seite. Borna Sosa war für Didavi ins Spiel gekommen. Kurz nach seiner Einwechslung zirkelte der Kroate eine Flanke in Richtung des starken Nicolas Gonzalez. Der Argentinier sprang ab, erwischte den Ball goldrichtig – und sorgte mit einem Treffer aus sieben Metern für die Vorentscheidung in der 75. Minute. Mario Gomez machte später alles klar, weshalb der VfB nun erst einmal durchatmen kann. Wenn auch nicht lange.

Da sich das Team in der Hinrunde bereits fünf Niederlagen eingefangen hat, sind kaum mehr Ausrutscher erlaubt im Fortgang dieser Rückrunde. Am Samstag (13 Uhr) steht beim FC St. Pauli schon die nächste Prüfung an. Für den VfB – und für Pellegrino Matarazzo. Der neue Coach, der während der Partie eher zurückhaltend gecoacht und auch die Treffer nicht emotional gefeiert hatte, genoss am Ende dieses gelungenen Mittwochabends den Jubel der Fans vor der Cannstatter Kurve. „Es war emotional und intensiv“, sagte Matarazzo. Es hatte den Anschein, als ob er sich daran gewöhnen könnte.

Statistik

VfB Stuttgart: Kobel – Stenzel, Phillips, Karazor, Kempf – Mangala, Endo – Didavi (73. Sosa) – Förster (87. Massimo), Al Ghaddioui, Gonzalez (84. Gomez).

1. FC Heidenheim: Müller – Busch, Mainka, Hüsing, Theuerkauf – Dorsch – Schnatterer (71. Föhrenbach), Leipertz, Kerschbaumer, Mohr (71. Schimmer) – Kleindienst (78. Otto).

Schiedsrichter: Badstübner (Windsbach).

Zuschauer: 52 585.

Tore: 1:0 Kempf (32.), 2:0 Gonzalez (76.), 3:0 Gomez (86.).

Gelbe Karten: Karazor (3), Endo (3) / Kleindienst (4).

Beste Spieler: Kempf, Gonzalez / Kleindienst.

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