Weil die Relegation unter Umständen entfällt, ist die Mannschaft von VfB-Coach Pellegrino Matarazzo in den verbleibenden neun Spielen noch stärker gefordert. Wer schafft es in die Startelf?
Stuttgart - Das Votum war eindeutig. Sämtliche 36 Clubs der ersten und zweiten Liga haben sich vor Wochen für die Fortführung des Spielbetriebs ausgesprochen. Also auch der VfB Stuttgart. Die wirtschaftlichen Zwänge obsiegten gegenüber denkbaren sportlichen Erwägungen. Rein aus Wettbewerbssicht hätte sich der Zweitligist ja damals durchaus für einen sofortigen Abbruch nach den bisher gespielten 25 Partien aussprechen können. Als Tabellenzweiter wäre der VfB sicher aufgestiegen.
Das tat er nicht, dabei in die eigene Stärke vertrauend. Auf dass der Aufstieg rein sportlich gelingen möge – nach vollumfänglichen 34 Spieltagen. Und man sich im kommenden Jahr nicht in einem aufgestockten Erstligafeld mit einer größeren Zahl von Absteigern beweisen muss.
Was passiert bei einem Abbruch der Saison?
Diese Option schien durch die Fortsetzung des Spielbetriebs zunächst vom Tisch, scheint plötzlich aber zumindest wieder denkbar. In einem Notfallplan für einen notwendig werdenden Saisonabbruch hatte sich die Deutsche Fußball Liga (DFL) auf zwei feste Ab- und Aufsteiger in den ersten beiden Ligen festgelegt, ohne Aufstockung der Bundesliga. Ursprünglich sollte am Donnerstag darüber abgestimmt werden. Nachdem am Mittwoch Uneinigkeit zwischen den Clubs herrschte, wurde die Abstimmung auf kommende Woche vertagt. Wer weiß, mit welchem Ergebnis.
Sollte aber der DFL-Plan wie gewünscht durchgehen, würde der Flaschenhals in Richtung Bundesliga enger. Die Relegation gegen den Bundesliga-16. entfiele im Fall eines Abbruchs, der angesichts der jüngsten Testergebnisse in Dresden alles andere als unmöglich erscheint. Bei nur einem Punkt Vorsprung auf den aktuellen Relegationsteilnehmer, den Hamburger SV, ist die Mannschaft von Pellegrino Matarazzo vom ersten Spiel an gefordert. „Unser Ziel muss sein, den zweiten Platz zu verteidigen“, sagt Sportdirektor Sven Mislintat.
Lesen Sie hier: Die Stuttgarter Fußballwelt unter der Käseglocke
Matarazzo hat deshalb die „Final-Wochen“ ausgerufen. Vor dem Auftakt am Sonntag (13.30 Uhr) beim SV Wehen Wiesbaden sagt der VfB-Trainer: „Wir müssen jedes Spiel wie ein Endspiel angehen. Die Spieler sind hungrig und heiß aufs erste Spiel.“ Der hohe Wettbewerbsdruck färbt auf die Mannschaft ab. Der Konkurrenzkampf ist in vollem Gange – von vorne bis hinten. Gesetzt ist eigentlich nur Torhüter Gregor Kobel. Bereits in der Abwehr steht Matarazzo vor einem komplizierten Personal-Puzzle. Bis auf Maxime Awoudja, der sich die Achillessehne gerissen hat, den schon länger am Knie verletzten Borna Sosa und Talent Lilian Egloff (Abschlussprüfungen) kann der Coach aus dem Vollen schöpfen. Inklusive der Rückkehrer Marcin Kaminski und Marc Oliver Kempf, von denen zumindest der Kapitän einen Platz in der Startelf beanspruchen dürfte. Fragt sich nur wo: Im Zentrum oder als Linksverteidiger?
Kapitän Kempf kehrt zurück
Vieles spricht gegen den Tabellen-16. für eine Dreier- beziehungsweise Fünferkette. Der offensive Ansatz hätte ein Übergewicht im Mittelfeld zur Folge, was aber nicht das komplette Anspruchsdenken im Stuttgarter Kader befriedigen kann. Als gesetzt gelten eigentlich nur Wataru Endo, Daniel Didavi und Orel Mangala. Im Sturm darf sich niemand sicher sein – weder Mario Gomez noch Silas Wamangituka oder Nicolas Gonzalez. Der Langzeitverletzte Sasa Kalajdzic kommt als Option für einen Bankplatz hinzu. Bei künftig fünf erlaubten Einwechslungen könnte die Stunde des Angreifers vielleicht schon bald schlagen.
„Wir haben sehr viele Optionen“, lässt sich der rotierfreudige Matarazzo kein bisschen in die Karten blicken. Weshalb am Mittwochnachmittag auch nicht nach außen drang, wer welche Positionen bei der mannschaftsinternen Generalprobe bekleidete. In der Mercedes-Benz-Arena probte die A- gegen die B-Elf den Geisterspiel-Ernstfall.
Acht Wochen nach dem letzten Spiel
Der Vermutung, der Coach orientiere sich bei seiner Wunschelf gegen Wiesbaden am acht Wochen zurückliegenden letzten Auftritt gegen Arminia Bielefeld (1:1), widersprach Matarazzo: „Ich habe eher die Leistungen aller Spiele der Rückrunde im Blick.“ Zulange ruht schon der Spielbetrieb, als dass der Trainer sich nur an dem einen Auftritt orientieren möchte.
Die Uhren sind also fast wieder auf Null gestellt beim VfB. Die Saison, sie geht im Prinzip von Neuem los.