Am Ende reicht es für Waldemar Anton und Marc Kempf (v.li.) gegen Borussia Dortmund nicht zu einem Unentschieden. Foto: Baumann

2:3 verliert der VfB Stuttgart gegen Borussia Dortmund, obwohl er besonders in der Defensive eigentlich ein gutes Spiel macht. Doch kleinste Schwächen werden gnadenlos bestraft.

Stuttgart - Am Ende versuchte Gregor Kobel, dieser unterhaltsamen Partie noch ein fulminantes Finish zu verpassen. Der Torhüter stürmte beim letzten hohen Ball mit nach vorne – allein, es half nichts. Der VfB Stuttgart musste sich Borussia Dortmund mit 2:3 (1:0) geschlagen geben. Nach drei Heimsiegen in Folge verließ der Aufsteiger den Rasen der heimischen Arena unter den Augen von Bundestrainer Joachim Löw erstmals wieder als Verlierer. Grämen musste sich im Lager der Weiß-Roten aber niemand, hatte er dem Viertelfinalisten der Champions League doch einen großen Kampf geliefert.

So sah es auch Torschütze Sasa Kalajdzic. „Wir haben kein schlechtes Spiel gegen einen guten Gegner gemacht. Ich denke, ein Punkt wäre verdient gewesen.“ Abwehrmann Waldemar Anton ergänzte. „Defensiv haben wir eigentlich eine super Leistung geboten. Aber dann kassieren wir die Tore zu einfach. Das müssen wir uns ankreiden.“

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Ohne vier Stammkräfte war der VfB in die Partie gestartet. Der Ausfall des Trios Silas Wamangituka, Nicolas Gonzalez und Orel Mangala war schon länger klar. Kurz vor dem Spiel musste dann auch Gonzalo Castro passen: Muskuläre Probleme. „Wäre es ein Finale gewesen, hätte er gespielt“, erklärte Trainer Pellegrino Matarazzo. So aber wollte keiner ein Risiko eingehen. Schließlich steht sportlich in dieser Saison nicht mehr besonders viel auf dem Spiel.

Entsprechend unbeschwert startete der Aufsteiger ins Spiel, mit Atakan Karazor statt Castro im defensiven Mittelfeld. Und rief bei seinen Fans gleich ein Déjà-vu-Erlebnis hervor: Nach einem langen Ball von Borna Sosa köpfte Sasa Kalajdzic den Ball per Bogenlampe über Torhüter Marwin Hitz ins lange Eck (17.). Fast eine Kopie von Kalajdzics Kopfball-Treffer vor wenigen Wochen gegen den FC Schalke. „Es ist einfach ein überragender linker Fuß, der mich da immer füttert“, lobte der Torschütze seinen Vorlagengeber.

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Trotz der Führung lief der VfB den Gästen, die unter der Woche ein schweres Auswärtsspiel in der Champions League bei Manchester City bestritten hatten, meist hinterher. Die Borussia zog mit viel Wut im Bauch einen Angriff nach dem anderen auf das Tor von Kobel auf. Gewillt, nicht nur die unglückliche Niederlage in England vergessen zu machen, sondern vor allem die Schmach aus dem Hinspiel. Im Dezember hatte der VfB die Dortmunder in deren Stadion beim 5:1 vorgeführt.

„In Hinrunde hatten wir einen Sahnetag erwischt“, sagte Matarazzo nun. „Mir war schon klar, dass es nicht noch einmal so laufen wird.“ So kam es dann auch. Nach dem Seitenwechsel drehten die Schwarz-Gelben binnen fünf Minuten das Spiel. Jude Bellingham (47.) und Marco Reus (52.) vollendeten den Dortmunder Tempofußball mit einem Doppelschlag. Auch wenn es nicht leicht zu verteidigen war: „Das darf so nicht passieren“, kritisierte Anton, der wie seine Kollegen eine Hälfte lang stark verteidigt hatte.

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Plötzlich war der VfB gefordert, mehr zu tun. Der eingewechselte Daniel Didavi avancierte zum Dreh- und Angelpunkt des bis dahin oft überhasteten und ungenauen Angriffsspiels. Eine starke Vorlage des Routiniers ließ Tanguy Coulibaly noch kläglich liegen (67.), dann schlug Didavi selbst zu. Coulibaly machte seinen Fauxpas durch ein gutes Zuspiel wett, der Eingewechselte blieb frei vor Hitz cool und schob zum 2:2 ein (78.).

Doch die Freude währte nur kurz. Nur zwei Minuten später ließ Ansgar Knauff die VfB-Verteidigung schlecht aussehen. Auf engstem Raum dribbelte sich der 19-Jährige durch und überwand Kobel mit einem Schlenzer ins lange Eck – 3:2. „Das hat er natürlich gut gemacht“, lobte Anton die Einzelaktion. „Aber er darf nicht an zwei vorbeikommen.“

„Wir haben alles investiert“

Matarazzos Mannen versuchten es noch einmal mit dem letzten Offensiv-Aufgebot (unter anderen den eingewechselten Erik Thommy und Philipp Klement). Es sollte nichts helfen. An diesem Abend war der Tabellen-Fünfte einen Tick zu stark. „Wir müssen uns nicht schämen“, bilanzierte Matarazzo den wilden Ritt nach 90 Minuten „Wir haben bis zum Schluss alles investiert, gekämpft und auch an das Unentschieden geglaubt. Leider hat es nicht gereicht.“

Wie zuvor schon in München (0:4) oder in Leverkusen (2:5) bekommt die junge Mannschaft von den Top-Teams der Liga regelmäßig ihre Grenzen aufgezeigt. Die Saison wird ein weiterer, stetiger Lernprozess werden, schließlich stehen auch noch die Duelle mit den Hochkarätern aus Leipzig und Wolfsburg auf dem Programm. Und das ohne Wamangituka und Co. Sasa Kalajdzic sieht’s positiv: „Wir haben gute Spieler in der zweiten Reihe. Ich habe damals auch meine Chance genutzt, als sich einer verletzt hat.“

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