Sebastian Hoeneß und der VfB streben am Samstag drei Punkte gegen den VfL Wolfsburg an. Foto: Pressefoto Baumann/Volker Müller

Bis Sommer treten die Stuttgarter nur noch einmal unter der Woche an. Das eröffnet neue Möglichkeiten – und kann in einigen Partien besonders zum Faktor werden.

Es ist ein ungewohntes Gefühl, mit dem sich der VfB Stuttgart auf sein Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg am Samstag (15.30 Uhr) vorbereitet. Ohne Stress, Zeitdruck, Abendtermine. Nach zuletzt neun Pflichtspielen in 28 Tagen ist die ganz große Hektik gewichen – und das wird auch erst einmal so bleiben, nachdem das Team von Sebastian Hoeneß aufgrund des Ausscheidens aus der Champions League nicht mehr international vertreten ist.

Genau eine englische Woche steht bis Saisonende noch auf dem Programm durch das Halbfinale im DFB-Pokal, das am 1. oder 2. April an einem Dienstag oder Mittwoch stattfindet. Ansonsten treten die Stuttgarter nur noch an Wochenenden an, was es in dieser Spielzeit noch nicht so oft gab: Vor lediglich vier der bisherigen 21 Bundesligaspiele hatte der VfB eine volle Trainingswoche zur Vorbereitung – lässt man die Partien direkt nach den Länderspielpausen mal außen vor, vor denen viele Nationalspieler ja immer erst auf den letzten Drücker wieder in Bad Cannstatt einlaufen. Von einer neuen Saisonphase zu sprechen, ist beim Blick auf diesen Vorher-Nachher-Unterschied keine Übertreibung. Woran sich die Frage anschließt: Wie wirkt sich das Ganze aus?

Mehrere VfB-Konkurrenten sind noch international gefordert

Nun ist natürlich niemand froh über das Aus in der Königsklasse, das Erreichen der Play-offs war das große und erklärte Ziel. Zugleich aber eröffnet die neu gewonnene Zeit auch Möglichkeiten. „Natürlich kann das auch mit Blick auf die verbleibende Saison ein Vorteil sein“, sagt VfB-Sportvorstand Fabian Wohlgemuth zur fortan veränderten Spielvorbereitung.

Wo zuvor Videoanalysen und Regenerationseinheiten auf der Massagebank die wenigen Tage zwischen den Spielen bestimmten, können nun auf dem Trainingsplatz unter anderem die Offensivabläufe wieder verinnerlicht werden, die in der Vorsaison einen fast schon selbstverständlichen Automatismus bildeten. „Ich möchte“, sagt auch Hoeneß, „dass wir die Zeit gleich nutzen und uns Selbstverständnisse wieder erarbeiten.“

Durch das Aus in der Champions League haben Enzo Millot (rechts, gegen Paris-Profi Achraf Hakimi) und der VfB wieder mehr Zeit zum trainieren. Foto: Pressefoto Baumann/Volker Müller

Auch Frische und Spritzigkeit waren zuletzt Themen beim VfB. „Das zehrt“, sagte der Stuttgarter Trainer unlängst zur Mehrfachbelastung – und betonte, dass das Ganze mitnichten ein VfB-Spezifikum sei. Er habe das ebenfalls bei Konkurrenten wie Eintracht Frankfurt beobachtet: „Auch da ist es wahrscheinlich so, dass sich das irgendwo bemerkbar macht. Das ist normal und menschlich.“ Anders als beim VfB wird diese Phase für die Hessen noch anhalten, die im Achtelfinale der Europa League stehen.

Mit Borussia Dortmund ist ein weiterer Stuttgarter Rivale um die internationalen Bundesliga-Startplätze noch auf europäischer Bühne gefordert. Und sonst? Bayer Leverkusen stellt zwar mit elf Punkten Vorsprung alles andere als einen unmittelbaren VfB-Konkurrenten dar, blickt aber auf ein herausforderndes Spiel in Bad Cannstatt am 16. März: Wenige Tage zuvor ist die Werkself im Achtelfinal-Rückspiel der Champions League gefordert, weshalb viel für Rotationsmaßnahmen im Anschluss spricht. Und dass diese in Leverkusen nicht mehr so selbstverständlich wie in der Vorsaison greifen, zeigte sich jüngst beim 0:0 gegen den VfL Wolfsburg am Samstag.

Eine volle Trainingswoche garantierte zuletzt keine Topleistung

Aber: Dass auf der Gegenseite der VfB durch die neu gewonnene Trainingszeit nicht automatisch im Vorteil ist, zeigt der Blick zurück auf die bisherige Saison. In den vier Spielen mit einer vollen Trainingswoche im Vorfeld glänzte das Hoeneß-Team längst nicht immer: Beim SC Freiburg (1:3) blieb man unter den eigenen Möglichkeiten, beim VfL Wolfsburg (2:2) mangelte es lange an offensiver Durchschlagskraft, gegen den FC St. Pauli (0:1) gab es eine unerwartete Heimniederlage und beim FC Augsburg (1:0) schließlich einen wichtigen, wenngleich glanzlosen Auswärtserfolg. Selbstredend spielten jeweils noch andere Faktoren als die körperliche Frische eine Rolle: Gegen die Freiburger befand sich der VfB zu Saisonbeginn in der Findungsphase, gegen St. Pauli war die Personallage durchaus angespannt.

Das ist nun anders, wenn der VfB am Samstag die Wolfsburger im wichtigen direkten Duell um die internationalen Plätze empfängt und den Gegner im Erfolgsfall auf acht Punkte distanzieren kann: Die Stuttgarter können variieren und rotieren, Hoeneß hat offensiv wie defensiv wieder Optionen. Und die Zeit, seine Spieler ausgiebig auf das Spiel vorzubereiten.