Das Abseitstor von Deniz Undav in Bremen wirft trotz des deutlichen 4:0-Sieges Fragen auf. Jetzt hat sich der Schiedsrichter-Sprecher des DFB geäußert.
Es hätte der Aufreger des Spiels werden können, hätte der VfB Stuttgart am Ende nicht klar mit 4:0 bei Werder Bremen gewonnen: Deniz Undavs vermeintliches Führungstor nach 23 Minuten. Hauchdünn stand der Angreifer im Abseits, erst nach Eingriff des Videoschiedsrichters (VAR) wurde die Millimeter-Entscheidung aufgelöst. Aber wurde sie das auch richtig?
Daran gab es hinterher große Zweifel – naturgemäß vor allem auf Stuttgarter Seite. In der für die TV-Zuschauer eingeblendeten Grafik zufolge war Undavs Schulter im Moment von Angelos Stillers Zuspiels einen Tick näher am gegnerischen Tor als die von Bremens Karim Coulibaly. Im Spiel war auch noch die Fußspitze von Amos Pieper – doch welches Körperteil war am Ende entscheidend?„Es fällt mir sehr schwer, da irgendwas zu erkennen“, sagte VfB-Coach Sebastian Hoeneß. Es war tatsächlich mal wieder eine sehr knifflige VAR-Entscheidung. Zu der am Montag auch der Deutsche Fußball Bund (DFB) Stellung bezogen hat.
Technologie soll verbessert werden
Auf Anfrage des „Kicker“ äußerte Alex Feuerherdt, Sprecher der DFB Schiedsrichter GmbH: „Die halbautomatische Abseitstechnologie hat eine Abseitsstellung erkannt und dem VAR als sogenanntes Event gemeldet. Angezeigt wird dem VAR dann das Bild mit den Abseitslinien, zusätzlich sind die relevanten Körperpartien der betreffenden Spieler mit einem Kreuz markiert.“ Im konkreten Fall die Schulterpartien von Undav und Coulibaly.
Diese Linien, so Feuerherdt weiter, generiere die Technik, nicht der Videoschiedsrichter persönlich. Dieser überprüfe anschließend noch einmal, ob das Ergebnis der halbautomatischen Technologie plausibel ist, sowohl hinsichtlich der Abseitslinien als auch in Bezug auf den Moment der Ballabgabe. Das Prinzip der halbautomatischen Technologie in Kurzform: Es zeigt drei sogenannte Frames, also verschiedene Bildausschnitte, vor dem automatisch bestimmten Abspielzeitpunkt an als auch drei Frames danach. In jedem dieser Ausschnitte sind die Abseitslinien eingezeichnet. Vor der Freigabe checkt noch einmal der Mann im Kölner Keller – im Fall des VfB in Bremen Guido Winkmann – ob das technische Resultat Sinn ergibt.
Wo genau wird die Linie angesetzt?
Ob plausibel oder nicht – wie so oft sorgte die Entscheidung, wo genau die Linie angesetzt wird, für Verwirrung. Feuerherdt dazu: „Wir sind uns bewusst, dass die grafische Darstellung vor allem bei sehr knappen Entscheidungen Fragen aufwirft.“ Laut dem Schiedsrichter-Sprecher arbeite der technische Dienstleister derzeit aber an einer Verbesserung der Darstellung.
Langfristig zielt der DFB auf eine vollautomatisierte Abseits-Erkennung mit Chip im Ball und zusätzlichen Kameras. Sie gilt als (im Prinzip) fehlerfrei. Die Technik kam bereits zum Einsatz, nicht aber in der Bundesliga. Bis es soweit ist, wird es weiter Diskussionen wie in Bremen geben.