Leonidas Stergiou gehört zum EM-Kader der Schweizer Nationalmannschaft. Foto: IMAGO/Langer/IMAGO/H. Langer

Der Abwehrspieler des VfB hat sich mit einer starken Bundesligarückrunde in den Schweizer EM-Kader gespielt – und ist nun glücklich, mit den Eidgenossen in Stuttgart zu residieren. Am Montag hat er sich nach dem Training im Gazistadion geäußert.

Dass auf der Waldau an einem Montagabend Sport getrieben wird, ist nichts Ungewöhnliches. So war es auch an diesem Montagabend. Beachvolleyball, Yoga, Klettern, Radfahren, Fußball – alles dabei, wie immer. Aber: Dass einigen Sportlern sowohl der Ministerpräsident von Baden-Württemberg als auch der Oberbürgermeister der Landeshauptstadt beim Kicken zusehen, ist dann doch eher außergewöhnlich. Aber der Anlass war ja auch entsprechend.

Am Montagnachmittag waren die Schweizer Nationalspieler unweit des Gazistadions am Waldhotel Degerloch angekommen, die Spieler bezogen ihre Zimmer – und am Abend stand dann in der Heimstätte der Stuttgarter Kickers die erste Trainingseinheit auf dem Programm. „Wir sind überglücklich, dass wir hier sein können“, sagte Murat Yakin und winkte den 3700 Zuschauern zu, „wir wurden sehr herzlich empfangen.“

Das ist einerseits kein Wunder, weil die Eidgenossen eigentlich immer gern gesehene Gäste im Land sind. Beim Nationalcoach der Schweizer war der warme Empfang noch ein bisschen verständlicher. Schließlich verbrachte Yakin einst ein Jahr seiner aktiven Karriere beim VfB Stuttgart. Bei jenem Club also, bei dem sich in den vergangenen Wochen ein anderer Schweizer für die Teilnahme an der Fußball-Europameisterschaft empfohlen hat.

„So ist es manchmal im Fußball“, sagte Leonidas Stergiou im Anschluss an die Trainingseinheit, „es kann sehr schnell gehen.“ Der Abwehrspieler fügte an: „So, wie bei mir.“ Nicht einmal ein Jahr ist es her, dass der 22-Jährige vom FC St. Gallen zum VfB Stuttgart gewechselt ist. Auf Leihbasis kam er damals – doch weil er sich nach schwierigem Beginn stetig gesteigert hat, verpflichtete der Bundesligist den Schweizer mittlerweile fix. Vor allem in der Schlussphase der Saison hatte er zuvor als Rechtsverteidiger überzeugt, unter anderem mit einem Treffer beim 3:1 gegen den FC Bayern. „Ich habe“, sagte er, „mich weiterentwickelt.“ Und sich auch im Bereich der Nationalmannschaft auf die Überholspur begeben.

Rasante Entwicklung in Stuttgart

Als U-21-Nationalspieler war er in Stuttgart angekommen, nun wurde er erst ins Pre-Camp der A-Mannschaft berufen – und dann auch in den endgültigen EM-Kader. „Extrem gefreut“ habe er sich, als der Moment der fixen Nominierung gekommen war. Als Stuttgarter Bundesligaspieler ist das alles noch ein bisschen besonderer – eben wegen des Basislagers in Degerloch.

Das Waldhotel hat er „einmal zum Kaffeetrinken“ schon besucht gehabt vor dem Einzug am Montag. Nun haben die Teamkollegen bereits nach Tipps gefragt, was es in der Landeshauptstadt zu sehen und entdecken gibt. Und die Familie hat es zudem nicht weit, um von St. Gallen aus die EM-Spiele der Schweizer zu besuchen. Zweimal in Köln und einmal in Frankfurt treten die Eidgenossen an – Partien, für die Leonidas Stergiou nun schon einige Ticketanfragen erhalten hat.

Immerhin: Darum muss er sich nicht kümmern. „Das regeln meine Eltern“, sagte der Abwehrspieler, der schon im ersten Trainingslager der Schweizer Heimvorteil gehabt hatte – in St. Gallen. Nun also Stuttgart – und am letzten Gruppenspieltag ein Duell mit den Teamkollegen aus dem Verein.

In Köln gegen Ungarn und Schottland treten die Schweizer zunächst an, dann in Frankfurt gegen das deutsche Team – mit Stergious VfB-Mitspielern Waldemar Anton, Chris Führich, Maximilian Mittelstädt und Deniz Undav. Großes Thema war dieses Duell zum Ende der Bundesligasaison aber noch nicht, „weil die Nominierung für das Pre-Camp in der Schweiz recht spät erfolgt ist“.

Rolle als Back-up

Nun steht es aber bevor, doch wenn alles normal läuft, sitzen die meisten Profis des VfB Stuttgart dabei zunächst auf der Bank. Bei den Deutschen zählt lediglich Mittelstädt zu den Stammkräften, und auch Stergiou ist erst einmal als Back-up eingeplant. „Natürlich hat jeder Ansprüche zu spielen“, sagte er, „aber ich bin erst einmal sehr glücklich darüber, überhaupt dabei zu sein.“ Bei der EM – und in seiner neuen Heimat Stuttgart.