Die Demo am Rotebühlplatz wurde am Vorabend des Europa-League-Spiels von Studierenden und jungen Menschen organisiert. Foto: Lichtgut

Die Polizei war am Vorabend des Europa-League-Spiels mit einem Großaufgebot in der Stadt unterwegs. Demonstranten am Rotebühlplatz kritisierten vor allem Maccabi-Fans.

Fußball könne eben nicht immer unpolitisch sein. So fasst es ein Redner bei der propalästinensischen Demo am Mittwochabend am Rotebühlplatz zusammen. Am Vorabend des lang erwarteten Europa-League-Spiels des VfB Stuttgart gegen Maccabi Tel Aviv hatten sich ungefähr 100 Menschen eingefunden. Auch wenn der Anlass der Versammlung das Fußballspiel war, wurden vor allem Parolen gerufen und Reden gehalten, die Bezug zum Gazakrieg nahmen und sich auf die Seite der Palästinenser stellten.

Die Polizei war an dem Abend mit einem überwältigenden Großaufgebot in der Stadt präsent. Über Stunden war ein Hubschrauber unterwegs, der vor der Demo Aufklärungsflüge über der Königstraße geflogen ist. In der Unteren Königstraße gab es einen Stand der Polizei, der mögliche Unruhestifter abschrecken sollte.

Polizeiaufgebot am Rotebühlplatz: Mehr Beamte als Demonstranten

Doch das eigentliche Spektakel fand am Rotebühlplatz statt. Mit fast mehr Polizisten als Demoteilnehmern hatte die Polizei große Präsenz gezeigt. Der gesamte Platz sah über den Nachmittag und Abend aus wie der Parkplatz einer Polizeiwache: Dutzende Mannschaftswagen, die Motorradstaffel und Sanitäter waren anwesend und bezogen Position auf den Gehwegen. Sogar die Pferdestaffel ist teilweise in Reih und Glied Patrouillen geritten. Über 1000 Polizisten sollen im Umfeld des Spiels im Einsatz sein.

Die große Zahl der Polizisten hatte auch damit zu tun, dass zu der Demo etwa die fünffache Menge an Teilnehmern angekündigt wurde. Die Polizei sprach zudem vorab davon, die israelischen Gäste vor möglichen Übergriffen schützen zu wollen. Nicht nur die Organisatoren der Demo von der Bewegung „Free Palestine Stuttgart“, auch Redner haben sich am Abend zudem auf polemische Weise kritisch über die Polizei geäußert. Beispielsweise als es hieß, dass die Polizei dem faschistischen Block der Maccabi-Fans den roten Teppich ausgerollt habe, gab es großen Zuspruch unter den Teilnehmern. Zu Ausschreitungen ist es jedoch nicht gekommen.

Auch die Pferdestaffel war an dem Abend im Einsatz. Foto: Lichtgut

Bei dem Spiel von Maccabi Tel Aviv in Amsterdam im vergangenen Jahr gab es mehrere antisemitische Ausschreitungen, bei denen die Fans regelrecht durch die Stadt gejagt wurden. Gleichzeitig waren Hooligans unter den Maccabi-Fans selbst gewalttätig geworden und hatten beispielsweise ein Taxi demoliert. Diese seien in Stuttgart nicht willkommen, sagte eine Rednerin der Demo. Zudem wurde Maccabi-Fans unterstellt, sie würden etwa Kriegsverbrechen unterstützen.

Junge Stimmen prägen die Demo am Rotebühlplatz

Bis zum Ende der Demo gab es vor allem viele emotionale Sätze über den Krieg etwa und die zivilen Opfer. Unter den Teilnehmern waren besonders viele junge Menschen. Die Bewegung „Free Palestine Stuttgart“ war mit einem Stand vor Ort. Sie bezeichnen sich als losen Zusammenschluss von Stuttgarter Studenten und jungen Menschen.

Es wurden zudem keine offensichtlichen antisemitischen Parolen gerufen, wie es schon bei einer ähnlichen Demo in Stuttgart passiert war. Statt der umstrittenen Parole „From the river to the sea, palestine will be free“ wurde jedoch ein Plakat hochgehalten mit der Aufschrift „From Iran to Palestine power to the people“ oder es gab den Spruch „You will see, palestine will be free“. Am Abend sagte eine Sprecherin der Polizei, dass dennoch zwei Straftaten verzeichnet wurden. Es gab einen Verdacht auf Volksverhetzung und eine Beleidigung, die sich gegen einen Teilnehmer der Demonstration gerichtet habe.