Shneur Trebnik hilft der Polizei am Treffpunkt der Fans von Tel Aviv beim Spiel in Stuttgart. Wo geht es zum Bus? Was ist erlaubt? Der Rabbiner übersetzt und beantwortet Fragen.
Shneur Trebnik fällt auf im Stuttgarter Schlossgarten. Anzug, Krawatte, langer Bart, ein charakteristischer Hut und die Zizit, also weiße Fäden, die vom traditionellen Gewand unter seiner Jacke herausschauen: Der Mann in Schwarz ist Rabbiner, genauer: Polizeirabbiner. „Er unterstützt uns, vor allem auch wegen der Sprache“, sagt der Polizeisprecher Tobias Brenner.
Shneur Trebnik ist ein gefragter Mann im Biergarten von Sonja Merz im Schlossgarten, dem Fantreffpunkt der Anhänger des israelischen Vereins Maccabi Tel Aviv vor der Partie in der Europa League am Donnerstagabend gegen den VfB Stuttgart. „Es freuen sich alle, wenn sie mitbekommen, dass ich da bin“, sagt er. Und schon kommt wieder ein junger Mann in Vereinstrikot: „Are you from the Jewish Community here?“ fragt der Fußballfan. Trebnik wechselt ins Hebräische und erklärt, dass er Polizeirabbiner ist. Der junge Mann strahlt, und auch ohne ein Wort seiner Antwort zu verstehen bekommt man mit, dass er sehr beeindruckt ist. „Das ist bei den meisten so, wenn sie das hören, dass ich quasi zwei Hüte aufhabe.“
Shneur Trebnik muss viele Fragen beantworten. Aber dann muss er kurz weg: Das Mittagsgebet will auch im Fußball-Trubel gesprochen werden. Nach dem Beten steht er wieder entspannt Rede und Antwort. Zum jüdischen Leben in Deutschland, überhaupt zu Deutschland, und natürlich auch zum Fußball wird er befragt. Und er hilft der Polizei. „Sie haben mich gebeten, eine Durchsage zu machen“, sagt er und enteilt auf die Bühne, wo ihm der DJ das Mikro überlässt. Einzig das Wort „Autobus“ versteht man: Der Rabbiner erklärt den mehreren Hundert Fans im Schlossgarten, wie sie zu den Shuttlebussen kommen, die sie ins Stadion bringen. Die meisten finden diese Idee sehr gut. „So sind wir sicher“, sagt der 44-jährige Maccabi-Fan Kobi Sason.
Die Wegbeschreibung ist nicht das einzige, was Shneur Trebnik für die Polizei übermittelt. Immer wieder werden im Schlossgarten in der Menge auch Bengalos gezündet. Dann gehen Einsatzkräfte in die feiernde Menge und sorgen für Ordnung. Trebnik hilft und erläutert auf Hebräisch, warum das nicht geht. „Ich sage ihnen klar, dass das verboten ist, das müssen sie akzeptieren.“ Ein paar hätten „etwas zu viel gefeiert“, merkt er an, mit Blick auf die Bier- und Wodkaflaschen auf den Bierbänken. „Aber alle wollen feiern. Man reist so weit, dann will man auch Spaß haben“, sagt der Rabbiner.
Baden-Württemberg hat seit 2021 zwei Polizeirabbiner – als erstes Bundesland in Deutschland. Neben Shneur Trebnik wurde damals Moshe Flomemann ernannt. Eine ihrer Aufgaben ist es, in der Ausbildung den angehenden Polizeibeamtinnen und -Beamten Wissen über das Judentum zu vermitteln. Zudem sind sie wichtige Kontaktpersonen für die Polizei.