Die rotbraune Borke der Mammutbäume ist teils tief zerfurcht. Foto: Sandra Hintermayr

Säuberlich in einer Reihe aufgereiht wachsen im Wald unterhalb des Schlosses Solitude vier Bergmammutbäume in die Höhe. Wenige Hundert Meter entfernt liegt ein weiteres Kleinod.

Irgendwo zwischen Weilimdorf und Schloss Solitude, auf der Gemarkung Stuttgart-West, ragen sie in den Himmel: Vier Bergmammutbäume wachsen hier in einer Reihe, etwa 100 Meter entfernt noch ein weiterer. Obwohl sie mehr als 40 Meter Höhe messen, sind die Baumriesen gut versteckt, man sieht sie quasi erst, wenn man schon davorsteht. Vielleicht ist das ein Grund, warum der Wanderer dort meistens alleine ist. Kaum ein Spaziergänger läuft vorbei, kaum ein Radfahrer hält an, wenn man sich dort eine kleine Auszeit gönnt.

Sie sind trotz ihrer Größe gut versteckt – man sieht sie quasi erst, wenn man schon davorsteht. (Foto: Sandra Hintermayr)

Es ist ein Ort der Ruhe. Während aus dem Wald ringsum Vogelstimmen herangetragen werden, scheint es in den Mammutbäumen still zu sein. Kein Vogel ist zu sehen. Die Borke der Bäume weist allerdings etliche Zeichen des Lebens auf, zahlreiche Löcher sind zu sehen, vielleicht von Insekten gefressen, von Spechten gehämmert. Hier und da tritt Harz aus.

Wie die Mammutbäume in den Wald kamen

Laut Infotafel handelt es sich um Bergmammutbäume. König Wilhelm I von Württemberg ließ 1864 ein halbes Kilogramm Samen aus Kalifornien importieren. Die Samen wurden 1865 in der Wilhelma unter Glas ausgesät, es entstanden aus den rund 100 000 Einzelkörnern circa 6000 bis 8000 Keimlinge.

Fein säuberlich aufgereiht stehen die Bergmammutbäume im Wald. (Foto: Sandra Hintermayr)

Etwa 50 dieser Bergmammutbäume sind im Rosensteinpark ausgebracht worden, von 1870 an wurden die jungen Bäume in ganz Württemberg verpflanzt. „Meine“ Mammutbäume sind laut Infotafel 1866 ausgebracht worden und zählen damit zur ersten Generation von Mammuts in Württemberg.

Lesen Sie aus unserem Angebot: Auf zur Wernhalde und den Mammutbäumen

Der Bergmammutbaum – auch Riesenmammutbaum oder Wellingtonie genannt – kann angeblich bis zu 3000 Jahre alt werden und in seiner Heimat eine Höhe von 90 Metern und einen Stammumfang von mehr als 30 Metern erreichen. In Mitteleuropa bleibt Sequoiadendron giganteum, so der wissenschaftliche Name, kleiner – bis zu 50 Meter werden im Internet als Maximalhöhe angegeben.

Der höchste der Bergmammutbäume ragt mehr als 44 Meter hoch in den Himmel. (Foto: Sandra Hintermayr)

Laut Infotafel wurden die vier Mammuts unterhalb der Solitude 2003 vermessen: Der größte von ihnen maß damals 44,6 Meter Höhe und hat einen Baumdurchmesser in Brusthöhe von 1,39 Meter.

Der dickste der Stämme hat auf Brusthöhe einen Durchmesser von mehr als 1,39 Meter. (Foto: Sandra Hintermayr)

Elastisch ist die rotbraune Borke, fast schon korkartig fühlt sie sich an, von Rissen und Furchen durchzogen umhüllt sie die Stämme. Ein Teppich aus trockenen Nadeln bedeckt den Boden. Zwischen zweien der vier Mammutbäume scheint die Natur einen Ruheplatz geschaffen zu haben. Auf der Ausstülpung, vielleicht die einer Wurzel, lässt es sich bequem verweilen. Der Blick nach oben, entlang der massiven Stämme bis in die Krone, scheint endlos.

Früher Unimog-Testgelände, heute Schutzgebiet für Amphibien

Und dann zieht mich das Gezwitscher der Vogel wieder hinein in den Wald. Ein paar Hundert Meter westlich der Mammutbäume liegt das Feuchtgebiet Daimlerplatz, das so heißt, weil es früher ein Unimog-Testgelände war. Zuvor wurde dort bereits seit 1850 Kieselsandstein abgebaut. Im Zweiten Weltkrieg traf ein Bombeneinschlag das Waldgebiet an dieser Stelle.

Ein Stück weiter liegt der Daimlerplatz. Das Feuchtgebiet war früher ein Unimog-Testgelände. (Foto: Sandra Hintermayr)

1949 mietete Daimler-Benz dieses Gebiet von der Forstverwaltung als Teststrecke für geländegängige LKW an. Die Testfahrten wurden 1975 zugunsten der Natur wieder aufgegeben.

Über die Jahre holte sich die Natur zurück, was ihr gehörte, überwucherte die Fahrrillen. Für Amphibien bilden die wassergefüllten Vertiefungen einen wichtigen Laichplatz. Auch Reptilien, Vögel und Pflanzen fühlen sich hier wohl.

Heute fühlen sich hier Amphibien, Reptilien und andere Tierarten wohl. (Foto: Sandra Hintermayr)

Lesen Sie aus unserem Angebot: Stuttgart hat ein Herz für Hirschkäfer und Co.

Im Artenschutzkonzept hat das Amt für Umweltschutz der Stadt Stuttgart das Feuchtgebiet als Top-E-Fläche deklariert, eine Fläche mit hoher naturschutzfachlicher Relevanz, auf der mit relativ geringem Aufwand viel für den Naturschutz getan werden kann (das E steht für Effizienz). Inzwischen hat die Stadt etwas Ordnung in den Wildwuchs gebracht und die Wasserflächen ausgebaut. Von den Maßnahmen soll unter anderem die Gelbbauchunke profitieren, die nun bessere Laichplätze vorfinden soll.