Fußgänger und Radler sollen am König-Wilhelm-Platz Lust aufs Verweilen bekommen. Foto: Lebendige Ortsmitten für BW, 2024

Das Areal in Marbach soll an Aufenthaltsqualität gewinnen, der Verkehr zurückgedrängt werden. Der mögliche Wegfall einer Linksabbiegespur wird aber auch kritisch gesehen.

Die zu den Stoßzeiten verstopfte, breite Ortsdurchfahrt prägt heute den Charakter des König-Wilhelm-Platzes. Ziel der Stadt Marbach ist nun, das Rad wieder mehr in Richtung der Anfänge zurückzudrehen, als das Areal den Namensbestandteil „Platz“ noch zu Recht trug und Aufenthaltsqualität hatte. Das Gelände soll in den nächsten Jahren zu einem Treffpunkt mit viel Grün umgestaltet werden. Der Anteil der Fahrbahn wird verringert, im Gegenzug Fußgängern und Radlern mehr Fläche zugeschlagen. So jedenfalls der Plan, den die Kommune in einem Paket mit dem anvisierten Neubau der Volksbank an selber Stelle umsetzen möchte. Allerdings ist das Vorhaben im Detail nicht unumstritten.

Fragenzeichen hinter Verkehrsführung

Diskussionen und Bedenken gibt es speziell rund um die angedachte Verkehrsführung. Zunächst nur versuchsweise von Dienstag, 30. April, bis Donnerstag, 18. Juli, aber womöglich auch perspektivisch, könnte die Linksabbiegespur aus Richtung Stadtmitte in die Uhlandstraße wegfallen. Ernst Morlock (SPD) äußerte jetzt im Ausschuss für Umwelt und Technik die Vermutung, dass die Volksbank darüber nicht erfreut sein dürfte. Schließlich sei dort die Zufahrt zum neuen Gebäude mit Filiale und 25 Eigentumswohnungen vorgesehen.

Martin Mistele (Freie Wähler) gab zudem zu bedenken, dass sich die vielen Autos an dem Bypass nicht in Luft auflösen werden. Die Bewohner vom Hörnle gelangten auf dieser Strecke gen Innenstadt, die aus Marbach-Süd zum Beispiel zur Autobahn. „Und der Ausgangspunkt ist, dass es heute funktioniert, mit nur kürzeren Phasen, in denen es klemmt“, sagte er. Doch vor allem wenn besagte Linksabbiegespur tatsächlich wegfällt, könnte der Verkehrsfluss aus seiner Sicht über die Maßen hinaus gefährdet sein. In dem Fall würden wohl in einer Ampelphase nur noch die Hälfte aller Autos durchgeschleust, der Verkehr staue sich dann bis zur Güntterstraße hinunter. „Und das können wir nicht wollen“, betonte Mistele. Er forderte deshalb, einen Verkehrsplaner hinzuzuziehen, ehe man Nägel mit Köpfen mache. Bürgermeister Jan Trost strich daraufhin heraus, dass der Landkreis bei all dem ein gehöriges Wörtchen mitzureden habe, nicht zuletzt die Busse nicht aus dem Takt gebracht werden dürften. Ein Verkehrschaos müsse natürlich verhindert werden. Deshalb werde evaluiert, wie sich der Wegfall der separaten Linksabbiegespur in die Uhlandstraße in der Testphase auswirke.

Der Landkreis muss seinen Segen geben

Janus Baldermann, Stadtplaner der Kommune, betonte zudem, dass bereits ein Verkehrsplaner mit im Boot sei. Man habe sogar schon durchrechnen lasse, wie sich der Verzicht auf die Linksabbiegespur auf die weiteren Knotenpunkt in der Stadt bin hinunter zur Oehlerkreuzung auswirke. Mit den Ideen und dem Konzept sei man auch auf das Landratsamt zugegangen. Innerhalb kurzer Zeit habe man von der Behörde grünes Licht für den Feldversuch von Ende April bis Mitte Juli erhalten. Das Kreishaus habe aber darum gebeten, die Konsequenzen daraus zu dokumentieren. Anhand der Ergebnisse könne schließlich darüber nachgedacht werden, im Rahmen der Umbauplanungen langfristig auf die Abbiegespur zu verzichten.

Ein Vorgehen, das ganz im Sinne von Barbara Eßlinger (Grüne) war. Man müsse einfach abwarten, ob es die Spur brauche oder nicht. Man müsse letztendlich generell schauen, was an dem Knotenpunkt funktioniert und was nicht, pflichtete Jochen Biesinger (CDU) bei. „Die Macht des Faktischen wird entscheiden“, prophezeite er auch im Hinblick auf etwaige Begrenzungen auf Tempo 20, wie von der Stadt im Idealfall gewünscht.

Steinerstraße wird zur Einbahnstraße

Schon abgesegnet hat das Kreishaus, über den demnächst anstehenden Testlauf hinaus die Linksabbiegespur in die Steinerstraße dauerhaft zu streichen. Die Steinerstraße wird überdies von Richtung Stadtmitte aus fortan für Rechtsabbieger tabu sein. Sie wird also dauerhaft zu einer Art Einbahnstraße. Damit sollen die Fußgänger besser geschützt werden. Zunächst nur in der Versuchsphase bis Mitte Juli wird ferner eine Radabstellanlage auf dem König-Wilhelm-Platz installiert. Zudem lässt man Möbel aufstellen, damit Passanten dort rasten, sich treffen und austauschen können. Das Parken vor der Volksbank ist temporär nicht möglich – wie dann nach dem Umbau auch langfristig. Die Stellflächen sollen mit dem Neu des Kreditinstituts in eine Tiefgarage verlagert werden, um einen Platz mit Aufenthaltsqualität kreieren zu können. Wichtig für viele Verkehrsteilnehmer dürfte obendrein sein, dass bis 18. Juli zwar die eigene Linksabbiegespur in die Uhlandstraße wegfällt, das Linksabbiegen aber weiter gestattet ist.