2019 eingeführt, 2023 wieder abgeschafft – das günstige Esslinger Stadtticket. Zurzeit läuft eine Diskussion über die Wiedereinführung. Würde heute im Gemeinderat dazu abgestimmt, könnte es gut sein, dass das günstige Ticket erneut eine Mehrheit findet.
Würde der Gemeinderat heute über das Stadtticket abstimmen, könnte es sein, dass es eine Mehrheit findet. Zunächst signalisierten Grüne und SPD, erneut in einer Arbeitsgruppe über die Einführung reden zu wollen.
„Esslingen muss gerade auch im Bereich des ÖPNV eine attraktive Stadt sein. Dazu gehört für uns ein Stadtticket oder eine genauso attraktive Alternative“, sagte die Vorsitzende der Grünen-Gemeinderatsfraktion, Carmen Tittel. CDU und Freie Wähler meldeten sich ebenfalls zu Wort und erhöhten den Druck. Noch in diesem Jahr sollte eine Grundsatzentscheidung fallen. Auch die Ratsgruppe WIR/Sportplätze scheint an der Wiedereinführung interessiert zu sein. Würden alle Stadträte der genannten Parteien und Gruppen einem Stadtticket zustimmen, bekämen sie 30 Stimmen zusammen. Eine klare Mehrheit in dem Gemeinderat, in dem 40 Stadträte über die Entwicklung des Verkehrs in der Stadt entscheiden.
Wechselhafte Geschichte
Eingeführt wurde das günstige, weil subventionierte Tagesticket im April 2019, aber vier Jahre später im Frühjahr 2023 wurde es wieder abgeschafft. Die Begründung damals: eine angespannte Finanzlage. Später stellte sich allerdings heraus, dass die Lage gar nicht so angespannt war. Deshalb stand die Tageskarte im Herbst 2023 kurz vor der Wiedereinführung. Fast alle Fraktionen im Gemeinderat sprachen sich dafür aus. Doch im Frühjahr 2024 wurde das Vorhaben schon wieder beerdigt.
Eine interfraktionelle Arbeitsgruppe, die sich mit der Wiedereinführung beschäftigt hatte, meldete, es gebe keine belastbaren Zahlen zu den Kosten und keinen geeigneten Finanzierungsvorschlag. Die Diskussion kam dann abermals ins Rollen, als sich der Esslinger Seniorenrat im September in einem offenen Brief an den Esslinger Oberbürgermeister Matthias Klopfer und die Fraktionen im Gemeinderat zu Wort meldete. Dort schreibt der Seniorenrat von dem „Unmut, dass nach anfänglichen, positiven Signalen seitens der Gemeinderatsfraktionen eine Wiedereinführung wieder ungewiss scheint“.
Daraufhin signalisierten Grüne und SPD in einer gemeinsamen Erklärung, sich der Sache erneut annehmen zu wollen. „Das Esslinger Stadtticket wird von vielen Menschen vermisst. Deshalb kümmern wir uns gemeinsam um dieses wichtige Thema“, schrieben Tittel und der Vorsitzende der SPD-Fraktion, Nicolas Fink, in einer gemeinsamen Erklärung. Dort verweisen beide auf das Scheitern der interfraktionellen Arbeitsgruppe im Frühjahr, die „kein gemeinsames Ergebnis“ erzielt. „Deshalb gehen wir gemeinsam mit den Grünen einen neuen Weg. Alle, die Interesse am Stadtticket haben, sind herzlich eingeladen, daran mitzuwirken“, lud Fink Kommunalpolitiker und Interessenverbände ein, in der Arbeitsgruppe mitzuarbeiten. In einem nächsten Schritt würden die beiden Fraktionen zu gemeinsamen Gesprächen einladen. Ziel sei eine abschließende Entscheidung im Jahr 2025, die im nächsten Doppelhaushalt dargestellt werden könne.
Hier scheiden sich allerdings bereits die Geister. Die CDU will auch eine Entscheidung in diesem Jahr, aber nicht auf den nächsten Doppelhaushalt warten. „Wir streben noch in diesem Jahr eine Grundsatzentscheidung auf möglichst breiter Basis im Gemeinderat an. Die aktuellen Beratungen zum städtischen Nachtragshaushalt bieten eine ideale Möglichkeit, die finanziellen Rahmenbedingungen festzulegen“, sagte der CDU-Fraktionschef Tim Hauser.
Die Fraktionschefin der Freien Wähler, Annette Silberhorn-Hemminger, wird noch konkreter: „Im Nachtragshaushalt finden sich einige Positionen im Bereich des Städtischen Verkehrsbetriebs, bei denen wir heute noch gar nicht wissen, ob wir sie überhaupt benötigen. Hier sehen wir Spielräume, die dem Stadtticket zugute kommen könnten.“