Überflutete Straßen führen zu überfluteten Kellern. Foto: dpa/OsthessenNews - dpa/OsthessenNews

Wenn Starkregen oder Wasser von Überschwemmungen ins Haus eindringt, sollten Besitzer Ruhe bewahren und überlegt handeln. Mögliche Schäden sichern Sie am besten in diesen vier Schritten ab.

Frankfurt/MainSteht nach Starkregen oder durch über die Ufer getretene Flüsse der Keller unter Wasser, muss man rasch reagieren. Je länger das Wasser im Keller steht, umso schlimmer können die Schäden werden. Und trotzdem: Das Wasser bedeutet Lebensgefahr. Der Keller darf zunächst keinesfalls betreten werden. Die Tipps für Betroffene in optimaler Reihenfolge:

1. Schritt: Strom abstellen

Auf keinen Fall darf man den Keller oder andere Gebäudeteile betreten, solange der Strom nicht abgestellt ist. Sonst drohen tödliche Stromschläge, wenn Zählerschrank und elektrische Anlagen überflutet sind, erläutert der Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH). Auch die Sicherungen funktionieren womöglich nicht mehr richtig. Bevor die gefluteten Räume betreten werden, muss also als erste Maßnahme die Elektroanlage abgeschaltet werden. Kommen Betroffene nicht an den Hauptverteilerkasten heran, müssen sie den Energieversorger anrufen. Eine Wasserpumpe anzuschließen, kann ebenfalls lebensgefährlich sein, betont der ZVEH.

2. Schritt: Schadstoffe entsorgen

Auch der nächste Schritt ist noch nicht das Wasser abpumpen oder aufwischen. Erst einmal sollte man sich im Klaren darüber sein, ob Heizöl oder andere gefährliche Substanzen wie etwa Holzschutzmittel oder Teerölkleber ausgelaufen sein könnten. Ist das der Fall, rät das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), die Feuerwehr zu rufen.

3. Schritt: Dokumentation

Nun ist die Versicherung dran: Die Schäden müssen mit Fotos dokumentiert werden und rasch an den Versicherer gemeldet werden. Darauf weist der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft hin. Für die Folgezeit gilt: Handwerker dürfen erst nach Absprache mit der Versicherung beauftragt werden. Denn die Versicherung muss die Möglichkeit haben, den Schaden selbst zu begutachten, erläutert die Rechtsanwaltskammer Koblenz. Wer hier zu hektisch und schnell handelt, kann unter Umständen seinen Versicherungsschutz verlieren.

Zugleich aber müssen Versicherte die Schäden so gering wie möglich halten – es sollten keine Folgeschäden entstehen. Daher müssen überflutete Räume leergepumpt und Geräte oder Möbel aus der feuchten Umgebung geholt werden.

Grundsätzlich gilt: Bei Überschwemmungen greift der Versicherungsschutz nur, wenn eine Absicherung für Naturgefahren besteht. Diese Elementarschadenversicherung müssen Verbraucher zusätzlich abschließen, erklärt der Bund der Versicherten. Dann ist die Wohngebäudeversicherung für Schäden am Haus zuständig. Die Hausratversicherung greift bei Schäden innerhalb der Immobilie.

4. Schritt: Abpumpen und ausräumen

Nun stehen endlich das Abpumpen des Wassers und das Trocknen an. Auch wenn dies nicht der erste Schritt bei einer Überschwemmung ist, sollte zügig gehandelt werden. Denn je schneller die Räume trocken gelegt werden, desto eher lassen sich Bauschäden und die Bildung von Schimmel vermeiden, erklärt das BBK.

Doch es gibt eine Einschränkung: Die Notfall-Experten betonen, dass bei wirklich hohen Pegelständen erst mit dem Abpumpen des Wassers begonnen werden darf, wenn der Grundwasserspiegel ausreichend gesunken ist. Sonst kann die Bodenwanne des Hauses beschädigt werden.

Trockengeräte gibt es zum Leihen etwa in Baumärkten. Ob man Hilfe vom Profi braucht, ist abhängig von der Stärke der Überschwemmung und von den Baumaterialien des Hauses. Grob lässt sich sagen: Alles, was sich vollsaugen kann, sollte ein Fachmann begutachten. Dazu zählen Trockenbau-Wände oder Dämmungen. Außerdem gilt: Elektrogeräte wie Waschmaschinen, Leuchten und andere Werkzeuge sollten erst wieder verwendet werden, wenn ein Fachmann die elektrische Anlage im Haus wieder freigegeben hat.

BBK-Ratgeber zur Notfallversorgung unter http://dpaq.de/YUwIO

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