Die Wohnungsnot ist groß im Landkreis Esslingen. Foto: Symbolfoto:dpa - Symbolfoto:dpa

Der Verein Heimstatt vermittelt Wohnungen an Obdachlose und unterstützt sie im Alltag. Auf die gemeinsame Weihnachtsfeier freuen sich alle.

EsslingenDie Weihnachtstage in der geschmückten Wohnung zu verbringen, das ist für viele Menschen Normalität. Doch nicht für jeden ist das selbstverständlich. Die Bewohner bei der Heimstatt Esslingen beispielsweise haben wenig Kontakt zu ihrer Familie, erzählt Geschäftsführer Ralf Brenner. Um ihnen dennoch schöne Weihnachtstage zu schenken, organisiert er eine Weihnachtsfeier. Jedes Jahr in der Adventszeit kommen alle Bewohner und Mitarbeiter der Heimstatt in einem schwäbischen Lokal in Esslingen zusammen und feiern gemeinsam Weihnachten. Genau da kommt die EZ-Weihnachtsspendenaktion ins Spiel. Denn im Rahmen der Aktion werden Spenden gesammelt, um diesen Menschen zu helfen und ihnen diese kleine Weihnachtsfeier zu ermöglichen.

Etwas ganz Besonderes

Ein Licht in der besinnlichen Adventszeit für die ehemals wohnungslosen Menschen, die von der Heimstatt betreut werden. „Essen zu gehen und bedient zu werden, ist für die Bewohner etwas ganz Besonderes“, sagt Brenner. Auch kleine Geschenke würden die Betroffenen bekommen. Obdachlosen Menschen ein neues Zuhause vermitteln – das gehört zu den Aufgaben der Heimstatt. Der Verein Heimstatt, gegründet 1987, vermietet Wohnungen an Menschen ohne Dach über dem Kopf und betreut sie im Alltag. Denn die Wohnungsnot ist groß in Baden-Württemberg. Laut einer Studie der Liga der freien Wohlfahrtspflege haben 2018 rund 12 000 Menschen in Baden-Württemberg die Hilfe von Einrichtungen angenommen, weil sie keine eigene Wohnung hatten. Laut dieser Studie ist die Zahl der Wohnungslosen im Vergleich zu 2017 gestiegen.

Keine Wohnung nach Haft

Unter anderem wegen Überschuldung, gesundheitlicher Probleme oder nach einer Zeit in Haft würden Obdachlose keine Wohnung mehr finden, erklärt Brenner. Rund 80 Wohnungen im ganzen Landkreis vermietet der Verein an ehemals obdachlose Menschen. Daneben hilft das Heimstatt-Team diesen Menschen bei verschiedensten Aufgaben. „Wir haben regelmäßig Kontakt zu den Bewohnern, besuchen sie einmal oder mehrmals in der Woche“, erzählt Brenner. „Unser Ziel ist es, dass die Menschen zufriedener sind, Hoffnung schöpfen, dass das Leben auch besser sein kann.“

Der Besuch der Heimstatt-Mitarbeiter sei für die Bewohner eine besondere Erfahrung. „In Obdachlosenunterkünften hat keiner seinen persönlichen Schutzraum, man kann seine Wohnungstür nicht abschließen“, sagt Brenner. „Jetzt haben sie diesen geschützten Raum.“

Bei einer eigenen Wohnung könne man jemanden auch nicht reinlassen. Das komme aber beim Besuch der Heimstatt-Mitarbeiter selten vor. Rund ein Jahr lang haben die Bewohner die Möglichkeit, eine Beratung in Anspruch zu nehmen oder auch länger. Der Geschäftsführer erzählt: „Wir helfen ihnen zum Beispiel bei vielen Formalien wie einem Grundsicherung- oder Rentenantrag, aber auch beim Mietvertrag.“

Bis man eine Mietwohnung gefunden hat, aus der Obdachlosenunterkunft ausziehen oder von einem Leben auf der Straße entfliehen kann, ist es ein langer Weg. Die Ursachen, dass Menschen keine Wohnung mehr haben, sind verschieden. „Es geht schneller, als man denkt. Zum Beispiel kann man die Wohnung durch die Trennung vom Partner verlieren“, sagt Brenner. Auch ein Verlust des Arbeitsplatzes könne eine Ursache sein, ebenso Mietschulden. Eine Kündigung der Wohnung wegen Eigenbedarfs sei auch eine Hauptursache. „Eine Wohnung zu verlieren, ist auch ein Trauma“, sagt Brenner.

Zu wenig Platz in Frauenhaus

Ein Trauma erlitten haben in den meisten Fällen auch die betreuten Menschen von Doris Ayena, Sozialpädagogin bei der Heimstatt. Mit „Ein Zuhause geben“, einem Wohnprojekt für Frauen, unterstützt sie unter anderem auch alleinerziehende Mütter bei der Wohnungssuche. Seit einigen Monaten investiert sie rund sechs Stunden in der Woche, um speziell Frauen bei der Wohnungssuche zu helfen. „Die Wohnungsnot zeigt sich auch an der Situation in den Frauenhäusern – denn die sind voll und können keine neuen Menschen aufnehmen“, erzählt Ayena. Das sei vor allem für Frauen, die in einer Gewaltbeziehung leben, ein großes Problem. „Sie können nicht mehr in ein Frauenhaus flüchten. Dann bleiben sie entweder in dieser Gewaltbeziehung oder gehen in eine Obdachlosenunterkunft“, sagt die Sozialpädagogin.

Wohnraum teilen

Zusammen mit dem Frauenrat Esslingen hat sie 2017 ein weiteres Projekt gestartet, um die Wohnungsnot zu verbessern. Unterstützt wird das vom Europäischen Hilfsfonds für besonders von Armut betroffene Personen. Mithilfe einer Koordinations- und Begleitungsstelle sollen die Besitzer von leer stehenden Wohnungen mit wohnungssuchenden Menschen zusammengebracht werden. „Wohnraum teilen – Vorteile für beide“ lautet das Motto des Wohnprojekts für Frauen. Es richtet sich vor allem auch an Menschen, die allein in einem großen Haus wohnen.

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