Die neuen Lehrkräfte für Stuttgarts Schulen werden im Bad Cannstatter Kursaal vereidigt. Foto: /Lichtgut/Ferdinando Iannone

Im Kursaal in Bad Cannstatt sind am Freitag rund 130 Lehrerinnen und Lehrer vereidigt worden. Sie beginnen ab sofort ihren Dienst als vollwertige Lehrkräfte an den Stuttgarter Schulen. Wir erklären, was sich einige von ihnen von ihrer neuen Aufgabe versprechen.

Knapp 130 Lehrerinnen und Lehrer beendeten mit ihrer Vereidigung am Freitagvormittag im Kursaal in Stuttgart-Bad Cannstatt offiziell ihr Referendariat. Nachdem sie alle gemeinsam die Eidesformel im Chor gesprochen und im Anschluss ihre Arbeitsverträge unterschrieben haben, startet für sie der Schuldienst. Eingesetzt werden sie im kommenden Schuljahr beispielsweise in den Stuttgarter Grund-, Real-, Haupt- und Berufsschulen. „Sie werden nun vollwertige Lehrer und werden in Stuttgart künftig Ihre Kompetenz und Leidenschaft einbringen“, sagt Schulbürgermeisterin Isabel Fezer, die bei der Begrüßung betont, dass gerade im Lehrerberuf neben Inhalten und Didaktik vor allem auch der einzelne Mensch zähle: „Wirklich ausschlaggebend ist die Persönlichkeit der einzelnen Lehrer und Lehrerinnen und ihre Berufung, die man spürt.“

Nils Boschen Foto: Lichtgut / Ferdinando Iannone

Und so haben viele der Anwesenden auch ein ganz genaues Bild davon, was für ein Lehrer sie werden möchten. „Ich würde sagen, ich bin eher ein ruhiger Typ. Die strenge Schiene fahre ich als Lehrer nicht, ich arbeite eher über die Beziehungsebene“, erklärt Nils Boschen, der an der Evangelischen Mörike-Realschule Mathe und Geschichte unterrichten wird. „Ich habe schon immer gern mit Kindern gearbeitet und auch mein FSJ im Sozialbereich absolviert“, sagt er über seine Berufswahl. Dennoch habe er sich nicht gleich dafür entschieden, Lehrer zu werden, und zunächst ein Studium im Bereich Verkehrsingenieurwesen begonnen, sich dann aber umentschieden. Schließlich ergebe sich im Lehrerberuf die Möglichkeit, „Kinder zu begleiten“. Die Vereidigung und der Start als Lehrer seien für ihn nun „wie das Ziel nach einer langen Reise. Es ist wird bestimmt auch viel. Aber ich freue mich sehr darauf, und es wird bestimmt superspannend.“

Fabian Kaufmann Foto: Lichtgut / Ferdinando Iannone

Auch Fabian Kaufmann freut sich auf den neuen Abschnitt. Der Gedanke, Lehrer zu werden, reifte bei ihm während des Abiturs. „Ein Lehrer hat mich darauf gebracht“, erzählt er. Die Arbeit mit Kindern war dabei für ihn nichts Neues. Schon bei der Feuerwehr betreute er Jugendliche, berichtet Kaufmann, der künftig Geschichte, Englisch und bilinguale Geschichte an der Realschule des Evangelischen Mörike unterrichten wird. „Bilinguale Geschichte ist seit 2018 ein neuer Studiengang, es gibt allerdings wenige Schulen, die dieses Fach anbieten.“ Auch an der Mörike-Schule habe es dieses Fach bisher nicht gegeben. Nun darf er es aber aufbauen – eine Aufgabe, auf die er sich besonders freut. „Es ist toll, dass ich das machen darf. Über das Vertrauen der Schulleitung bin ich wirklich dankbar“, so der junge Lehrer, der ursprünglich aus Heilbronn stammt und der sich aktiv für eine Stelle in Stuttgart entschieden hat, denn: „Ich fand Stuttgart als Kind schon faszinierend, es bedeutete Abenteuer. Ab heute bin ich nicht nur offiziell Lehrer, sondern auch Stuttgarter. Darüber freue ich mich mega.“

Jasmin Aouadi ist voller Vorfreude auf ihre neue Aufgabe. Foto: Lichtgut / Ferdinando Iannone

Ebenfalls voller Vorfreude auf ihre neue Aufgabe ist Jasmin Aouadi, die künftig in der Grundschule in Stammheim arbeiten wird. Auch sie hat hier die Chance, ein neues Fach einzuführen. „Ich darf islamische Religion unterrichten, das gibt es dort bislang nicht“, berichtet die junge Frau, die außerdem Mathematik studiert hat. „Es ist schon was anderes, wenn man nun fertig ist. Davor wird man behütet und begleitet“, erzählt Aouadi, die schon immer leidenschaftlich gern unterrichtet hat: „Ich habe auch schon Senioren unterrichtet.“ Als Grundschullehrerin ist es aber besonders auch die Arbeit mit den Kindern, die sie erfüllt: „Das Lächeln der Kinder ist ein schöner Lohn. Man bekommt einfach so viel zurück“, schwärmt sie.

Für die jungen Lehrerinnen und Lehrer gibt es aber auch Dinge, die sie gern verbessern würden. „33 Kinder in einer Klasse sind schon eine Herausforderung“, bemerkt Jasmin Aouadi. Und Fabian Kaufmann findet es schade, dass Lehrer zwischen dem Referendariat und dem Schuldienst entlassen werden: „Viele der Anwesenden haben die sechs Wochen durchgearbeitet.“ Wirklich entspannt könne man so nicht in den Schuldienst starten, kritisiert er.