Der ehemalige VfB-II-Spieler Patrick Mayer soll die künftige U21 des 1. FC Heidenheim trainieren. Foto: IMAGO/Pressefoto Baumann

Der 1. FC Heidenheim schickt in der neuen Saison eine U21 ins Rennen. In welcher Liga, entscheidet sich demnächst. Eine Tendenz gibt es, zu der sich auch der TSV Weilimdorf äußert.

Der 1. FC Heidenheim steht mit seiner Bundesliga-Mannschaft im Kampf gegen den Abstieg mit dem Rücken zur Wand. Da ist die Frage, ob der Club von der Ostalb mit seiner künftigen zweiten Mannschaft in der Saison 2026/27 in der Ober- oder Verbandsliga startet, zugegebenermaßen, ein nachgeordnetes Thema. Was nichts daran ändert, dass es viele Clubs in der fünften und sechsten Liga umtreibt. Denn Konsequenzen wird solch ein zusätzliches, neues Team auf alle Fälle haben, sei es was eine Aufstockung der Liga, einen verschärften Abstieg oder Ähnliches betrifft.

Klar ist, dass der 1. FC Heidenheim seine Nachwuchsarbeit neu strukturiert und erstmals nach über zehn Jahren wieder eine zweite Mannschaft installiert.

„Die Einführung der U 21 ist eine strategisch wichtige Maßnahme, die es uns ermöglichen soll, unsere Talente noch gezielter zu fördern und ihnen frühzeitig regelmäßige Spielzeit im Erwachsenenfußball zu bieten“, sagte Nils Weng, Organisatorischer Leiter des NLZ. Das übergeordnete Ziel sei es, vielen jungen Spielern den Sprung in den Profi-Bereich beim FCH zu ebnen. Weng: „Durch diese Maßnahme schaffen wir einen idealen Zwischenschritt, bei dem sich unsere Talente kontinuierlich weiterentwickeln und beweisen können.“

Patrick Mayer designierter U-21-Coach

Der aktuelle U-19-Trainer des Vereins und frühere VfB-II-Spieler Patrick Mayer (37) soll das neue U-21-Team trainieren. Wenn es nach dem FCH geht, am liebsten in der Oberliga. Mit diesem Wunsch war der Club auf den Württembergischen Fußball-Verband (WFV) zugekommen. Daraufhin hat sich die Fachgruppe Spielleitung damit beschäftigt. Ein formaler Beschluss wird spätestens in zehn Tagen erwartet. Die Tendenz ist klar: Es geht Richtung Start in der Verbandsliga.

Einen Präzedenzfall gibt es. Vor zwei Jahren musste Zweitligist Karlsruher SC mit seiner neu gegründeten zweiten Mannschaft auch in der Verbandsliga beginnen, obwohl der nordbadische Proficlub mit seiner U23 ebenfalls gleich in der Oberliga am Ball sein wollte. Dies wurde von der Spielkommission abgelehnt.

Andere Oberliga-Trägerschaft

Warum also jetzt im gleich gelagerten Fall anders entscheiden? Die einzig mögliche Antwort: Die Zuständigkeiten haben sich geändert.

Seit dieser Saison gibt es die neu gegründete Oberliga Baden-Württemberg GmbH als Träger der Liga. Dort existiert eine Fachgruppe Spielbetrieb. Darin vertreten sind die Spielleiter der drei Verbände Württemberg (Matthias Harzer), Baden (Rüdiger Heiß) und Südbaden (Arno Kiechle). Das Trio unterbreitet einen Vorschlag, auch aufgrund des Austauschs mit Verantwortlichen der Oberligisten.

Haltung der Oberligisten klar

Deren Haltung ist relativ klar. „Der größte Teil ist wie ich der Meinung, dass ein direkter Start von Heidenheims U21 in der Oberliga nicht sinnvoll wäre“, sagt Gianni Coveli, Trainer und Sportdirektor des 1. Göppinger SV. Der FCH II solle sich einen Aufstieg wie der KSC II sportlich verdienen. Coveli: „Zudem kann auch in der Verbandsliga ausgebildet werden und eine U-21-Nachwuchsliga ist ja auch geplant.“

Spielt Trainer Oliver Stierle in der nächsten Saison mit dem TSV Weilimdorf gegen den 1. FC Heidenheim II? Foto: Pressefoto Baumann/Hansjürgen B

Michael Bachmann, Spielleiter des Verbandsligisten TSV Weilimdorf, würde eine eigene U-21-Nachwuchsliga als beste Lösung befürworten und hält die Sichtweise der Oberligisten für zu kurzfristig gedacht: „Wenn der FCH ernst macht, spielen sie doch ohnehin nur eine Saison in der Verbandsliga, und das ganze verschiebt sich lediglich um ein Jahr.“ Seine Befürchtung: Andere Clubs aus der Region mit einem NLZ kommen ebenfalls auf die Idee, ihren Unterbau neu zu strukturieren. Bachmann: „Was passiert, wenn die Stuttgarter Kickers, der SSV Ulm 1846 oder der SGV Freiberg auch eine Zweite ins Rennen schicken wollen. Dann ufert es aus – und wir unterklassigen Clubs sind die Leidtragenden.“

Ein heikles Thema. Die Entscheidungsgewalt liegt jedenfalls nicht mehr wie früher bei einem einzelnen Verband (federführend für die Oberliga war der WFV), sondern bei der Gesellschafterversammlung, an der alle drei Landesverbände gleichermaßen beteiligt sind. Diese besteht aus den Präsidenten Matthias Schöck (Württemberg), Ronny Zimmermann (Baden) und Reinhold Brandt (Südbaden).

SGE II übernahm Spielrecht von Dreieich

Kaum vorstellbar, dass das einflussreiche Gremium mit Blick auf den 1. FC Heidenheim anders entscheiden, als im Fall KSC. Auch wenn mit dem Thema in anderen Bundesländern schon anders umgegangen wurde: So durfte Eintracht Frankfurt mit seiner zweiten Mannschaft in der Saison 2022/23 in der Hessenliga starten. Allerdings übernahm die SGE auch Spielrecht und Spielort der SC Hessen Dreieich.