Foto: Tom Weller - Tom Weller

Die Esslinger Sommerwirte sind sehr zufrieden mit ihrem Fest und betonen den guten Zusammenhalt untereinander. Was die einzelnen Wirte besonders überraschte, lesen Sie hier.

EsslingenGanz auf gute Laune waren die acht Sommerwirte ausgerichtet, als sie am gestrigen Sonntag zu einer kleinen Feier zusammentrafen und eine erste Bilanz zum „Esslinger Sommer“ zogen. Das Fest auf dem Marktplatz, das vorübergehend den Platz für das traditionelle Zwiebelfest einnimmt, wird noch bis zum heutigen Montag gefeiert. Dann werden die weißen Zelte nach elf Tagen sommerlicher Stimmung wieder abgebaut.

Christian List vom „Roten Hirsch“ fasste zusammen: „Es gibt nichts, was man viel besser machen kann oder weglassen müsste.“ Es sei ein Fest für die Esslinger gewesen – nun stelle sich die Frage, ob die Stadt, die das Fest ab 2021 in eigener Regie organisieren will, es darüber hinaus bekannt machen will. Das sei eine Chance, sich weiter als Genussstadt zu profilieren. Würde es in diese Richtung laufen, ließe sich daraus eine Art Food-Festival entwickeln.

Dass Zelte statt Lauben – wie beim Zwiebelfest – das Gesicht des Festes prägten, hielten alle Wirt für gut; auch den Gästen hätte es gefallen. Es sei zudem praktikabler und kostengünstiger.

Auch wenn es vor dem Ende am heutigen Montag zu früh für eine wirtschaftliche Bilanz ist, ließ List schon einmal durchblicken, dass es sich „als Umsatzbringer und Werbung für die teilnehmenden Wirte und für die Stadt Esslingen“ auf jeden Fall gelohnt habe. Regenstunden schlugen natürlich negativ ins Kontor, List sprach von einer fünfstelligen Summe. Zwei Tage Regen ließen sich kompensieren, „aber mehr verträgt das Fest nicht“. Ab dem Jahr 2021 sieht die Stadt allerdings zumindest für den Übergang einen Zuschuss vor. Grundsätzlich soll sich das Fest aber auch künftig selber tragen.

Die Wirte unterstrichen, dass sie in dieser Konstellation auch im kommenden Jahr weiter machen wollen, aber offen für jeden seien, der sich anschließen wolle.

Und was sagen die Gäste? Sie hatten bereits Mitte der vergangenen Woche in einer EZ-Umfrage ein rundum gutes Urteil zum Fest abgegeben. Vor allem das kulinarische Angebot wurde gelobt. Auch die lockere, ungezwungene Atmosphäre fand bei den Gästen des Esslinger Sommers lobende Worte.

Kommentar: Zwischenspiel

Wenn etwas geht, bleibt ein Schmerz. Ist es etwas lieb Gewonnenes, ist der Schmerz größer. Ist dem Verlustgefühl Überdruss beigemischt, ist er kleiner. Wichtig für die Seele ist auch: Kommt danach die große Leere? Oder kommt etwas Neues, und wenn es nur ein Zwischenspiel ist?

Genau, wir sind bei Esslingens Sommerfesten, dem verlorenen Zwiebelfest und dem Zwischen-Nachfolger, dem Esslinger Sommer. Heiterkeit ist vielleicht der beste Begriff, der die Atmosphäre der vergangenen Tage auf dem Marktplatz zum Ausdruck bringt. Gefühle des Überdrusses sind weggewischt, eine Leere hat sich auch nicht breit gemacht. Stattdessen ein vergnügliches Zwischenspiel, das neugierig macht auf die Fortsetzung im nächsten Jahr.

Da der große Bundesligafußball ab dem kommenden Wochenende wieder rollt, sei ein – zugegebenermaßen etwas schräger – Vergleich gestattet. Weil Stuttgart im Relegationsspiel an Berlin scheiterte, gibt es gleich drei statt zwei Aufsteiger, die, wenn sie klug sind, eine alte Fußballweisheit befolgen: Erst mal den Laden dicht machen, die Null muss stehen. Übersetzt auf den Esslinger Sommer heißt das: Keine Pannen! So ist es auch gekommen: Das Fest ging glatt über die Bühne.

Ein 0:0 ist für einen Aufsteiger nicht das Schlechteste, aber ein, zwei eigene Törchen wären noch viel besser. Und auch das hat das Sommerfest geschafft: Wo man auch hinhörte, die Resonanz unter den Gästen war durchweg positiv. Natürlich gibt es viele Anregungen, so vermissen die einen Musik, die anderen hingegen sind froh, dass sie sich auf einem Fest unterhalten können, ohne gegen Lautsprecher ankämpfen zu müssen. Diskussionen dieser Art sind ein Ausdruck von Vielfalt; es wäre schon merkwürdig, wenn alle einer Meinung wären. Um es auf den Fußballplatz zu übertragen: Nicht jeder Zweikampf ist spielentscheidend und dennoch spannend.

Apropos Vielfalt: Die kam auf der kulinarischen Ebene an. Wer sich an die Diskussionen erinnert, die zum Ende des einen und zum Anfang des anderen führten, weiß, dass dieser Punkt eine große Rolle spielte. Wie sieht nun die Zukunft aus? Konzentration auf regionale Küche oder Öffnung zu einer schwäbisch-internationalen Gastronomie? Es sieht nach einem vielversprechenden Paradigmenwechsel aus.

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